Das Buch der Erinnerung

Dr. Diana Schulle

Das „Buch der Erinnerung. Die ins Baltikum deportierten deutschen, österreichischen und tschechoslowakischen Juden“, bearbeitet von Wolfgang Scheffler und Diana Schulle,
herausgegeben vom Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e.V. in Verbindung mit der Stiftung „Neue Synagoge Berlin – Centrum Judaicum“ und der Gedenkstätte „Haus der Wannsee-Konferenz“.  (Hinweis: Detaillierte Angaben zum Buch am Textende.)

Vom November 1941 bis Oktober 1942 wurden mehr als 30 000 deutsche, österreichische und tschechoslowakische Juden in die Ghettos des litauischen Kowno (Kaunas), des estnischen Reval (Tallinn) und des lettischen Riga verschleppt. Wolfgang Scheffler erläutert in seinem fundierten und umfassenden Einführungsartikel unter anderem die Vorbereitung und Logistik der Deportationen, vor allem aber den Lagerterror bis hin zum Massenmord in den Ghettos und Konzentrationslagern. Danach folgt die Dokumentation der Deportationen. Neu ist gegenüber den bis dahin erschienenen, die Namen der Deportierten alphabetisch aufführenden Gedenkbüchern die strikte Einteilung nach den Deportationszielen, denen die Transporte ins „Reichkommissariat Ostland“ in chronologischer Reihenfolge zugeordnet werden, wodurch das zweisprachige „Buch der Erinnerung“ eine andere Qualität gewinnt. In den einzelnen Abschnitten werden insgesamt 32 Deportationen aus verschiedenen Städten zwischen dem 17. November 1941 und dem 26. Oktober 1942 dargestellt.

Die Gründe für diese Neueinteilung ergaben sich aus den Vorüberlegungen:

·    Die Deportationen nach Kowno, die zunächst für Riga geplant waren, erhalten zum ersten Mal eine zusammenfassende Darstellung.

·    Wir stellen die Riga-Transporte so zusammen, wie sie tatsächlich die jeweilige Gestapo(leit)stelle verließen. Die Transporte werden transparenter durch die Möglichkeit erkennen zu können, woher Juden zusammengezogen wurden. Mehrfachnennungen von Deportierten können so vermieden werden.

·    Zwei Transporte sind neu zu datieren, die dazu gehörigen Namen des einen werden zusammengeführt, der andere erhält einen neuen Zielort und wird aus der bisherigen Liste der Riga-Transporte entfernt.

·    Wir zeigen die Wege auf, soweit sie sich anhand der noch existierenden Materialen der einzelnen Gedenkstätten eruieren lassen, die die Menschen gehen mussten, wenn sie die Zeit im Ghetto überlebt haben. Diese Rekonstruktion der Wege ist bis dahin noch nie vorgenommen worden.

·    Wir nennen die Überlebenden.

Um dem Gedenkbuch eine einheitliche Struktur zu geben war die Unterstützung lokaler Archive und regionaler Forscher unerlässlich. Professor Scheffler erarbeitete einen Fragenkatalog, der den Verfassern der Texte übergeben wurde, die über die Situation der jeweiligen Stadt berichten würden. Anhand dieses Leitfadens würde der künftige Leser und Nutzer unter anderem erfahren, wie sich die allgemeinen Bevölkerungszahlen zwischen den Volkszählungen von 1933 und 1939 veränderten, wie sich die Verhältnisse für Juden in den einzelnen Gestapo(leit)stellen entwickelt, wo Sammellager eingerichtet worden waren und welche Verhältnisse dort herrschten, welche Vorbereitungen sowohl Täter als auch Deportierte zu treffen hatten, auf welche Weise die Zuführungen aus den einzelnen Städten erfolgten und schließlich, welche Personen oder welcher Personenkreis für die Deportationen verantwortlich zeichneten und wie sie durchgeführt wurden. Die dadurch entstandene lokale Transparenz lässt den Leser und Nutzer die lokalen Gegebenheiten erkennen, und immer wieder auftauchende Besonderheiten lassen sich so leicht zuordnen.

