Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e.V.
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Es war bitterkalt im Dezember 1941 und wir sollten mit Lastwagen an einen Frontabschnitt verlegt werden. Früh um 6 Uhr ging es mit sechs Lastwagen los. Die grimmige Kälte wurde für uns immer schlimmer, wir lagen auf Stroh und hatten nur Decken – keine Heizung. Es fehlte auch an Wintersachen.
Nach sechsstündiger Fahrt setzte der Motor unseres Wagens aus, wir standen im Wald, mitten auf der Rollbahn. Die anderen setzten ihre Fahrt fort. Nur der Lkw-Fahrer unseres Kompanie-Chefs hielt an und fragte unseren Fahrer, was los sei. Dieser sagte, dass der Motor keinen Sprit mehr bekäme und er deswegen anhalten musste. Man untersuchte die Fehlerquelle und stellte fest, dass die Benzinrohrleitung an zwei Stellen abgerissen war. Unser Kompanie-Chef wollte uns daraufhin einen Abschleppwagen schicken. Wir müssten zurück nach Bubrisk und warten, bis das größte Fahrzeug käme und uns zurückfahre. Unser Kompanie- Chef war in Eile, er musste nun die anderen Fahrzeuge einholen. So standen wir allein auf weiter Flur, mitten im Partisanenland.
Unser Feldwebel sagte, wir sollten alle aussteigen, wenn wir nicht erfrieren wollten, und unser Fahrzeug schieben. Es vergingen zwei Tage und Nächte, ohne dass ein größeres Fahrzeug kam. Am dritten Tag hatten wir Glück, wir fanden ein Haus und es war bewohnt. Aus der Hütte stieg Rauch und wir gingen hinein. Es war ein Rollbahnposten und deshalb bewohnt. So konnten wir uns endlich erwärmen und einen Tee kochen. Wir hatten für acht Tage Verpflegung mit, so konnten wir erst einmal kräftig essen. Wir stellten Posten auf, um einen eventuellen Partisanenangriff zu verhindern. Zum Glück kam am nächsten Tag ein Panzer-Abschleppwagen und brachte uns zurück in die Werkstatt nach Bubrisk.
Die große Kälte war für uns am schlimmsten, aber keiner hatte Erfrierungen. Im Lazarett wurden wir untersucht. Wir bezogen Quartier und konnten endlich einmal wieder warmes Essen fassen.
Die Reparatur dauerte zwei Tage. So hatten wir endlich Zeit, uns zu rasieren und zu waschen, das wurde auch höchste Zeit. Am Abend gingen wir ins Fronttheater. Dort sang Maria von Schmedies, und ein Orchester begleitete sie. Wir waren alle sehr zufrieden. An unsere Kompanie dachte aber jeder. Was würden sie so erlebt haben? Die Zeit war jetzt für uns vorbei, und es ging schnellstens an die Front.
Weihnachten war vorbei, und es begann das neue Jahr 1942. Wir kamen ohne Feindberührung an. An einer Bahnlinie lag das Dorf, und wir bekamen dort unsere Weihnachtspäckchen und viele Grüße von den Eltern. In unserem Quartier wurden wir von einem neuen Oberleutnant begrüßt. Er stellte sich als unser neuer Kompaniechef vor. Er teilte uns mit, dass unsere alte Kompanie in der Weihnachtszeit ein Dorf besetzen musste. All unsere Kameraden, der ganze Kompanietrupp war gefallen! Sie waren in einen Hinterhalt geraten. Sie wussten nicht, dass die Russen sich in den Hütten versteckt hatten, da sie dieses Dorf erst abends besetzt hatten. Eine Fallschirmjägereinheit hatte vorher dieses Dorf besetzt und wurde an einen anderen Abschnitt der Front verlegt. So hatte unsere Kompanie die Hütten im Dorf nicht untersucht. Früh morgens meldeten die Wachen, dass die russischen Soldaten angreifen. Alle rannten in die Schneestellungen, um den Angriff abzuwehren. Aber dann griffen die Russen aus den Hütten mit in das Gefecht ein und unsere Kameraden und Offiziere hatten keine Chance zum Überleben. Man fand nur zwei schwerverletzte
Kameraden, welche dann die Angaben über dieses Gefecht machten. So hatte über Weihnachten keiner überlebt ...
Der neue Kompaniechef sagte uns, dass die Kameraden wegen der strengen Kälte (-40 Grad) nicht begraben werden könnten und an der Bahnstation lägen. Wir sollten runtergehen und von ihnen Abschied nehmen. Unser Zug ging geschlossen zum Bahnhof, um sie nochmal zu sehen.
Es war ein furchtbarer Anblick, Oberleutnant Girsch und Leutnant Schubert und alle anderen Kameraden tiefgefroren im Schnee liegen zu sehen. Wir hatten alle Tränen in den Augen. Wir waren alle noch sehr jung, gerade erst zwanzig Jahre, und dachten, was würde die Zukunft uns noch bringen ...

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