Dülmen

 

Die Stadt Dülmen trat am Freitag, dem 24. Januar 2014, offiziell als 44. Mitgliedsstadt dem Deutschen Riga-Komitee bei.

Ansprechpartnerin der Stadt Dülmen für das Riga-Komitee ist Frau

Gunda Mühlenfeld-Anders
VHS Dülmen-Haltern am See-Havixbeck
Münsterstr. 29
48249 Dülmen
Tel.: +49 (0)2594/12474
Email: muehlenfeld-anders(at)duelmen.de

 

 

„Weiteres wichtiges Puzzlestück für die Erinnerungsarbeit vor Ort“

Zahlreiche Gäste waren der Einladung der Bürgermeisterin zur offiziellen Urkundenübergabe durch Regierungspräsident Prof. Dr. Reinhard Klenke und der Ausstellungseröffnung „Bikernieki – Wald der Toten" in der Alten Sparkasse am Freitagabend, 24. Januar, gefolgt.

 „Der Beitritt zum Riga-Komitee ist für Dülmen ein weiteres wichtiges Puzzlestück für die Erinnerungsarbeit vor Ort", leitete Bürgermeisterin Lisa Stremlau die Beitrittsfeierlichkeiten ein.

Unter den über 25.000 deutschen Juden, die in den Jahren 1941 und 1942 nach Riga deportiert und in ihrer überwiegenden Zahl im Wald von Bikernieki ermordet wurden, waren auch acht Dülmener.

„Lassen Sie uns gemeinsam daran arbeiten, dass es in Zukunft keine Wälder der Toten mehr gibt, sondern Wälder des Miteinanders und der Toleranz", richtete Bürgermeisterin Lisa Stremlau einen Appell an die Gäste. Dabei erinnerte sie an die grausamen Geschehnisse in der Nacht zum 11. Dezember 1941: Die Dülmener Karl und Selma Frankenberg, Charlotte Pins, Josef und Lina Salomon sowie Bertha, Julia und Margarethe Wolff wurden gemeinsam mit rund 2.000 weiteren Personen aus Westfalen in zwei Transporten aus Münster/Osnabrück/Bielefeld und Dortmund nach Riga deportiert. Keiner der Dülmener überlebte.

Darüber hinaus hob Stremlau die außerordentliche Jugendarbeit vor Ort zu dem Thema Erinnerungsarbeit hervor und betonte, wie wichtig es sei besonders die Jugendlichen für dieses Thema zu sensibilisieren.

Hieran knüpfte Regierungspräsident Prof. Dr. Reinhard Klenke in seiner Rede an. Er betonte die heutige Bedeutung, die Erinnerung an die Opfer des Nationalsozialismus wach zu halten, da es nur noch wenige Zeitzeugen gäbe, die davon berichten können. „Die Weitergabe der Erfahrungen ist etwas Essenzielles: Es wappnet uns gegen das Böse", so Klenke. Es sei wichtig, den Opfern ein Gesicht zu geben, „denn viele Tausend Opfer, die uns anonym bleiben, bleiben uns nicht so stark in Erinnerung, wie das Schicksal einer Familie, deren Gesichter wir kennen." Er stellte heraus, dass sich die Städte des Riga-Komitees mit den Einzelschicksalen vor Ort auseinandersetzen und sich untereinander gut vernetzen.
                      

Das Programm gestalteten auch 26 Schülerinnen und Schülern der Hermann-Leeser-, der Kardinal-von-Galen- und der Pestalozzi-Schule in Kooperation mit dem Stadtarchiv. In einer szenischen Lesung stellten die Schüler zwei eindrucksvolle Berichte einander gegenüber, die des Hauptmanns Paul Salitter, der an den Deportationen von Düsseldorf nach Riga 1941 beteiligt war, und von Hilde Sherman-Zander, die eben diese Deportationen überlebte.

Außerdem hatten die Schüler eine Zeitungs-Performance und eine Ausstellung mit dem Titel „Jüdisches Leben in Dülmen" vorbereitet. Bernd Weimann von der Städtischen Musikschule Dülmen und Haltern am See begleitete die Veranstaltung musikalisch am Klavier mit Interpretationen jüdischer Lieder, die im Ghetto gesungen wurden.

Den Abschluss des Abends bildete ein eindrucksvoller Vortrag des ehemaligen Bundestagsmitglieds Winfried Nachtwei, der einer der Initiatoren des Riga-Komitees ist und sich seit vielen Jahren mit dem Holocaust in Riga auseinandersetzt. Er schilderte, was den über 25.000 Juden, die nach Riga deportiert wurden, wiederfuhr und berichtete von Zeitzeugen, die er persönlich kennengelernt hatte.

Die im Rahmen der Veranstaltung eröffnete Ausstellung „Bikernieki – Wald der Toten" zeigt die Geschichte der heutigen Gräber- und Gedenkstätte Bikernieki am Stadtrand von Riga. Diese umfasst 55 größere und kleinere Gräber von unzähligen Opfern der Erschießungskommandos der Nationalsozialisten im Zweiten Weltkrieg. 2001 errichtete der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e.V. gemeinsam mit seiner lettischen Partnerorganisation und der Stadtverwaltung Riga die Gedenkstätte, welche heute gemeinsam von lettischen und deutschen Jugendlichen im Rahmen von Workcamps gepflegt wird.

 

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