In jeweiligen Einleitungsteilen gibt Wolfgang Scheffler einen Überblick über die Deportationen von Berlin, München, Frankfurt am Main, Wien und Breslau nach Kowno (Kaunas). Über das Schicksal dieser ursprünglich für Riga bestimmten Transporte ist in der Nachkriegszeit fast nichts bekannt geworden, was unter anderem daran lag, dass es keine Überlebenden gab, die vom Schicksal der deutschen und österreichischen Juden berichten konnten. Daher sind auch in den lokalhistorischen Veröffentlichungen kaum Einzelheiten über die grausigen Umstände bekannt geworden, unter denen die Insassen dieser fünf Transporte starben.

In dem Einleitungsteil zum „Reichsjudenghetto“ in Riga schreibt Wolfgang Scheffler über das Schicksal der Deportierten im Ghetto von Riga, in Jungfernhof, Salaspils und die vielen Zwangsarbeitsstätten und Konzentrationslager, in die die deportierten Juden gebracht worden sind, bis sie den Einzel- und Massenmorden zum Opfer fielen.
Jeder Transport aus einer Stapo(leit)stelle wird auf der Grundlage einer ausführlichen Darstellung der Lage vor Ort mit Blick auf die „Evakuierung“ sowie einer Liste mit den Personendaten der Deportierten dokumentiert. Sie enthält Namen und Vornamen, Geburtsnamen, -daten und -orte, letzte Adressen, letzte Lebenszeichen (Datum und/oder Ort) und Todesdaten (Datum und/oder Ort). Das Basismaterial für diese Listen haben zwanzig Expertinnen und Experten der jüdischen Lokalgeschichte geliefert. Sie haben auch größtenteils die erläuternden Texte verfasst, die die Diskriminierung und Verfolgung der jüdischen Bevölkerung bis zur Abholung, Internierung und Deportation beschreiben.
Ebenfalls neu und damit bemerkenswert ist darüber hinaus die namentliche Erwähnung der Täter, die in anderen Gedenkbüchern häufig nur am Rande in Erscheinung treten. Es handelt sich überwiegend um Amts- und Funktionsträger von Polizei und Justiz, Finanzämtern oder der Stadt- und Gemeindeverwaltungen vor Ort, von Einsatztruppen, Angehörigen der Wehrmacht oder Kollaborateuren, die an den Aktionen im Osten beteiligt waren und in den Beiträgen, wenn möglich, genannt werden.
Ein umfangreicher Erkenntniswert ergab sich vor allem aus den Datenbeständen und Unterlagen der heutigen Gedenkstätten Auschwitz, Buchenwald, Bergen-Belsen, Dachau, Neuengamme, Sachsenhausen, Stutthof und Theresienstadt. Sie wurden ausgewertet und vernetzt und führten zum Auffinden von mehr als 2 000 bis dahin nicht bekannten letzten Lebenszeichen mit den dazu gehörigen Orten sowie nahezu 7 800 noch nie erwähnten Todesdaten samt der dazugehörigen Wege über die verschiedenen Lager. Auf diese Weise konnte vielfach auch das Schicksal derjenigen geklärt werden, die 1944/45 in Konzentrationslager auf dem Gebiet des Deutschen Reiches weitertransportiert wurden.

Im Gegensatz zu anderen Gedenkbüchern sind zusätzlich die Überlebenden gesondert aufgenommen worden – eine Hilfestellung für den Nutzer, dem auf diese Weise eigenes Suchen erspart bleibt. Aufgrund dieser akribischen Detailarbeit bleiben nur wenige Zweifelsfälle offen. Lediglich die Identität von 31 Frauen, Männern und Kindern war nicht eindeutig nachzuweisen, weil sie beispielsweise aus Städten mit mehreren Transporten kamen. Hinzu kommen 23 Überlebende, die teilweise nach Kriegsende ihren Namen änderten und deshalb nicht identifiziert werden konnten. Sie zählen zu den 1  147 Personen, die im Frühjahr 1945 befreit werden konnten.

Da die Bearbeiter Wolfgang Scheffler und Diana Schulle aus eigener Erfahrung wussten, wie hilfreich ein Namenregister ist, kristallisierte sich alsbald heraus, dass dieses Gedenkbuch ein Namenregister beinhalten sollte. Es macht lokalgeschichtlich Interessierten manchmal erstmalig ermöglicht, nach dem Verbleib der Bürgerinnen und Bürger jüdischen Glaubens zu forschen. Allerdings ist hierfür die Kenntnis des Namens der Betroffenen zwingend notwendig. Heute, fast zehn Jahre nach dem Erscheinen des „Buches der Erinnerung“ wissen wir, dass auch ein Ortregister eine gute Handreichung gewesen wäre.

