Der Volksbund wird gegründet

Am 10. September 1919 beschließen acht Männer in Berlin die Gründung einer deutschen Kriegsgräberfürsorge. Jeder zahlt 100 Mark ein. Unter ihnen sind der Architekt Heinrich Straumer, der bereits gegen Ende des Krieges in der Gräberfürsorge tätig gewesen ist, und Siegfried Emmo Eulen, der während des Krieges nach Polen und in die Türkei entsandt war, um dort Friedhöfe zu bauen und die Kriegsgräberfürsorge zu organisieren. Dem vorbereitenden Gründungskongreß am 26. November liegt als Arbeitsunterlage die Broschüre "Deutsche Kriegsgräberfürsorge" vor.


Am 16. Dezember 1919 wird der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e. V. gegründet. Erster Präsident ist Oberst a. D. Koeth (bis 1923). Am 23. August hat Eulen den Entwurf für die Statuten einer "Internationalen Kriegsgräberfürsorge" verfaßt. Als ihr Sitz ist Genf vorgesehen, um eine enge Zusammenarbeit mit dem Völkerbund zu ermöglichen.
Diese Pläne werden nicht verwirklicht.


Die Reichsregierung ist weder politisch noch wirtschaftlich in der Lage, sich um die Gräber der Gefallenen jenseits der Reichsgrenzen zu kümmern. Sie müssen zunächst ihrem Schicksal überlassen bleiben. Heimkehrende Soldaten, Hinterbliebene der Opfer und andere Bürger suchen nach Wegen, um diesen von der Mehrheit als unerträglich empfundenen Zustand zu ändern. In Sorge um die Kriegsgräber im Ausland haben sich in Deutschland bereits einige Organisationen gebildet, die sich um Grabpflege und Erteilung von Auskünften an Angehörige bemühen wollen. So gibt es in Bayern seit dem 14. September den "Deutschen Kriegsgräber-Schutzbund", in Braunschweig den "Verein zur Erforschung und Erhaltung Deutscher Kriegsgräber e. V.", in Salzwedel die "Deutsche Kriegsgräber-Interessenten-Vereinigung" und in Hagen (Westfalen) den "Bund Heimatdank". Der Volksbund, aus der Not geboren, nimmt seinen Anfang. Heute würden wir ihn eine Bürgerinitiative nennen.

Politisch turbulent - das Jahr 1919

Das Jahr 1919 beginnt in Deutschland, wie das letzte Kriegsjahr geendet hat: blutig und politisch turbulent. Noch bevor die Verhandlungen über den kommenden Frieden oder eine neue demokratische Verfassung Deutschlands auch nur begonnen haben, herrschen Gewalt, Umsturzversuche, Revolten und Mord. Allein im März 1919 gibt es in Berlin 1 200 Tote. Man muß sich diesen Hintergrund bewußt machen, wenn man das erste Jahr der Republik, das auch zugleich zum Gründungsjahr des Volksbundes werden soll, beurteilen will:

Am 15. Januar werden in Berlin Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht von radikalen Offizieren ermordet. Der Januar-Aufstand der revolutionären "Spartakisten" (Kommunisten, Spartakusbund) wird von der Reichswehr unter Führung des Sozialdemokraten Gustav Noske niedergeschlagen. Der bayerische Ministerpräsident Kurt Eisner (USPD) wird am 21. Februar in München nach seiner Niederlage bei den Wahlen auf dem Weg zum Landtag von dem Leutnant Graf von Arco Valley erschossen. Eisner wollte seinen Rücktritt erklären. Nachfolger wird am 28. März der Sozialdemokrat Hoffmann. Er muß aber bereits nach drei Wochen mit seiner Regierung vor den Kommunisten nach Nürnberg, dann nach Bamberg fliehen. Diese rufen die Räterepublik in Bayern aus, München wird von einer "Roten Armee" beherrscht. Erst am 1. und 2. Mai wird es von Regierungstruppen besetzt. Dies sind nur einige Schlaglichter, die den Hintergrund erhellen, vor dem am 18. Januar die Friedenskonferenz von Versailles beginnt - ohne Deutschland!


Am 19. Januar wählt das deutsche Volk seine erste Nationalversammlung, um der Republik eine demokratische Verfassung zu geben. Das Ergebnis ist verblüffend: Von 36,3 Millionen Wahlberechtigten beteiligen sich 83 Prozent an der Wahl. Und dies, obwohl die Kommunisten zum Boykott aufgerufen haben. Die Träger dieser Republik-Sozialdemokraten, Zentrum und Deutsche Demokraten erhalten - zusammen 76 Prozent. Dies ist eine klare Absage sowohl an eine Räterepublik als auch an die Wiedereinführung der Monarchie.


Am 11. Februar wird Friedrich Ebert (SPD) Reichspräsident. Die Weimarer Verfassung wird am 13. August verabschiedet. Zum ersten Male geht in Deutschland "alle Staatsgewalt vom Volke aus". Das Koalitionsrecht wird verfassungsrechtlich verbürgt. "Schwarz-Rot-Gold" wird Reichsflagge.


Die Siegermächte erzwingen einen Friedensvertrag, der diesen Namen nicht verdient und der nicht geeignet ist, Hoffnung auf eine bessere Zukunft keimen zu lassen. So treffend das Wort des britschen Premierministers Lloyd George ist, 1914 seien "die Völker in den Weltkrieg hineingeschlittert", so wenig weise ist der Vertrag von Versailles. Eine große Chance zu einer stabilen und gerechten Friedensordnung, wie sie dem amerikanischen Präsidenten Wilson vorschwebt und nach der sich wohl alle Völker sehnen, wird vertan. In Deutschland jedoch wirkt sich dieser Vertrag und die Art seines Zustandekommens verheerend aus: politisch, wirtschaftlich und moralisch. Da ist die von den Siegern erzwungene, historisch unhaltbare Anerkennung der Alleinschuld Deutschlands am Krieg (Artikel 231 Versailler Vertrag), durchgesetzt als Rechtfertigung für 1919 noch unbezifferbare Reparationen. In Deutschland wird er in erster Linie als moralische Diffamierung empfunden. Und die Gebietsabtretungen tragen erkennbar den Keim künftiger Konflikte (Lloyd George) in sich. Noch schlimmer ist, daß sich keine zukunftsweisende neue Friedensordnung abzeichnet, für die es gelohnt hätte, positiv einzutreten - trotz des Völkerbundes. Damit wird die spätere, unglückliche Entwicklung in Europa eingeleitet. Zugleich aber liegt hier eine der wichtigsten Ursachen für die innere Entwicklung in Deutschland, die den Feinden der Demokratie und der Republik immer mehr Trümpfe in die Hände spielt.
Truppen der Siegermächte besetzen am 1. Dezember Saarbrücken, das Rheinland und die Pfalz.


In Weimar gründet der Architekt Walter Gropius das "Bauhaus", Richard Dehmel veröffentlicht ein Jahr vor seinem Tod sein Kriegstagebuch "Zwischen Volk und Menschheit", Heinrich Mann "Macht und Menschen", Max Reinhardt eröffnet in Berlin das umgebaute Schauspielhaus.

Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e.V.

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