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Plädoyer für ein gemeinsames Gedenken

Volkstrauertag im Deutschen Bundestag

19. November 2017

Volkstrauertag 2017: Das musikalische Begleitprogramm zum Gedenken an alle Kriegsopfer gestalteten der Jugendchor "Die Primaner" sowie das Bläseroktett des Musikkorps der Bundeswehr. (alle Fotos: Uwe Zucchi)

Am Ende dieses Textes finden Sie eine Bilderstrecke mit Fotos von der zentralen Gedenkveranstaltung zum Volkstrauertag im Deutschen Bundestag (alle Fotos Uwe Zucchi).

Der deutsche Volkstrauertag blickt auf eine lange Geschichte zurück. Heute steht die mahnende Erinnerung an alle Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft im Zentrum des Gedenkens. Beim Volkstrauertag 2017 wurde zudem eine bemerkenswerte Weiterentwicklung deutlich: Inzwischen zielt das Gedenken vor allem auf die Gemeinsamkeiten in der Erinnerungskultur ehemals verfeindeter europäischer Nationen ab. "Eine der wirksamsten Möglichkeiten, der Zukunft eines vereinten Europas einen Weg zu bahnen, besteht darin, unser Gedächtnis, unsere bislang getrennten Erinnerungen zu einen", sagte Volksbund-Präsident Wolfgang Schneiderhan im Deutschen Bundestag.

Volksbund-Präsident Wolfgang Schneiderhan im Deutschen Bundestag

Schon vor der zentralen Gedenkveranstaltung im Deutschen Bundestag hatten der Volksbund-Präsident Wolfgang Schneiderhan und Generalsekretärin Daniela Schily die Kriegsgräberstätte auf dem jüdischen Friedhof in Berlin-Weißensee besucht. Dort ruhen viele deutsche Soldaten jüdischen Glaubens, die noch im Ersten Weltkrieg für ihr Vaterland in die Schlacht gezogen waren, um dann später zum Opfer eben dieses Staates zu werden. Dem Volksbund-Präsidenten, der sich schon in seiner Zeit als Generalinspekteur der Bundeswehr intensiv mit dem Schicksal deutscher Soldaten jüdischen Glaubens beschäftigt hatte, war das stille Gedenken in Weißensee ein unverzichtbarer Teil des Volkstrauertages – und auch eine Herzensangelegenheit.

Ebenso freundlich fiel auch die Begrüßung an seiner alten Wirkungsstätte, dem Bundesministerium der Verteidigung aus. Dort, am so genannten Bendler-Block, befindet sich das Ehrenmal der Bundeswehr, das an die in der Ausübung ihres Dienstes ums Leben gekommenen Angehörigen der Bundeswehr erinnert. Kurz darauf legten die Vertreter der fünf Verfassungsorgane sowie vieler weiterer staatlicher und privater Organisationen in Gedenken an alle Kriegstoten Kränze an der Neuen Wache nieder. Die Neue Wache ist die zentrale Gedenkstätte der Bundesrepublik Deutschland für die Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft.

Gedenken im Deutschen Bundestag

Bei der darauf folgenden zentralen Gedenkveranstaltung im Deutschen Bundestag führte Schneiderhan den eingangs erwähnten Gedanken des Schriftstellers Jorge Semprún zur gemeinsamen europäischen Erinnerungskultur in seiner Begrüßungsansprache weiter aus: "Die europäische Einigung wird dauerhaft nur gelingen, wenn die Völker Europas die kriegerische Vergangenheit durch Versöhnung überwinden. Versöhnen heißt aber nicht vergessen, sondern erinnern und sich mit der Erinnerung auseinandersetzen. (...) Nur so verhindern wir, dass anstelle der alten physischen Grenzen und Mauern sich neue innere Schranken entwickeln, die entzweien", sagte Wolfgang Schneiderhan vor über 1.000 Gästen im Deutschen Bundestag.