Ohne umfangreiche Unterstützung ungezählter Institutionen und Privatpersonen lässt sich ein Gedenkbuch wie das „Buch der Erinnerung“ nicht erarbeiten. In 17 Texten erhält der Benutzer von 14 verschiedenen Autoren einen Einblick in die jeweiligen lokalen Gegebenheiten der Städte und Regionen Berlin, Bielefeld, Dortmund, Dresden, Düsseldorf, Hamburg, Hannover, Kassel, Köln, Leipzig, Münster, Nürnberg, Osnabrück, Schleswig-Holstein, Stuttgart, Theresienstadt (Prag, Brünn) und Wien. Darüber hinaus standen uns zur Seite:
46 deutsche Archive (Bundesarchiv, Hauptstaats-, Landes- und Stadtarchive), das Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstands in Wien, Terezín Memorial, Yad Vashem in Jerusalem, United States Holocaust Memorial Museum in Washington, die Survivors of the Shoah Visual History Foundation in Los Angeles, das Sonderarchiv in Moskau, das lettische Staatsarchiv in Riga, das Stadtarchiv der Stadt Riga, die Staatsanwaltschaften Hamburg und Düsseldorf, Universität Breslau, Wiener Library in London, die Zentralstelle der Landesjustizverwaltungen Ludwigsburg, die Gedenkstätten Auschwitz, Buchenwald, Bergen-Belsen, Dachau, Neuengamme, Sachsenhausen, Stutthof und Theresienstadt, das Landesverwaltungsamt Berlin, Entschädigungsbehörde und mehrere Dokumentationszentren. Darüber hinaus halfen uns ungezählte Privatpersonen, darunter Überlebende der Deportationen nach Riga, Lokalhistoriker, Geografen und Meteorologen.

Als Ergebnis enthält das „Buch der Erinnerung“ die fünf Listen mit 4 716 Namen von Menschen jüdischen Glaubens, die aus den Städten Berlin, München, Frankfurt am Main, Wien und Breslau nach Kowno (Kaunas) deportiert wurden, soweit sie sich anhand vorhandener Materialien rekonstruieren ließen. Das Durchschnittsalter betrug 47 Jahre. Darunter befinden sich 211 Kinder bis zum zehnten Lebensjahr sowie sieben Personen, die mehr als 80 Jahre zählten. Niemand überlebte.

Die folgenden Transporte aus Nürnberg, Stuttgart, Wien und Hamburg gelangten zunächst nicht ins „Reichsjudenghetto“ von Riga, sondern auf das etwa 200 Hektar große, heruntergekommene Stadtgut Jungfernhof. Insgesamt teilten sich 3 984 Menschen, die zwischen dem 2. und 9. Dezember 1941 hier ankamen, das mit einem Gutshaus, drei großen, nicht beheizbaren Holzscheunen, fünf kleinen Häusern und verschiedenen Viehställen bebaute Gelände. Soweit bekannt, überlebten von den „Jungfernhofern“ nur 148 namentlich genannte Personen.

Das zweite Lager, in das deutsche, österreichische und tschechische Juden außerhalb des Rigaer Ghettos verschleppt wurden, lag 18 Kilometer vom Stadtkern Rigas, und 12 Kilometer vom Lager Jungfernhof entfernt. Inmitten eines Waldgebietes; unweit der Ortschaft Salaspils bestand auch ein Kriegsgefangenenlager. Aus allen in Riga ankommenden Transporten gelangten etwa 1 800 Männer im Alter zwischen 16 bis 50 Jahren hierher. Neben den Aufbauarbeiten des Lagers mussten sie auf einem nahe gelegenen Stichgleis der Strecke Riga-Dünaburg abgestellte Güterwagen mit dem Gepäck der im Januar und Februar 1942 aus Berlin und Wien ins Ghetto Riga gelangten Deportierten ausräumen und sortieren. Die überwiegende Mehrzahl überlebte das Lager nicht.

