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Der Wert eines jeden Menschenlebens

Gedenken am Vorabend des Volkstrauertages

18. November 2017

Schon am Vortag des Volkstrauertages am 19. November gab es in Berlin zahlreiche Veranstaltungen im Gedenken an alle Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft. Das Foto zeigt die Veranstaltung in der Berliner Lilienthalstraße bei strömendem Regen (alle Fotos: Uwe Zucchi)

Am Ende dieses Textes finden Sie eine Bilderstrecke mit zahlreichen Fotos zu den Veranstaltungen am Vortag des Volkstrauertages in Berlin (alle Fotos: Uwe Zucchi).

Schon am Vorabend des Volkstrauertages gab es in Berlin zahlreiche Orte und Formen des Gedenkens, die alle Kriegsopfer einbeziehen. Dabei zeigten besonders die drei Veranstaltungen in Pankow, Plötzensee und in der Lilienthalstraße viele Gemeinsamkeiten der europäischen Gedenkkulturen.

„Mit besonderem Nachdruck erinnert uns der Volkstrauertag an den Wert eines jeden Menschenlebens (...) und was wir verlieren würden, sollten wir das wichtigste Menschenrecht – nämlich das Recht auf Leben – geringschätzen oder vernachlässigen“. Mit diesen Worten bekräftigte Generalmajor a. D. Wladimir Wassiljewitsch Popow beim heutigen Gedenken in der Berliner Lilienthalstraße bei strömenden Regen die große Bedeutung des Volkstrauertages. Daher teile er das Motto des Volksbundes, „Versöhnung über den Gräbern“, das sich in der konkreten Zusammenarbeit mit dem Volksbund bereits seit Jahren bewährt habe.

Das Foto zeigt Generalmajor a. D. Wladimir Wassiljewitsch Popow (Mitte), der in der Lilienthalstraße einen gemeinsamen Kranz für die Russische Föderation, Weißrussland und auch die Ukraine niederlegte.

Wladimir Wassiljewitsch Popow ist der „Leiter der Verwaltung des russischen Verteidigungsministeriums zur Wahrung des Gedenkens der Vaterlandverteidiger“ und damit zugleich einer der wichtigsten Gesprächspartner in allen Belangen der Kriegsgräberfürsorge in der Russischen Föderation. In dieser Hinsicht haben sich Popow wie auch der russische Staat als gute Partner einer gemeinsamen, europäischen Gedenkkultur erwiesen.

Gemeinsamer Kranz von Russland und Ukraine

Dies lässt sich an zahlreichen Beispielen aus der praktischen Arbeit belegen: So leisten deutsche und russische Soldaten schon seit über zehn Jahren gemeinsame Arbeitseinsätze – und zwar in beiden Ländern. Die dabei geborgenen Kriegstoten werden zudem nach Abschluss der Arbeiten in einer gemeinsamen Gedenkfeier beigesetzt. „Diese gemeinsamen Arbeiten dienen nicht nur dem Zweck, Kriegsgräberstätten in würdigem Zustand zu erhalten. Sie gewährleisten eine wechselseitige Bekanntschaft der Kulturen, Sitten und Bräuche unserer Völker – im Namen des Friedens und der Versöhnung über den Gräbern“, sagte Popow in der Lilienthalstraße vor zahlreichen Gästen, vielen Militärattachés und Botschaftern der Berliner Auslandsvertretungen, vielen Mitgliedern des Berliner Abgeordnetenhauses sowie dem Generalinspekteur der Bundeswehr, General Volker Wieker. Am Ende der Gedenkzeremonie war zudem bemerkenswert, das trotz der anhaltenenen Konflikte ein gemeinsamer Gedenkkranz der Russischen Föderation, Weißrusslands und auch der Ukraine niedergelegt wurde.

Die sowjetische Gedenkstätte Pankow

Zuvor hatte Popow gemeinsam mit dem Volksbund-Präsidenten Wolfgang Schneiderhan und Generalsekretärin Daniela Schily die sowjetische Gedenkstätte Pankow in der Schönholzer Heide besucht. Dort ruhen die etwa 13 000 gefallenen Soldaten der Roten Armee, die während der Kämpfe um Berlin im April/Mai 1945 ums Leben gekommen waren. Volksbund-Präsident Wolfgang Schneiderhan wies dabei in seiner Rede ebenso darauf hin, dass die gute Beziehung zwischen Deutschland und der Russischen Föderation in allen Belangen der gemeinsamen Kriegsgräberfürsorge einer Brückenbauer-Funktion gleichkomme.

Volksbund-Präsident Wolfgang Schneiderhan, Generalsekretärin Daniela Schily und Vize-Präsident Wolfgang Wieland (von links) legten in der Lilienthalstraße stellvertretend für alle Freunde und Förderer des Volksbundes einen gemeinsamen Kranz nieder.

Jugendliche gestalten Gedenkfeier in Plötzensee

Eine weitere Gedenkveranstaltung organisierte der Berliner Volksbund-Jugendarbeitskreis (JAK) gemeinsam mit einer deutsch-polnischen Jugendbegegnung in Plötzensee. Dieser Gedenkort ist speziell den Opfern der NS-Unrechtsjustiz, unter anderen den Mitgliedern der Widerstandsgruppe des 20. Juli gewidmet. Dabei wandte sich Ansgar Salzwedel vom Berliner JAK gegen eine Reduktion des Gedenkens allein auf deutsche Soldaten. Ihm und vielen Jugendlichen und jungen Erwachsenen im Volksbund sei es wichtig, alle Opfer aus allen Ländern in ihr Gedenken einzubeziehen. Dies kam auch in der von ihnen zu großen Teilen gestalteten Gedenkveranstaltung, die von den Musik- und Wortbeiträgen der Jugendlichen geprägt war, gut zum Ausdruck.

Verantwortung für Versöhnung und Verständigung

All dies zeigte schon am Vorabend des Volkstrauertages die verschiedenen „Gesichter des Gedenkens“, die sich in unterschiedlicher Form und ihren jeweiligen Schwerpunkten zu einem gemeinsamen Ganzen fügten. So sah es auch Volksbund-Generalsekretärin Daniela Schily. Während der oben erwähnten Gedenkveranstaltung in der Lilienthalstraße verlieh sie ihrer Hoffnung Ausdruck, gerade angesichts der aktuellen Krisen und Konflikte weiter an dem gemeinsamen Ziel der Versöhnung und Verständigung festzuhalten: „Niemand möchte, dass sich solches Leid wiederholt. Ängste, Konflikte, ja auch Kriege, sind dennoch auch heute noch Teil unserer Welt, auch wir erleben noch Angst um unsere Kinder. Aber wir können ihnen etwas mitgeben, was uns die Vergangenheit gelehrt hat mit all ihren Schrecknissen: Es ist die Verantwortung für Versöhnung und Verständigung einzutreten, es ist der Mut gegen Rassismus, Hetze und Ausgrenzung vorzugehen! Dann wird das, was wir heute nationenübergreifend, als Nachfahren ehemals gegeneinander kämpfender Soldaten gemeinsam betrauern, sich niemals wiederholen können.“

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