Artikel von frieder Meyer
Internationales Workcamp Magdeburg beginnt
Landesvorsitzender Steinecke begrüßt Teilnehmer aus sieben Ländern auf dem Westfriedhof
Sie haben einen weiten Weg hinter sich: Aus Russland, Lettland, Ukraine, Italien, Moldawien, Bosnien und der Türkei sind die jungen Leute angereist, die seit diesem Montag am Workcamp Magdeburg teilnehmen. In der Unterkunft ist seitdem ein buntes Sprachengemisch zu hören: "Mit einigen Teilnehmern sprechen wir Englisch, andere verstehen nur Deutsch. Untereinander sprechen sie dann in ihrer jeweiligen Landessprache.", sagt Campleiterin Diana Appelt.
Nach der ersten Orientierung in der Elbmetropole und dem gegenseitigen Kennenlernen besuchten die Teilnehmer am Mittwoch zum ersten Mal den Magdeburger Westfriedhof, wo sie von Landesvorsitzenden des Volksbundes, Dieter Steinecke, herzlich empfangen wurden. Herr Steinecke führte die jungen Menschen an die verschiedenen Grabfelder und erklärte die bewegenden Geschichten, die hinter den Grabsteinen stehen. Denn neben Soldaten der Wehrmacht sind auf dem Westfriedhof auch Zivilisten, Kriegsgefangene und Verfolgungsopfer begraben. In den nächsten zwei Wochen werden sich die Teilnehmer näher mit diesen Gräber auseinandersetzen, sie pflegen und instand setzen.
Auf dem Programm des Workcamps steht außerdem ein zweitägiger Arbeitseinsatz auf der Feldscheune Isenschnibbe in Gardelegen. Dort wurden 1945 hunderte jüdische Häftlinge grausam ermordet. Auch mit diesem Teil der deutschen Geschichte sollen sich die Jugendlichen auseinandersetzen.
Außerdem wird natürlich Freizeit geboten: Ein Ausflug nach Berlin gehört ebenso zu den Höhepunkten wie eine Kanutour auf der Elbe oder der Besuch des Kletterparks im Elbauenpark.
Fotos: Thomas Nawrath, Text: Philipp Schrage 28.07.2011
Arbeitseinsatz Isenschnibbe
"Sie waren so jung wie wir..."
Workcamp Magdeburg pflegt die Gräber von Holocaustopfern in Gardelegen
Die weißen Kreuze stehen dicht an dicht auf der Gedenkstätte Isenschnibbe - 1.016 Menschen wurden hier im April 1945 von deutschen Soldaten in eine Feldscheune gesperrt und bei lebendigem Leib verbrannt. Sie waren zuvor auf Todesmärschen aus verschiedenen KZ in die Hansestadt getrieben worden um nicht den vorrückenden Alliierten in die Hände zu fallen.
Die Teilnehmer des Workcamps Magdeburg bekamen vom Gardelegener Bürgermeister Fuchs erklärt, welche Bedeutung dieser Ort hat und hörten betroffen zu. Die meisten Opfer auf der Isenschnibbe waren nicht mehr zu identifizieren, doch die dreihundert bekannten Toten waren in einem ähnlichen Alter wie die Jugendlichen des Workcamps. Und auch die Herkunftsländer überschneiden sich teilweise.
Die amerikanische Armee, die das Massaker an der Isenschnibbe 1945 entdeckte, verpflichtete die Gardelegener dazu, die Gräber "für immer grün zu halten, so wie die Erinnerung an die Toten". Der Friedhof macht es den Gardelegenern nicht einfach - der sandige Boden und eine trockene Hügellage lassen immer wieder die Anpflanzungen verdorren. Doch die Erinnerung bleibt wach - darum kümmerten sich auch die Teilnehmer des Workcamps Magdeburg.
Artikel in der Gardelegener Volksstimme 1 2 3
Artikel in der Altmarkzeitung 1 2
Erwähnung in den Nachrichten von MDR Sachsen - Anhalt Heute - Ausgabe vom 02.08.2011 in der 15. Min.