Nach den Massakern an den lettischen Juden vom 30. November und 8. Dezember 1941 – mehr als 25 000 lettische Juden waren ermordet worden –,  trafen im Dezember 1941 fünf Deportationszüge mit 5 073 Menschen im Rigaer Ghetto ein.
In den beiden ersten Monaten des Jahres 1942 folgte dann eine dichte Reihe von zehn Transporten aus Theresienstadt, Wien, Berlin (mit einer Gruppe aus Potsdam), Leipzig und Dresden sowie aus Dortmund (mit einer Gruppe aus Münster) ein. Nach den gleichen Erfassungsdaten wie im Dezember befanden sich in diesen zehn Zügen 10.001 Personen.

Aus „deportationstechnischen Gründen“ geriet der baltische Raum in der zweiten Jahres­hälfte 1942 noch einmal ins Visier der Berliner Endlösungs­stra­tegen. So gelangten zwischen dem 18. August und 29. Oktober 1942 noch einmal vier Trans­por­te aus Berlin und am 20. August 1942 einer aus Theresienstadt nach Riga. Am 4. Sep­tember fuhr ein Zug von Theresienstadt, und am 29. September ein Koppelzug aus Frankfurt am Main und Berlin nach Raasiku in Estland. Die Sicherheitspolizei hatte nicht die Absicht, die Insassen der nach Riga gelangten Transporte in das Ghetto zu bringen. Lediglich für ihre eigenen Zwecke selektierte sie aus dem Septemberzug und dem ersten Oktober­trans­port jeweils etwa 78 bis 81 Handwerker, die aber nicht in das Ghetto gebracht wurden. Die übrigen Menschen aus diesen und den drei anderen Transporten verschwanden in den Mas­sen­gräbern um Riga.

Nicht in allen Städten, aus denen Deportationstransporte ins lettische Riga abgingen, sind die entsprechenden Transportlisten erhalten geblieben. Eine Eingangsregistrierung im Ghetto von Riga, sollte es so etwas gegeben haben, sowie jegliches Material, das über den Verbleib der Menschen Auskunft geben könnte, ist nach bisherigen Erkenntnissen vor oder bei der Auflösung des Ghettos Anfang November 1943 vernichtet worden. Dies führte bereits bei der Erarbeitung des „Riga-Gedenkbuches“, und führt auch heute bei weiterer Beschäftigung dazu, dass im „Buch der Erinnerung“ nach wie vor, wenn auch in geringem  Umfang Korrekturen an den zusammengestellten Namenslisten vorgenommen werden müssen. Darüber hinaus hat die Erfahrung gelehrt, dass eine absolut feststehende Zahl deportierter jüdischer Personen wohl nie existieren wird. Verstärkt wird dieser Eindruck vor allem durch die im Bundesarchiv angesiedelte „Liste der jüdischen Einwohner im Deutschen Reich 1933-1945“, die zu dem Zeitpunkt im Entstehen begriffen war, als das „Riga-Gedenkbuch“ in den Druck gehen sollte. In nur wenigen Monaten entwickelte sich in den Jahren 2002 und 2003, im Rahmen der zwischen der International Commission on Holocaust Era Insurance Claims (ICHEIC), dem Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft und der Stiftung „Erinnerung, Verantwortung und Zukunft“ verhandelten Entschädigung unbezahlter Versicherungsansprüche gegen deutsche Versicherungsunternehmen während der NS-Zeit, ein provisorisches Verzeichnis der jüdischen Einwohner des Deutschen Reiches. In kürzester Zeit wurden etwa 2,5 Millionen unbereinigte Einzeldatensätze gesammelt. Ein Schwerpunkt lag dabei auf dem Schließen von Überlieferungslücken der Volkszählungsunterlagen vom 17. Mai 1939. Aufgrund des Verwendungszwecks und des dafür knapp bemessenen Zeitraumes – schließlich sollte kein Anspruchsberechtigter ausgeschlossen werden –, befanden sich in der „Residentenliste“  eine unüberschaubare Menge ungesicherter und qualitativ wenig ergiebiger Datensätze, die die Datenbank bis heute belasten. Problematisch ist auch der Umstand, dass aus erbrechtlichen Gründen nichtjüdische Angehörige gemischt konfessioneller Haushalte berücksichtigt wurden – ein Personenkreis, der heute nicht mehr zur Zielgruppe zählt.

