Die Gegenwart bewältigen
Wanderausstellung zur Deportation nach Riga
Der Forst von Bikernieki nahe der lettischen Hauptstadt Riga wird auch der Wald der Toten genannt. Denn hier erschossen die Deutschen über 25 000 Menschen jüdischen Glaubens. Sie waren aus zahlreichen Städten Deutschlands deportiert worden. Daran erinnert das Riga-Komitee, ein Zusammenschluss der Städte, in denen die jüdischen Mitbürger damals zur Reise ohne Wiederkehr zusammengetrieben wurden. Der Volksbund eröffnete dazu nun eine Wanderausstellung, die noch bis zum 23. Dezember im Kasseler Rathaus zu sehen ist.
Zug ohne Rückkehr
„Heute vor 70 Jahren fuhr auch am Kasseler Hauptbahnhof ein Zug in Richtung Riga ab. Es war ein Zug ohne Rückkehr“, sagte Volksbund-Mitarbeiter Thomas Rey zur Ausstellungseröffnung am 9. Dezember 2011. Dabei betonte er, dass die heutige Generation keine Schuld an den damaligen Ereignissen trage, wohl aber die Verantwortung habe, alles dafür zu tun, dass so etwas nicht wieder passieren könne. So sei es unerlässlich, an das Vergangene zu erinnern, gerade angesichts aktueller Entwicklungen.
Diesen Faden nahm Kassels Oberbürgermeister und Volksbund-Kreisvorsitzender Bertram Hilgen auf. Er verwies auch auf das Kasseler Opfer der rechten Terror-Zelle und die zu seinem Gedenken organisierte Menschenkette am nächsten Tag. Solche Aktionen seien wichtig, um zu zeigen, dass die Gesellschaft zusammenhalte und sich gegen solche Tendenzen wehre.
Gegen das Vergessen
Dass es an diesem Zusammenhalt vor 70 Jahren gemangelt habe und viele Bürger weggeschaut hätten, darüber berichtete eindrucksvoll Ernst Klein. Er gründete den Verein „Gegen das Vergessen“, der sich um den Aufbau deutsch-jüdischer Beziehungen bemüht. Zudem betreiben er und seine Ehefrau seit Jahren die aufwändige Suche nach Angehörigen ehemaliger Volkmarser Juden. So macht er auch das Schicksal der Riga-Deportierten am Beispiel der jüdischen Familie Wertheim aus Kassel konkret. „Unser Gedenken an die Opfer kann nicht das unendliche seelische und körperliche Leid ausdrücken, das jeder einzelne dieser Menschen erdulden musste. Aber wir können durch die Erinnerung unsere Achtung vor den Toten zum Ausdruck bringen“, sagte Klein. Unsere jüngere Geschichte sei dabei Last und Chance zugleich: „Die Gegenwart ist zu bewältigen – nicht die Vergangenheit!“
Mehr zum Riga-Komitte und zur Wanderausstellung „Bikernieki – Wald der Toten“ lesen Sie hier.



