Bremen

 

Die Stadt Bremen trat am Montag, dem 5. November 2001, offiziell als 23. Mitgliedsstadt dem Deutschen Riga-Komitee bei.

Ansprechpartnerin der Stadt Bremen für das Riga-Komitee ist

Frau Andrea Frohmader
SENATSKANZLEI BREMEN
Rathaus
Am Markt 21
28195 Bremen
Tel.: +49 (0)421 / 361 14600
Email: andrea.frohmader(at)sk.bremen.de

 

Die Stadt Bremen war bei der Erinnerungsreise anlässlich des 10-jährigen Bestehens des Deutschen Riga-Komitees und bei der Gedenkveranstaltung am 9. Juli 2010 in Riga-Bikernieki mit einer eigenen Delegation vertreten.

"Der Weg in den Tod führte von Bremen über Theresienstadt nach Riga"

Ausstellung "Bremen – Theresienstadt – Riga: 3000 Schicksale"

"Wir wollen die Menschen nicht vergessen, die Opfer der Nazi-Gewaltherrschaft wurden. Erinnern für die Zukunft, damit sich die Geschichte nicht wiederholt – dazu leistet die aktuelle Ausstellung in der Unteren Rathaushalle einen wichtigen Beitrag," erklärte Bürgermeisterin Karoline Linnert bei der Eröffnung der Ausstellung "Bremen – Theresienstadt – Riga: 3000 Schicksale" im Rathaus. Das Projekt "3000 Schicksale" erinnert an die Deportation von rund 250 Juden nach Theresienstadt und deren Schicksal und den Transport von 3000 Juden von Theresienstadt nach Riga und in weitere Lager. In der Ausstellung sind unter anderem beleuchtete Lampenkuben zu sehen, die mit Fragmenten, Dokumenten und Fotos exemplarisch die Schicksale der Deportierten schildern. Eigens gegossene Betonplatten bilden ein 240-teiliges Bodenprojekt mit den Namen von Opfern.

Die Ausstellung findet anlässlich der 30-jährigen Städtepartnerschaft Bremen/Riga statt. "Eine lebendige Partnerschaft mit einem guten Fundament in der Zivilgesellschaft beider Städte," betonte die Bürgermeisterin. Die gemeinsame Geschichte sei aber viel älter. Vor mehr als 800 Jahren hat der Bremer Bischof Albert Riga gegründet. Die Hanse schuf einen engen Austausch zwischen den Kaufleuten. Ein dunkles Kapitel der gemeinsamen Geschichte stammt aus der Naziherrschaft. Diese schreckliche Verbindung ist Thema der Ausstellung. Insgesamt wurden rund 25.000 Jüdinnen und Juden aus dem damaligen Deutschen Reich nach Riga deportiert. Viele Bremerinnen und Bremer mit jüdischen Wurzeln wurden nach Minsk in Weißrussland und nach Riga in Lettland deportiert. Die Bürgermeisterin: "Der Weg in den Tod führte von Bremen über Theresienstadt nach Riga." 1941 wurden über 25.00 Ghettobewohner vor den Toren Rigas im Wald von Rumbula erschossen. 1942 und 1945 wurden bei zwei Transporten Bremerinnen und Bremer von Theresienstadt nach Riga gebracht. Karoline Linnert dankte allen Beteiligten für Ihre Mitarbeit und Unterstützung der Ausstellung. Der Kurator Chris Steinbrecher verwies bei der Eröffnung auf die Aktualität der Ausstellung: "In Zeiten wie diesen, wo Wutbürger ihre Hasstiraden skandieren, ist diese Ausstellung hochaktuell." Die Ausstellung in der Unteren Rathaushalle ist bis zum 10. November 2015 täglich von 10 bis 18 Uhr geöffnet.