Nach Abschluss der Entschädigungszahlungen erteilte die Bundesregierung dem Bundesarchiv den Auftrag, in Zusammenarbeit mit der Stiftung „Erinnerung, Verantwortung und Zukunft“ eine Liste der jüdischen Einwohner im Deutschen Reich zwischen 1933 und 1945 zu erarbeiten. Ziel war es, aus der Vielzahl von Quellen eine möglichst vollständige und genaue Liste der etwa 600 000 Einwohner jüdischen Glaubens zu erarbeiten, die zu jedem beliebigen Zeitpunkt zwischen 1933 und 1945 in Deutschland (in den Grenzen vom 31. Dezember 1937), einschließlich Danzig, ansässig waren und durch den NS-Staat verfolgt wurden oder sich verfolgt fühlten. Seit dieser Zeit gehen Quellen in- und ausländischer Herkunft in diese Datenbank ein. Bisher sind Informationen aus weit über 1 000 verschiedenen Provenienzen und Quellen eingeflossen. Davon stammt etwa je ein Viertel aus den Kommunen und lokalen Veröffentlichungen, die andere Hälfte verteilt sich auf das Material aus Archiven, Gedenkstätten und Forschungseinrichtungen. Auch die Daten des „Buches der Erinnerung“ sind hier eingegangen und werden, wenn nötig, hier korrigiert und ergänzt.

Die Arbeit an und mit der „Liste der jüdischen Einwohner im Deutschen Reich 1933-1945“ ist aufgrund ihrer Dimensionen inzwischen eine Daueraufgabe des Bundesarchivs geworden, die mit wenig Personal vor sich geht und einen langen Atem verlangt. Das ist auch der Hauptgrund für immer wieder auftretende Diskrepanzen in den Angaben, will man über die Online-Version des Bundesarchivs beispielsweise eine umfangreichere Recherche innerhalb der Transporte ins Baltikum vornehmen.

Die „Liste der jüdischen Einwohner im Deutschen Reich 1933-1945“ des Bundesarchivs bedarf in fast unüberschaubarem Umfang weiterer Bearbeitung, um die darin enthaltenen Informationen weiter zu verdichten und sie von Mehrfachnennungen zu befreien. Trotz allem ergaben dort enthaltenen Daten bereits Korrekturen am Datenbestand des „Buches der Erinnerung“. Und es entstehen auch neue Fragen und zu bedenkende Umstände, wenn sich durch die neue Quellendichte beispielsweise herausstellt, dass der Name einer Person, der im „Buch der Erinnerung“ einem Transport zugeordnet worden ist, nun auch auf einer anderen, späteren Transportliste auftaucht.

Nach wie vor bleibt zu konstatieren, dass eine feststehende Zahl auch nach Riga deportierter Personen wohl nie existieren wird. Wir werden uns weiterhin in Schwankungsbreiten bewegen, die sich vielleicht im Laufe der Zeit weiter verkleinern. Das stete Hinterfragen der Umstände und die menschliche Neigung, Antworten auf unklare Sachverhalte und offene Fragen finden zu wollen, werden immer wieder zu neuen technischen Lösungen, neuen Erkenntnissen, neuen Betrachtungsweisen und damit auch zu weiteren Korrekturen führen.

Durch das Eingehen des gesamten Datenbestandes des „Riga-Gedenkbuches“ in die beim Bundesarchiv angesiedelte „Liste der jüdischen Einwohner im Deutschen Reich 1933-1945“ wird das vom Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge initiierte und herausgegebene „Buch der Erinnerung. Die ins Baltikum deportierten deutschen, österreichischen und tschechoslowakischen Juden“ dauerhaft Bestandteil der Online-Präsentation des Bundesarchivs sein.

Dr. Diana Schulle

 

Das „Buch der Erinnerung. Die ins Baltikum deportierten deutschen, österreichischen und tschechoslowakischen Juden“, bearbeitet von Wolfgang Scheffler und Diana Schulle,
herausgegeben vom Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e.V. in Verbindung mit der Stiftung „Neue Synagoge Berlin – Centrum Judaicum“ und der Gedenkstätte „Haus der Wannsee-Konferenz“.

Erscheinungsdatum: 2003

ISBN: 978-3-11-095624-5

Das Buch ist heute im Verlag De Gruyter als Reprint (print on demand)

oder eBook oder kombiniert als

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(Preise und alle weiteren Angaben auf der Homepage des Verlages De Gruyter, s. u. http://www.degruyter.com/view/product/53211)

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