03.08.2011 Philipp Schrage, Foto: Volksbund
16.08.2011
Workcamp Lwiw - erster Bericht
Auf den Spuren unserer Geschichten
Die Stadt der vielen Namen, der vielen Geschichten: Львів, Lwów, Львов oder deutsch "Lemberg" heißt dieses Juwel im Westen der Ukraine. Die heimliche Hauptstadt Österreich - Ungarns wurde 1772 dem zerteilten Polen entrissen und kehrte erst nach dem ersten Weltkrieg wieder unter dessen Herrschaft zurück. Nur elf Jahre später annektierte die Sowjetunion Ostpolen - und damit auch Lemberg. Es folgte die deutsche und eine erneute sowjetische Okkupation, bis die Stadt schließlich 1991 Teil einer unabhängigen Ukraine wurde.
So zerrissen ihre Geschichte ist, so vielfältig ist sie auch. Seit dem 04.08.2011 spürt diesen Geschichten ein Workcamp des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge e.V. hinterher. Die Teilnehmer des Camps kommen aus Deutschland, Polen und der Ukraine und sind zwischen 16 und 26 Jahren alt.
Sie bleiben drei Wochen in der Westukraine und haben sich in der Zeit viel vorgenommen - so wurde schon der deutsche Kriegsgefangenenfriedhof Samastynew wieder hergerichtet, ein Ausflug in die Karpaten durchgeführt und verschiedene Museen in der Stadt besucht. Die Jugendlichen setzen sich besonders mit der Geschichte der Stadt auseinander, die viel Leid in sich trägt. Ein Stadtrundgang auf den Spuren der jüdischen Gemeinde Lembergs macht deutlich, wie viel Blut in dieser Stadt geflossen ist. Deutsche, Armenier, Polen, Juden, Ukrainer, Faschisten, Kommunisten und viele andere wurden hier insbesondere zwischen 1939 und 1945 von den jeweiligen Machthabern erschossen oder deportiert. Zum Ende des Krieges waren 80 % der Stadtbevölkerung ausgetauscht, eine der größten jüdischen Gemeinden Europas nahezu ausgelöscht.
Lemberg ist eine schöne Stadt - die Gebäude längst vergangener Epochen zieren stolz die Straßen der grenznahen Metropole. Die Jugendlichen des Workcamps verstehen sich gut - trotz aller Sprach - und Kulturunterschiede. Sie leben vor, was wir aus der Vergangenheit lernen sollten - friedlich miteinander leben, aufeinander zugehen, gemeinsam arbeiten.
Das Workcamp wird gefördert mit den Mitteln des Volksbundes, des Deutsch - Ukrainischen Forums (DUF) und der Stiftung Rechtsstaat Sachsen - Anhalt e.V.
Bericht auf der Seite des Deutsch-Ukrainischen Forums
16.08.2011 Text: Philipp Schrage Fotos: Tim Jäger
Auch in Frankreich gibt es Regen
Auch in Frankreich gibt es Regen...
Workcamp Dagneux 2011 verlief trotz schlechten Wetters erfolgreich
Eigentlich hatten sich die 30 Teilnehmer des Workcamps Dagneux 2011 eher auf Sonnenbrand eingestellt - schließlich liegt das kleine Städtchen so südlich, dass Temperaturen von bis zu vierzig Grad im Sommer keine Seltenheit sind. Doch dann mussten sie vor allem die Regenjacken anziehen, denn Tief Otto verwandelte auch Südfrankreich in eine Waschküche.
Pflegearbeiten auf dem deutschen Soldatenfriedhof
Zum Glück gab es immer wieder trockene Stunden, und so konnten die drei Arbeitstage auf dem Soldatenfriedhof wie geplant durchgeführt werden. Die Teilnehmer, von denen fast ein Drittel aus Frankreich kam, säuberten vorsichtig die Grabsteine der über 19.000 Toten, schnitten an der Außenmauer den Efeu zurück, brachten Grabfeldmarkierungen wieder zu Vorschein und machten den Frühjahrsputz im Besucherhäuschen.
Ein besonderes Erlebnis war das Treffen mit einem Angehörigen, der jedes Jahr seinen in Dagneux bestatteten Vater besucht. Bewegt ließen sich die Jugendlichen die Lebensgeschichte des Soldaten erzählen, der so spät eingezogen wurde, dass er nie einen Schuss hatte abgeben müssen - aber trotzdem in Kriegsgefangenschaft geriet und starb.
Auch mit anderen Biografien von Gefallenen setzten sich die jungen Menschen auseinander und diskutierten ausgiebig über den richtigen Umgang mit der schwierigen deutschen Geschichte.