Fotos: © Gerhard Schulz, Stuhr

Bremen – Theresienstadt – Riga

Einführung von Volker Hannemann, Obere Rathaushalle Bremen am 28.10.2015

Sehr geehrte Damen und Herren,
wir werden anschließend die Ausstellung „Bremen – Theresienstadt – Riga“ sehen: ein zweiteiliges, Projekt, das die unvorstellbaren, verbrecherischen, in die Realität umgesetzten Ideen der NAZI-Ideologen künstlerisch thematisiert. Die Künstlerinnen haben mit ihrer beeindruckenden Installation ein Werk gegen das Vergessen in unserer schnelllebigen Zeit geschaffen.
 Bremen ist auf vielfältige Weise mit Riga verbunden. Daher ist diese Ausstellung besonders für Bremen von großer Bedeutung, weil der Beginn der systematischen Vernichtung der Juden, mit seinen Massenerschießungen in Riga bisher wenig vertieft worden ist. Auch über die Judenverfolgung und –vernichtung in unserer Partnerstadt Riga ist hier wenig bekannt. Aber das Wissen über die Vergangenheit und damit zugleich die Erinnerung wachzuhalten, ist unsere fortdauernde historische Verantwortung. Und deshalb stelle ich in das Zentrum meiner kurzen Ausführungen exemplarisch das Rigaer Ghetto, die Deportationen nach Riga 1941, den Beginn des Holocausts und die Errichtung der Gräber- und Gedenkstätte Bikernieki.
Als Teil der Vernichtungspolitik auf der Basis der Nürnberger Rassegesetze hatte Hitler bereits im Frühjahr 1941die vollständige Ermordung von Juden in den besetzten Ostgebieten befohlen. Die Beseitigung der deutschen Juden aus dem Reichsgebiet war schon länger geplant.
Nach dem Überfall auf die Sowjetunion wurde Riga bereits am 1.Juli 1941 besetzt. Drei Wochen später wurde beschlossen, in Riga ein Ghetto (ein mit Stacheldraht umzäuntes abgeschlossenes Gebiet im Bereich der sogenannten Moskauer Vorstadt) zu errichten. Etwa 30 000 lettische Juden wohnten dann dort unter unmenschlichen Bedingungen auf engstem Raum.
Im September gab Hitler seine Genehmigung zur Deportation von Juden aus dem Reich. Aber wohin sollten sie? Auf der Suche nach geeigneten Orten wurden, weil das zunächst dafür vorgesehene Ghetto Minsk schnell überbelegt war, ungeplant Züge mit jüdischen Deportierten aus dem Reich nach Riga umgeleitet. Der erste Transportzug mit 1.053 Berliner Juden erreichte die Bahnstation Skirotava am 30. November 1941. Aber das Ghetto von Riga war überfüllt und hatte keinen Platz für die Deportierten. Also wohin mit ihnen? Alle Personen wurden noch am selben Tag im Wald von Rumbula bei Riga ermordet. Die nächsten vier aus Deutschland eintreffenden Transporte mit rund 4.000 Personen wurden auf einem leer stehenden Gutshof – später „Konzentrationslager Jungfernhof“ genannt – notdürftig untergebracht. Das Ghetto in Riga wurde dann schließlich am 30. November 1941 geräumt, um für weitere deportierte Juden aus Deutschland Platz zu gewinnen. Die bisher im Ghetto wohnenden lettischen Juden wurden von der lettischen SS unter Aufsicht der deutschen SS ermordet:  Am 30. November (der sogenannte „Rigaer Blutsonntag“ ) wurden etwa 15.000, am 8. und 9. Dezember noch einmal 12.500 Menschen in ausgehobenen Gruben in den nahen Wäldern von Rumbula erschossen. Jetzt endlich war der benötigte Platz geschaffen worden!  Das Ghetto wurde zum „Reichsjudenghetto“ umbenannt. Bis Februar 1942 sind insgesamt 28 Transporte mit etwa 25 000 Juden aus verschiedenen Städten des damaligen Reichs nach Riga gebracht worden.
In den Jahren 1941 bis 1944 haben deutsche Sicherheitspolizisten und ihre lettischen Helfer mehr als 35 000 Menschen, überwiegend jüdische Frauen und Männer, Kinder und Greise, im nahen Wald von Bikernieki erschossen. Hier endet das unvorstellbare Leid dieser deutschen Juden. Sie hatten Terror, Entrechtung, Enteignung, Verlust der Staatsbürgerschaft, Deportation und Demütigungen erfahren. Zuletzt hatten sie durch ihre Ermordung auch ihre Namen verloren – für die Nachwelt gab es sie nicht mehr!
Mit der Deportation von Juden aus dem Reich, um Deutschland „judenfrei“ zu machen, auch nach Riga und der in diesem Zusammenhang erfolgten Massenerschießungen setzt eine neue planmäßige, durchorganisierte Strategie der Judenvernichtung ein, nämlich der Holocaust. Holocaust ist ein Wort, bei dem jeder Mensch erstarrt, der in der zivilisierten Welt lebt. Holocaust ist ein Wort, das in Lettland heute nur sehr wenige kennen, obwohl gerade in Lettland, in Bezug zur Gesamtbevölkerung gesehen, mehr Angehörige des jüdischen Volkes lebten als in jedem anderen Land der Welt.
Aus Bremen sind keine Juden nach Riga deportiert worden, u. a. aber nach Theresienstadt. Damit setzen sich die Künstlerinnen ebenso auseinander wie mit der Verlegung von Deportierten von Theresienstadt nach Riga. Insgesamt rund 3 000 Personen wurden so von Ghetto zu Ghetto verlegt.

