betrifft: Vergrabene Schicksale

Fernseh-Tipp

Mittwoch, 16. November 2011, SWR, 20.15 – 21.00 Uhr

Autor: Jochen Nuhn

Umbetter Joachim Kozlowski mit den sterblichen Überresten sowjetischer Soldaten, gefunden beim Aushub für den Bau eines Schwimmbades auf einem Privatgelände in Brandenburg. (Foto: SWR)

Kassel, 25. Oktober 2011 - Joachim Kozlowski trägt Schaufel, Hacke, Metalldetektor, einen Koffer mit Bürsten, Pinseln und Werkzeug über das Feld. Unter seinem Arm klemmt eine kleine Pappschachtel. Er ist auf dem Weg zu einem Toten, einem, der schon lange unter der Erde liegt. Joachim Kozlowski hat sich einen merkwürdigen Beruf ausgesucht: Er ist Deutschlands einziger Umbetter.

Seine Aufgabe ist das Aufspüren, Bergen, Identifizieren und Bestatten gefallener Soldaten und Zivilisten des Zweiten Weltkrieges - Jahrzehnte nach dessen Ende. Sein Erkundungsgebiet läuft meist mitten durch die ehemaligen Frontlinien. Allein zwischen Berlin und der polnischen Grenze - einem seiner wichtigsten Einsatzgebiete - werden noch zahlreiche menschliche Überreste im Boden vermutet. In nur wenigen Wochen während der letzten Schlachten im April 1945 starben in dieser Region zehntausende deutsche, sowjetische und polnische Soldaten. Oft nur notdürftig bestattet.

Kriegstote gehören in diesem Landstrich Oderland zum Alltag. Beim Pflügen, beim Straßen- und Hausbau oder bei Kanalisationsarbeiten werden Gebeine entdeckt. Sofort wird der Umbetter gerufen, findet Einzel- oder Massengräber von Soldaten. Oft ist der Zeitdruck groß, es fehlt an Gerät, an Helfern, um Meter für Meter zu graben, zu sieben, um jedem Hinweis nachzugehen.

Oft melden sich auch Angehörige bei Kozlowski, die erst jetzt Hinweise auf den letzten Einsatzort ihrer toten Väter oder Großväter bekommen haben. Zusammen mit ihm machen sie sich auf die Suche nach dem vermuteten Grab. Immer ist der kleine Pappkarton dabei, ein schlichter Faltsarg, in dem der Umbetter die Knochen für eine spätere Beisetzung auf einem Soldatenfriedhof sammelt, menschliche Schicksale birgt. "betrifft"-Autor Jochen Nuhn hat Kozlowski über die Seelower Höhen und im Oderland beim Graben begleitet und erlebt, warum Trauer und Erinnerung einen Ort brauchen.

(SWR-Pressestelle)

 

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