Schulprojekt "VDK Spurensuche"

Spurensuche nach Kriegsopfern des Zweiten Weltkrieges im Saarland im Rahmen eines Geschichtsprojektes mit der ERS Edith-Stein-Schule in Friedrichsthal und dem Journalisten Dieter Gräbner.

Wenn im Geschichtsunterricht in weiterführenden Schulen über die beiden Weltkriege unterrichtet wird, gehören zum Lehrstoff Fakten und Hintergründe über die politische  Ausgangsposition, von wem und warum die Kriege begonnen wurden und welche Auswirkungen die Kriege für Europa und die einzelnen beteiligten Nationen hatten. Gezeichnet wird ein Bild über die Geschichte der Kriege, wie es in Büchern und auch im Fernsehen vermittelt wird. Und natürlich wird auch über die Millionen Kriegstoten - allein im Zweiten Weltkrieg starben weltweit 55 Millionen  Menschen - informiert. Reichen diese Information, um wirklich zu verstehen und vielleicht auch nachempfinden zu können, was damals geschah? Wie gelingt Geschichtsvermittlung trotz wachsenden zeitlichen Abstandes zu den Geschehnissen?  

In allen Gemeinden und Städten in Deutschland erinnern Mahnmale und Gräber  an die Kriegstoten. Allein im Saarland gibt es über 18. 000 Kriegsgräber, verteilt auf  Gemeindefriedhöfen und sechs Kriegsgräberstätten, die sich in der Obhut des Ministeriums für Arbeit, Familie, Prävention, Soziales und Sport befinden. Meistens sind auf den Grabkreuzen oder Steinen die Namen der Kriegstoten, Geburts- und Todes­datum, seltener auch die militärischen Dienstgrade zu lesen. Bei einigen Gräbern sieht man zu Ostern, Allerheiligen, auch zu Geburtstagen oder Todestagen, eine Kerze oder Blumen. Aber die meisten der Gräber werden nicht geschmückt. Viele Menschen, die den Krieg noch miterlebt haben, leben nicht mehr. Viele Angehörige, die unmittelbar nach dem Krieg oder Jahre später, nach ihren Angehörigen gesucht haben, sind umgezogen oder aus sonst einem Grund nicht mehr unter der (damals angegebenen) Anschrift ermittelbar. So wissen viele Angehörige nicht, wo ihre Toten bestattet wurden. Auch mehr als 60 Jahre nach Ende des Zweiten Weltkrieges werden vom Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge noch Tote geborgen und viele können identifiziert werden.

Der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e.V. will in Kooperation mit dem Journalisten Dieter Gräbner und der Edith-Stein-Schule in Friedrichsthal (Schulleitung Werner Hillen) gemeinsam mit Schülerinnen und Schülern ausgewählte Einzelschicksale saarländischer Kriegstoter recherchieren, dokumentieren und aufschreiben und somit die bloß faktische Geschichte in eine erlebte Geschichte wandeln. Der Journalist und Autor Dieter Gräbner ist ein erfahrener Rechercheur und Autor zahlreicher Veröffentlichungen über die jüngere deutsche Geschichte. Sein Vater starb bei einem Bombenangriff am 5. März 1945 auf dem Bahnhof von Udine/Italien.  Er wird den Teilnehmern des Projektes bei ihren Recherchen helfen und sie  mit praktischen Tipps unterstützen.  
Wer war z.B. Adam Berg, geboren am 18. Januar 1926 in Heppenheim, gestorben am 15.12.1944, bestattet auf der Kriegsgräberstätte in Homburg/Saar? Wer sind seine Angehörigen? Wieso starb er im Krieg? Wieso ist er im Saarland beerdigt? Gibt es Bilder von ihm? Können wir diesem Namen ein Gesicht geben? Können wir heute noch mit den Angehörigen selbst reden, um mehr von Adam Berg zu erfahren? Diesen und weiteren Fragen wird im Projekt nachgegangen.

Ziel ist es, den Kriegstoten, von denen es scheinbar nur Namen gibt, ihr Gesicht und ihre persönliche Geschichte zurück zu geben. Im Projekt soll den Schülerinnen und Schülern überdies die Gelegenheit gegeben werden, ihre eigenen Ideen mit einzubringen und um­zusetzen. Auch persönliche Schicksale aus den Familien der teilnehmenden Jugendlichen, mit und ohne Migrationshintergrund, sollen somit aufgegriffen und recherchiert werden. Darüber hinaus werden Gespräche mit Zeitzeugen organisiert bzw. mit den Familienmit­gliedern, die jedes Jahr Blumenschmuck an das Grab ihres im Krieg gefallenen Angehörigen niederlegen.

Nachdem am 11. September durch einen Unterrichtsbesuch in der Edith-Stein-Schule die Arbeit und die friedenspädagogischen Ziele des Volksbundes vorgestellt worden sind, folgte am 11. Oktober eine Informationsfahrt nach Verdun und zur deutschen Kriegsgräberstätte nach Andilly in Frankreich. So wurden die Jugendlichen erstmal an Orte der Erinnerung an Kriege und Zeiten der Gewaltherrschaft herangeführt. Es wurden kritische Fragen diskutiert, nach historischen Spuren und aktuellen Bezügen gesucht, Eindrücke aufge­nommen.

Besuche bei Zeitzeugen und Angehörigen sowie die Auswertung und Aufbereitung des gesammelten Materials bestimmen derzeitig die Projektarbeit.
Während der gesamten Zeit wird das Schulprojekt durch Berichterstattung der Saarbrücker Zeitung und des Saarländischen Rundfunkes begleitet. Das Projekt ist zwischenzeitlich beendet worden und die Wanderausstellung kann kostenlos in der Geschäftsstelle ausgeliehen werden.

Schülerinnen und Schüler der ERS Edith-Stein Schule (Friedrichsthal) in Andilly.

 

Kontakt und weitere Informationen über den Referenten für Jugend-, Schul- und Bildungsarbeit des Landesverbandes Saar.

Wir freuen uns, dass unser Schulprojekt im aktuellen Bundeswettbewerb "Förderprogramm Demokratisch Handeln" unter 235 Wettbewerbsbeiträgen als ein Best-Practice-Projekt augewählt und ausgezeichnet wurde!

Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e.V.

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