Seit Jahren besuchen Touristen Riga in großer Zahl – es gibt ja auch viel Interessantes, Architektonisches, Kulturelles zu sehen und zu erleben. Die Gräber- und Gedenkstätte im Wald von Bikernieki im Nordosten von Riga ist den meisten Touristen unbekannt und wird deswegen auch nicht besucht. Aber auch der lettischen Bevölkerung ist diese Gedenkstätte weitestgehend nicht bekannt. Über die aktive Zusammenarbeit nationalistischer Letten mit den Deutschen bis hin zu deren Teilnahme an den Massenerschießungen während der Zeit der deutschen Besetzung wird nicht viel geredet. Wie ist es erklärbar, dass im freien, unabhängigen Lettland die massenhafte Ermordung von Juden in der Zeit zwischen 1941 und 1944 im Großen und Ganzen durch Verschweigen verdrängt wird. In Lettland ist dieser unrühmliche Teil der eigenen Geschichte erst wenig aufgearbeitet, und wenn, finden sich Dokumente und Hinweise in den Jüdischen Museen.
 Leider ist die Zeit zu kurz, um die beeindruckende Gräber- und Gedenkstätte in Bikernieki zu beschreiben. 55 Massengräber sind festgestellt worden. Die Leichen aus den Massengräbern wurden vor dem deutschen Rückzug 1944 verbrannt. Jahrzehntelang war die Erschießungs- und Gräberstätte Bikernieki ein vergessener und zunehmend verwahrloster Ort.
Im November 2001, auf den Tag 60 Jahre nach der Ankunft der des ersten Transportes mit Deportierten aus Berlin nach Riga,  wurde die Gräber- und Gedenkstätte Bikernieki eingeweiht. Die Initiative dafür ging von dem Deutschen Riga Komitee aus, einem Zusammenschluss der deutschen Städte, aus denen nachweislich Juden nach Riga deportiert wurden. Dieses war am 23. Mai 2000 in Berlin auf Initiative des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge e. V. gegründet worden. Die deutsche Regierung hatte sich verpflichtete, auch den deutschen jüdischen Opfern der Deportation nach Lettland eine würdige Grabstätte und gleichzeitig Gedenkstätte zu errichten. Bei der Einweihung legten die Delegationen der Heimatstädte Metallkapseln mit den Namenslisten der Opfer in den Schrein unter dem zentralen Denkmal. So haben die Ermordeten zumindest ihren Namen wieder erhalten!
Der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge fühlt sich verpflichtet, dem Riga-Komitee eine organisatorische Basis zu geben. Heute gehören mehr als 50 Städte, aus denen 1941/42 jüdische  Bürger nach Riga deportiert wurden, dem Komitee an.
Bereits seit 1992 fahren Jugendliche aus Bremen jährlich in ihren Sommerferien nach Lettland zu sogenannten vom Volksbund organisierten Work-Camps. Seit 2002 auch nach Bikernieki, um sich dort zusammen mit lettischen Jugendlichen mit der Geschichte auseinander zu setzen, die heutige Situation zu erörtern und über Lösungen für die Zukunft zu diskutieren. Sie  knüpfen damit ein lebendiges Band der Erinnerung und der Begegnung zwischen Riga und den deutschen Städten, von denen damals die Deportationen ausgingen. Dem Bremer Landesverband des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge e. V. ist die Betreuung der Gräber- und Gedenkstätte Bikernieki übertragen worden. Und somit schließt sich der Kreis Bremen – Riga – Theresienstadt – Bremen.
Somit steht die heutige Veranstaltung auch unter dem Motto „Gegen das Vergessen“.
Meine Damen und Herren, ich bedanke mich für Ihre Aufmerksamkeit.

Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e.V.

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