Workcamp in La Cambe Überschrift

Eine wundervolle Erfahrung

Eine wichtige Aufgabe des Volksbundes ist die Arbeit mit Jugendlichen. Jedes Jahr treffen sich Jugendliche, wie z.B. in La Cambe um Kriegsgräberstätten zu pflegen. Hier lesen Sie Auszüge aus dem Tagebuch des rheinland-pfälzischen Workcamps im französischen La Cambe:

15. Juli: In Mainz treffen wir, 22 Teilnehmer von 16 bis 22 Jahren und vier Betreuer, erstmals aufeinander, um gemeinsam zur Kriegsgräberstätte Lommel in Belgien zu fahren.

16. Juli: Der zweite Tag beginnt mit einer Führung. Für viele von uns ist es der erste Besuch einer Kriegsgräberstätte – und die erschreckenden Ausmaße des Krieges rücken uns nun stärker ins Bewusstsein.

17. Juli: Besonders der Besuch von Frau Bolenz, deren Vater Friedrich Arnold Hendrix hier begraben liegt, hat uns ein persönliches Schicksal nähergebracht und den tausenden Gräbern ein Gesicht gegeben. Zum Dank und als Gedenken an ihren verstorbenen Vater legten wir Blumen und eine Kerze an sein Grab.

(Kopie 1)

18. Juli: Wir beziehen unsere Unterkunft in St-Martin-de-Blagny. Unser Alltag beginnt stets mit der Fahrt zum Friedhof. Dort berichtet Friedhofsverwalter Lucien Tisserand über einige Schicksale. Kurz darauf putzen wir die ersten Gräber. Dabei wird uns bewusst, wie viele Menschen bereits in unserem Alter gefallen sind. Nachmittags geht es zur Pointe-du-Hoc, wo damals alliierte Soldaten landeten.

19. Juli: Nach dem Tagewerk (Grabsteine reinigen) fahren wir nach Arromanches.Dort gibt es viele alte Kriegsfahrzeuge und aktuelle Souvenirs, die uns nicht immerangemessen erscheinen.

20. Juli: Der Tagesablauf hat sich eingespielt: Morgens Arbeit, mittags hervor-ragendes Essen (Lob den Köchen), nachmittags interessante Ausflüge, so zum Beispiel: Caen und der Besuch des Friedensmuseums Mémorial de Caen. Abends sprechen wir über das Erlebte.

(Kopie 2)

21. Juli: Wir besuchen eine amerikanische Kriegsgräberstätte. Mit ihren weißen Kreuzen, dem gepflegten Rasen und der ganzen Heldenverehrung bildet dieser Friedhof einen Kontrast zu den schlichten Kriegsgräberstätten des Volksbundes.

22. Juli: Morgens Arbeit auf dem Friedhof, nachmittags Erholung pur: „Strandurlaubam Omaha-Beach”. Abends feiern wir das „Bergfest”, also die Halbzeit des Camps!

23. Juli: Wochenende, also keine Arbeit, sondern Ausflug nach Cherbourg. DerBesuch des Meeresmuseums/Seaworld-Aquariums steht auf dem Programm, danach geht es wieder an den Strand.

(Kopie 3)

24. Juli: Nach einem Besuch der deutschen Kriegsgräberstätte Mont-de-Huissnesgeht es weiter zum berühmten Kloster Mont-Saint-Michel – nach dem Eiffelturmder meist besuchte Ort Frankreichs. Und der Blick lohnt die Mühe! Weiter geht’snach Saint-Malo. Es ist ein Tag mit wirklich besonderen Eindrücken.

25. Juli: Höhepunkt des Workcamps ist die Gedenkfeier, an der auch französischeVeteranen und viele weitere Gäste teilnehmen. Nach der Ansprache des rheinland-pfälzischen Volksbund-Landesvorsitzenden Michael Hörter sowie des Bürgermeistersvon La Cambe, folgen einige musikalische Beiträge und Gedichte von unserer Seite, wir sprechen mit den Veteranen, die unsere Arbeit sehr schätzen.

26. Juli: Nach der Friedhofsarbeit geht’s nach Bayeux. Dort gibt es viel zu sehen –auch wenn wir den berühmten Teppich aufgrund des großen Besucherandrangszunächst nicht zu Gesicht bekommen.

(Kopie 4)

27. Juli: Wieder Friedhof, tolle Verpflegung und dann im zweiten Anlauf doch noch der Teppich mit der Geschichte Wilhelms des Eroberers. Später folgt die Nacht der Lichter, in der wir viele Kerzen auf die Gräber unbekannter Soldaten stellen. Wir versammeln uns auf dem Tumulus, um das bewegende Bild von oben zu betrachten. Wir alle sind sehr ergriffen und gedenken schweigend der Toten.

28. Juli: Unser letzter Arbeitstag, wir geben nochmals alles, strengen uns richtig an! Nachmittags besuchen wir eine Käserei.

29. Juli: Packen, Lager räumen, Zwischenstopp in Paris ... und heim geht's! Durch diese zwei Wochen in der Normandie verstehen wir nun sehr viel besser, wie schlimm es sein muss, im Kampf zu sterben oder einen Menschen im Krieg zu verlieren. Zudem haben wir uns und das Land intensiv kennengelernt. Wir sind uns einig, dass es eine wundervolle Erfahrung war – und alle erneut an einem Workcamp teilnehmen wollen.

Aufgeschrieben von Sophia Kühn, Pauline Schurund Lisa Thuriam, Teilnehmerinnen des Workcamps La Cambe 2011.

Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e.V.

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