Franzosen, Russen, Serben, Italiener ...

ruhen auf dem Ehrenhain des ehem. Truppenübungsplatzes Königsbrück. Pflegeinsatz von Soldaten der Offiziersschule des Heeres aus Dresden

26. April 2017

Totenehrung mit Soldaten der Offiziersschule des Heeres, Frau Bürgermeister Truxa-Richter, Leutnant z.S. Schmidt (3. v.r.), Stabsfeldwebel Student (5.v.l.), Landesgeschäftsführer Dr. Reitz (4. v.r.), Frhr v. Lüdinghausen (1.v.r.)

Soldaten beim Auslichten der Waldränder

Romantisch-verwildert präsentiert sich der Ehrenhain auf dem Gelände des ehemaligen sächsischen, deutschen, später sowjetrussischen Truppenübungsplatzes Königsbrück mit seinem Rhododendron-Spalier und den Denkmalen der Verstorbenen Kriegsgefangenen aus der Zeit des Ersten Weltkriegs.

Soldaten der I. Inspektion der Offiziersschule des Heeres aus Dresden leisteten hier am 18. und 19. April 2017 einen freiwilligen Pflegeeinsatz, bei dem Sichtachsen freigelegt und die Waldessäume ausgelichtet wurden. Unter Leitung von Lt. z. S Schmidt verrichteten die Soldaten leichte gärtnerische Pflegearbeiten, zu denen der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge und der Bauhof der Gemeinde Neukirch die Werkzeuge stellten.

Zwar ist der Volksbund für die Pflege inländischer Soldatenfriedhöfe nicht zuständig, doch unterstützt er gerne mit Expertise und Kontakten, um Einsätze dieser Art zu koordinieren. Einem Lokaltermin der ehrenamtlichen Ortsbürgermeisterin von Neukirch, Frau Truxa-Richter, mit dem Landesgeschäftsführer des Volksbunds, Dr. Reitz, im vergangenen Jahr, entsprang der Impuls zum Pflegeinsatz, zu dem der Chef der I. Inspektion der Offiziersschule, Oberstleutnant Oettler, gewonnen werden konnte. Angesichts der Einsatzbelastung der Bundeswehr und den Zwängen der Soldatenarbeitszeitverordnung sind Einsätze dieser Art heute nicht mehr selbstverständlich. Daher gilt der Dank des Volksbunds den Dienststellenleitern und Vorgesetzten, die solche Einsätze weiterhin ermöglichen. Die Unterstützung der Arbeit des Volksbunds durch die Offiziersschule in Dresden und deren Kommandeur, Brigadegeneral Gante, gestaltet sich allerdings vorbildlich.

Der Soldatenfriedhof in Königsbrück war in den Jahren ab 1914 entstanden. Auf ihm ruh(t)en die sterblichen Überreste der Toten des Kriegsgefangenenlagers, das zeitweise mit bis zu 15.000 Offizieren und vor allem Mannschaften belegt war.

Anders als im Zweiten Weltkrieg achteten die deutschen - hier: königlich sächsischen - Militärbehörden die Bestimmungen der Haager Landkriegsordnung von 1906, dergemäß die Gefangenen "wie die eigene Truppe" unterzubringen, zu verpflegen und medizinisch zu versogen seien. Entsprechend gering sind die Sterbezaheln: 724 Russen, Serben, Franzosen und Italiener starben zwischen 1914 und 1918. Franzosen und Italiener wurden in der Zwischenzeit repatriiert.

Bemerkenswert sind die Denkmale, die - z.T. von den Gefangenen selbst - auf der Anlage errichtet wurden. Neben den Obelisken für Franzosen und Russen sticht vor allem die Plastik des "verwundeten Serben" ins Auge des Besuchers.

In den nächsten Jahren ist eine grundhafte Sanierung der Gesamtanlage vorgesehen, in deren Rahmen der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge die zuständige Gemeinde, Schmorkau, berät, bevor der entsprechende Fördermittelantrag an die Landesdirektion in Chemnitz gerichtet werden kann. Mit dem Beginn der Umgestaltung kann nicht vor 2018/19 gerechnet werden, so dass die Offiziersschule noch weitere Gelegenheit zu Pflegeinsätzen finden wird.

Weiterführende Literatur: LESCH, Kristin: Sachsen im Ersten Weltkrieg. Hg. v. Frank-Lothar Kroll und Dirk Reitz. Schriften der Landeszentrale für Politische Bildung Sachsen. Dresden 2016.

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Volkstrauertag 2017

Die zentrale Gedenkstunde zum Volkstrauertag am 19. November 2017 veranstaltete der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge traditionell im Plenarsaal des Sächsischen Landtages zu Dresden; dieser geht eine protokollarische Kranzniederlegung auf dem Nord-Friedhof voraus.

Im Jahr 2016 hielt S. E. Wladimir M. Grinin, Botschafter der Russischen Föderation in Deutschland, die Gedenkrede. 

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