Schüler-Lesung zu deutschen und sowjetischen Schicksalen

Das musikalische Begleitprogramm der zentralen Gedenkveranstaltung wurde durch den Jugendchor „Die Primaner“ vom Georg-Friedrich-Händel-Gymnasiums Berlin unter Leitung von Jan Olberg mit den Stücken „Die mit Tränen säen“ und „Es geht eine dunkle Wolke herein“ sowie dem Bläseroktett des Musikkorps der Bundeswehr unter Leitung von Hauptfeldwebel Jana Heß dargeboten. Die Lesung übernahmen Schülerinnen und Schüler aus dem Friedrichsgymnasium in Kassel sowie aus dem Gymnasium der russischen Stadt Nowy Urengoi in beeindruckender Weise. Dabei trugen sie Lebensläufe von deutschen und sowjetischen Kriegstoten des Zweiten Weltkrieges vor, wobei sich die deutschen Jugendlichen mit dem Schicksal sowjetischer Kriegstoter und umgekehrt die russischen Schüler sich mit dem Schicksal der deutschen Kriegstoter intensiv befasst hatten. Für die Zuschauer im Plenarsaal des Deutschen Bundestages und vor den Fernseh-Bildschirmen zuhause war dies ein besonders beindruckender Moment der Gedenkstunde zum Volkstrauertag.

Gedenkrede des EU-Ratspräsidenten

Auch der estnische Ministerpräsident und aktuelle EU-Ratspräsident Jüri Ratas beleuchtete diese Zeit der Geschichte und die Lehren, die man bis heute daraus ziehen kann: „Wir halten den Frieden für etwas Selbstverständliches, doch er ist derzeit das höchste Gut – und nicht nur in Europa, sondern in der ganzen Welt.“ In diesem Sinne blickte er zurück auf die Zeit des so genannten kalten Krieges, in der sich Estland wie auch viele andere Staaten einer andauernden Bedrohung gegenüber sahen. Das endete mit dem Fall der Mauer. In diesem Zusammenhang lobte er besonders das Engagement und die Vorreiterrolle Deutschlands in seinem Engagement für Frieden, Versöhnen und Verzeihen: „Für uns ist Frieden ein praktischer und emotionaler Wert, da er eine Form des Existierens und des Selbstempfindens als Mensch in dieser Welt ist. Frieden ist das Bewusstsein dafür, wie zerbrechlich und heilig das Leben ist. (...) Wir brauchen ein politisches Ideal, das uns hilft, besser zu leben und das uns kein Leid zufügt. Wir brauchen die Möglichkeit, selbst besser zu werden. Aus diesem Grund brauchen wir Europa. Aus diesem Grund wird Europa von der ganzen Welt gebraucht.“

Den Abschluss dieser beeindruckenden zentralen Gedenkveranstaltung bildeten das traditionelle Totengedenken, das Bundespräsident Dr. Frank-Walter Steinmeier vortrug, die folgende Gedenkminute sowie die Europa- und die deutsche Nationalhymne.

Maurice Bonkat

Hier finden Sie die Begrüßungsansprache von Volksbund-Präsident Wolfgang Schneiderhan.

Zentrale Gedenkstunde zum Volkstrauertag

Volksbund-Präsident Wolfgang Schneiderhan hält im Deutschen Bundestag die Begrüßungsrede zum Volkstrauertag 2017 (alle Fotos: Uwe Zucchi)

Zentrale Gedenkstunde zum Volkstrauertag

Das Foto zeigt das Eintreffen der Vertreter der fünf Verfassungsorgane.

Zentrale Gedenkstunde zum Volkstrauertag

Besucherrekord: Noch nie verzeichnete der Volkstrauertag so viele Gäste wie 2017. Es kamen über tausend Besucher.

Zentrale Gedenkstunde zum Volkstrauertag

Hinter dem Jugendchor "Die Primaner" sieht man eine Großleinwand mit der "Darum Europa!"-Kampagne des Volksbundes.

Zentrale Gedenkstunde zum Volkstrauertag

Schülerinnen und Schüler aus Kassel und aus der russischen Stadt Nowy Urengoi tragen Kriegsschicksale der jeweils anderen Nation vor.

Zentrale Gedenkstunde zum Volkstrauertag

Besonders beeindruckend war der Chor des Georg-Friedrich-Händel-Gymnasiums Berlin unter der Leitung von Jan Olberg.

Zentrale Gedenkstunde zum Volkstrauertag

Die Gedenkrede von Jüri Ratas, estnischer Ministerpräsident und aktueller EU-Ratspräsident, war ein starkes Plädoyer für eine gemeinsame, europäische Gedenkkultur.

Zentrale Gedenkstunde zum Volkstrauertag

Bundespräsident Dr. Frank-Walter Steinmeier spricht das traditionelle Totengedenken.

Zentrale Gedenkstunde zum Volkstrauertag

Zum Abschluss der Zentralen Gedenkveranstaltung im Deutschen Bundestag spielt Oberfeldwebel Matthias Hesseler das Totensignal "Der gute Kamerad".

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