Höhepunkte waren sicherlich die Einladung zum Nationalfeiertag am 14.07., die Niederlegung eines Kranzes in Dagneux, die deutsch - französische Messe auf dem Friedhof und der Besuch der Museen in Izieu und Lyon, wo sich die Gruppe über die Judenverfolgung und die Geschichte der Resistance informierte.
Frankreich ke
nnen lernen
Neben der Arbeit gab es für die Teilnehmer auch viele Gelegenheiten, Frankreich kennenzulernen. Sei es beim Sportfest der Gemeinde oder bei Ausflügen nach Lyon und Avignon. In lebhafter Erinnerung ist vielen Jugendlichen sicherlich noch die eindrucksvolle Kulisse der mittelalterlichen Stadt Perouges oder der beeindruckende Papstpalast in Avignon. Auch die Ausflüge in den Kletterpark und zum Badesee wurden gerne angenommen.
Zum Abschied nach den zwei Wochen kamen der Bürgermeister von Dagneux und die deutsche Konsulin aus Lyon zu Besuch und beide versicherten den Jugendlichen ihre Dankbarkeit für den Einsatz, den sie mit ihrer Arbeit auf dem Friedhof gezeigt haben.
Bericht auf der Homepage des deutschen Konsulates in Lyon
27.07.2011 Philipp Schrage
Vortreffen Workcamp Dagneux 2011
Auf gepackten Koffern...
Vortreffen zum Workcamp Dagneux führte 19 Jugendliche nach Magdeburg
Sich kennenlernen, Fragen klären, das Workcamp vorbereiten - am vergangenen Wochenende, dem 18. und 19. Juni, trafen sich die Teilnehmer des Workcamps Dagneux in Magdeburg, um ihre Fahrt nach Frankreich zu besprechen.
Die meisten der Teilnehmer kannten sich noch nicht, als sie am Samstag in der Magdeburger Jugendherberge ankamen. Damit das nicht so blieb hatten die Betreuer Charlotte, Kira, Matthias und Philipp etliche Kennenlernspiele mitgebracht. Es wurden eifrig Namen gelernt, sich gegenseitig über Wohnort, Hobbies und Musikgeschmack befragt und dann bildeten die Teilnehmer noch eine Weltkarte nach, mit den Orten, die sie schon einmal bereist hatten.
Nach einer kurzen Pause ging es dann mit der inhaltlichen Arbeit los - was wisst ihr über Frankreich? fragten die Teamer und bekamen auf kreativ gestalteten Plakaten dargestellt, dass sich die Teilnehmer schon ganz gut im Nachbarland auskennen. Auch über den Volksbund wussten schon viele Bescheid, dass er 1919 gegründet wurde, Kriegsgräber pflegt und in sechzehn Landesverbänden strukturiert ist war wohl allen bekannt. Weiter erörtert wurde das ewige Ruherecht für Opfer von Krieg und Gewalt und die Teilnehmer diskutierten darüber, wie man sich auf einer Kriegsgräberstätte verhält.
Charlotte stimmte mit einer kleinen Bildershow schon mal auf den Camport Dagneux ein: Wie sieht der Friedhof aus? Wie die Unterkunft? Wunderschöne Bilder von Lyon und Avignon machten schon auf die Ausflugsziele Lust.
Der spannendste Teil kam sowieso erst am Samstagabend: Das Programm wurde vorgestellt. Zwei Wochen sind randvoll gepackt mit internationaler Begegnung, Arbeit auf dem Friedhof, Exkursionen, Freizeit und auch der Teilnahme an den Festlichkeiten zum 14. Juli - dem französischen Nationalfeiertag, bei dem die Workcampteilnehmer Ehrengäste der Gemeinde Dagneux sein werden.
Abgerundet wurde das Vortreffen durch gemütliches Zusammensein im Stadtpark und mit einem Stadtrundgang am Sonntagmorgen. Das Erinnerungsfoto zeigt viele zufriedene Gesichter - auch wenn leider nicht alle Teilnehmer zum Vortreffen kommen konnten. In drei Wochen geht es schon auf große Reise, dann ist die Gruppe endlich komplett und bereit für einen unvergesslichen Sommer in Frankreich!
Workcamps des Landesverbandes 2011
Der Landesverband Sachsen-Anhalt organisiert dieses Jahr Workcamps in
Eine komplette Übersicht der Workcamps findest Du hier >>>



