Hautnah - Bewegende Schicksale von Kriegsopfern und Angehörigen

Vom 20.-23.Oktober nutzten Reservisten des VdRBw, Angehörige von Kameradschaften ERH des Deutschen Bundeswehrverbandes und aktive Soldaten der Bundeswehr die Gelegenheit, an einem Rollenden Seminar des Volksbundes auf den Golm / Insel Usedom teilzunehmen.

Am Donnerstag startete das diesjährige Rollende Seminar mit einem Bus und 2 Busfahrern des Sanitätsregiment 22 "Westfalen" aus Ahlen in Unna. Dort war Sammelpunkt und zentrale Abfahrstelle für die 40 teilnehmenden aktiven und ehemaligen Soldaten, die sich über die aktuelle Arbeit des Volksbundes informieren wollten.

Die Ortschaft Kamminke am ostwärtigen Ende der Insel Usedom wurde nach einer Fahrt unter blauen Himmel und durch schöne Landschaften gegen Abend erreicht. Die Unterbringung der Gruppe erfolgte in der Jugendbegegnungs- und Bildungsstätte (JBS) Golm, die der Volksbund dort in unmittelbarer Nachbarschaft der Deutschen Kriegsgräberstätte Golm errichtete, um diese Stätte als Lernort der Geschichte im Rahmen von friedenspädagogischen Bildungsprojekten nutzen zu können. 

Der Freitag begann mit einem Vortrag über den Golm und die Bombardierung der damals deutschen Stadt Swinemünde am 12. März 1945.
Anschließend wurde die Gruppe durch einen Mitarbeiter der JBS über die benachbarte Kriegsgräberstätte geführt, wo dann auch zum Gedenken an die vielen Kriegstoten, die auf dem Golm begraben wurden, ein Blumengesteck niedergelegt wurde. Vor allen Dingen machte die sichtbare Anonymität der Gräberfelder betroffen, die durch die DDR-Behörden in den 70iger Jahren durch Entfernung aller Grabkreuze bewusst hergestellt wurde.

Der frühe Nachmittag wurde zu einem Besuch des Historisch-Technischen Museums in Peenemünde genutzt.

Bevor der Tag endgültig bei einem kühlen Bier im "Alten Schulhaus", dem zu einem Seminargebäude der JBS umfunktionierten ehemaligen Kamminker Schulhaus, ausklingen konnte, wurden den Teilnehmern in einem mehrstündigen Seminarblock zu aktuellen Themen der Kriegsgräberfürsorge vorgetragen.

Am Samstag erfolgte der Besuch der Deutschen Kriegsgräberstätte Stare Czarnowo (Neumark) in Polen.

Für einige Teilnehmer gestaltete sich dieser Besuch zu einem sehr bewegenden Erlebnis, als sie hier ein Ehepaar kennenlernten, das diese Gräberstätte ebenfalls zum ersten Mal besuchte. Während der gut deutsch sprechende Friedhofsverwalter von Stare Czarnowo, Herr Piotr Nycz, die genaue Grablage des Vaters der heute 66jährigen Ehefrau feststellte und markierte, erzählte uns die Dame "ihre Geschichte":

Sie hatte ihren Vater nie kennengelernt. Er war gegen Kriegsende in Polen gefallen und beerdigt worden. Ihre Mutter besaß ein Foto dieses Grabes, das allerdings nicht mehr aufzufinden war. Seit dieser Zeit versuchte ihre Mutter und - als sie alt genug war - auch sie etwas über das Schicksal und den Verbleib des Ehemannes, bzw. ihres Vaters zu erfahren. Alle Suche und Nachforschungen blieben erfolglos, bis die heute 66jährige alte Dame im August 2011 ein Brief der Deutschen Dienststelle erhielt, in dem ihr mitgeteilt wurde, dass ihr Vater gefunden worden sei und seine Gebeine auf die Deutsche Kriegsgräberstätte Stare Czarnowo umgebettet werden würden. "Tragisch", so die Dame, "ist nur, dass meine Mutter, die mein ganzes Leben lang ihren Mann gesucht hat, dies nicht mehr miterleben konnte. Sie ist vor 3 Jahren mit 88 gestorben." Der Dame, die nun nach 66 Jahren zum ersten Mal am Grabe ihres Vaters stand, war deutlich anzusehen, wie befreiend die nun eingetretene Gewissheit für sie ist, um endlich ihre innere Ruhe finden zu können.

Den Abschluss dieses Besuchs bildete eine Gedenkveranstaltung, während der nach einigen nachdenklich stimmenden Worten ein Blumengesteck niedergelegt und der Kriegstoten gedacht wurde. Nachdem die Gruppe dann auch noch "Der gute Kamerad" gesungen hatte, gingen jedem Teilnehmer auf dem Weg zum Bus sicher ganz persönliche Gedanken "durch den Kopf".

Auf dem Rückweg zum Golm führte die Stv Leiterin der JBS die Gruppe durch Swinemünde und erinnerte an diversen Stationen durch anschauliche Schilderungen des Geschehens und des Erlebten von Betroffenen an das Schicksal der Menschen, die am 12.03.1945 hier den amerikanischen Bombenangriff zu ertragen hatten, bzw. darin umkamen.

Am letzten Abend auf der Insel Usedom konnte das Kaiserbad Ahlbeck ein wenig auf eigene Faust erkundet werden, bevor am Sonntag die Rückfahrt nach Unna angetreten werden musste.

Das Rollende Seminar endete schließlich am Sonntag Abend mit zufriedenen Teilnehmern und der Volksbund freut sich über 9 neue Mitglieder - danke für Ihr Interesse und unterstützen Sie den Volksbund auch bitte weiterhin!


Text:   Roland Schmitt

Bilder: Eberhard Beckmann, Wilfried Hejnal, Rainer Hellberg, Bernd-Jürgen Karsch, Rolf Koos, Erhard Lauber, Reinhold Panten, Roland Schmitt, Günther Siegel


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