Pomezia/Futa-Pass 2007

Dresden. 12.00 Uhr mittags.

Die Sonne, äh, ja wo ist die eigentlich? Das Wetter ist weder gut noch schlecht. Wir finden uns damit ab, schließlich werden wir die nächsten kommenden 20h im Bus verbringen und fahren gen sonnigen Süden, nach Italien.

Nachdem das Gepäck verstaut war und wir jeder unser wichtigstes Reiseutensil bekommen hatten, das Bundeswehrkopfkissen, konnte es losgehen. Einige Stunden Fahrt und eine Packung Schokokekse später waren nach Zwischenstopps entlang der Strecke sämtliche Teilnehmer aufgesammelt. Und nun ging es auf ins „Land, wo die Zitronen blüh’n“.
Dieses empfing uns mit einem Gewitter. Jedoch erreichten wir, genau Punkt 8 Uhr wie berechnet, Pomezia, den zweitgrößten dt. Soldatenfriedhof Italiens, unseren ersten Campaufenthaltsort, bei strahlendem Sonnenschein und warmen Temperaturen. Dort angekommen, servierten uns die Köche das erste Frühstück, welches wie auch in den folgenden Wochen aus Wurst, Käse und Brot bestehen sollte.

Nach einer ausführlichen Zimmerinspektion fanden wir wieder zueinander, um uns von Fillipo, dem Friedhofsverwalter, unseren Arbeitsplatz für die kommenden sieben Tage zeigen zu lassen. Wir erfuhren allerlei Wissenswertes und beschlossen, den restlichen Tag am Strand zu verbringen.

Um ein Haar hätten wir den Weg zu unserem neuen Zuhause laufen müssen, aber glücklicherweise stand der Bus noch, auch wenn nicht ganz so, wie wir erhofft hatten. Mit Entsetzen mussten wir feststellen, dass jemand versucht hatte, unseren Bus aufzubrechen, jedoch hätten diejenigen nichts weiter gefunden als ein paar Kopfkissen. Nachdem wir lange auf die völlig überforderte italienische Polizei gewartet hatten, rückte diese im Trio an und unternahm sage und schreibe nichts.

Arbeit, Arbeit hieß das Motto des kommenden Tages. Leider war das Ergebnis so gut wie nicht zu erkennen, da der Zaun von grau in grau umgestrichen wurde, und das Laub, das wir harkten, verteilten wir 10 m weiter. Der einzige Beweis unserer Arbeit beschränkte sich dann auf den Hang der Autobahn vor unserer Haustür, welcher eigentlich nicht unsere Aufgabe gewesen wäre.
Der nächste Tag war nicht weniger spannend als der erste, denn die Hauptstadt erwartete uns schon sehnsüchtig. Die Metrofahrt, Carstens tolle Führung, Vatikanstadt und Engelsburg und noch so einige Höhepunkte sollten einen bleibenden Eindruck hinterlassen. Nach vielen Verwirrungen und Verkaufsgesprächen mit Straßenhändlern entließ man uns in die Freizeit. Dank der chaotischen Straßenverhältnisse begegneten sich einige immer wieder und wieder und manch einer genoss das italienische Flair in einem Café oder einer Pizzeria.

Um unsere Bildung ein wenig abzurunden, ging es am Tag darauf in die Nähe von Latina in ein Museum. Hier war für jeden Geschmack das Richtige dabei, ob nun die Kinderspielzeuge, die Miniaturschiffchen oder Panzer in realer Größe. Der Museumsbesucher konnte sich hier auch interaktiv vergnügen, sei es die Rechtschreibfehler auf den deutschen Tafeln zu finden oder das Aktivieren der Tonbeiträge, welche zwischen Italienisch, Deutsch sowie Englisch wechselbar waren.

Zeit war genug, so konnte alles genauestens unter die Lupe genommen werden. Danach ging es auf den amerikanischen Friedhof in Nettuno, welcher zwar größer war, jedoch wesentlich weniger Tote beherbergte als unserer in Pomezia.

Aufgrund der Tatsache, dass wir unser Kleingeld durch einen gekonnten Wurf im Trevibrunnen  versenkt hatten, kehrten wir an einem Freitag wieder zurück in die Hauptstadt. Dort bot sich uns die Möglichkeit, sämtliche verpasste Sehenswürdigkeiten, wie zum Beispiel das Kolloseum oder das Forum Romanum, zu besichtigen. Leider waren manche Schlangen so lang, dass uns nicht die Zeit dafür blieb zu warten. Stattdessen machten wir uns auf zur „Schreibmaschine“ (Nationaldenkmal), wie sie die Italiener nennen. Ein paar bedächtige Blicke auf die Trümmer und ein Gruppenphoto später, trennten sich von dort aus unsere Wege, um die Stadt selbstständig auf ein Neues zu erkunden und verpasste Sightseeingstandpunkte nachzuholen. Spät abends fanden dann Gott sei dank doch noch alle zu unserem Bus, der eine früher, der andere später.

Zu weiteren Zielen dieser Woche gehörten unter anderem Tivoli, eine kleine Stadt in den Bergen mit der bekannten Villa D´Este und ihrer schönen weitläufigen Parkanlage. Außerdem der Strand, an dem wir gemeinsam in kleinen Gruppen versuchten, in einem Einbürgerungstest herauszufinden, ob wir es verdienen, Deutsche zu sein. Am Abend folgte dazu eine Diskussionsrunde. Ein weiterer Arbeitseinsatz, der von viel Piniennadelnwegräumarbeiten, Zaunstreichen, Bänke schleifen und Grabsteine zählen geprägt war, ergänzte unser Programm.

In der zweiten Woche erreichten wir den Futa-Pass, welcher sich in einer Höhe von 952 m befindet. Dementsprechend mussten unsere Busfahrer manchmal Maßarbeit in den Kurven leisten.  Circa 200 km von unserem letzten Aufenthaltsort entfernt, unternahmen wir von hier aus Ausflüge nach Florenz und Firenzuola, wo wir vom Bürgermeister persönlich begrüßt wurden und ein Sandsteinmuseum besuchten. Ebenso gehörten Venedig, Bologna und nicht zuletzt Pisa mit dem schiefen Turm, dem definitiv besten Fotomotiv, dazu.

Gekommen waren wir ja eigentlich, um zu arbeiten, jedoch machte uns das Wetter häufig einen Strich durch die Rechnung. Manchmal konnten wir nicht einmal anfangen, und wenn wir schon mal dabei waren, begann es von Neuem zu regnen. Trotzdem schafften wir es dann doch, einen großen Teil des Friedhofes vom zu hochgewachsenen Gras zu befreien, strichen Bänke und leerten Zisternen aus.

Weil diese Reise ebenfalls als Bildungsreise ausgeschrieben war, beschäftigten wir uns mit Einzelschicksalen und gestalteten dazu Plakate, die nun im Foyer des Friedhofsgebäudes neben den Namensbüchern hängen. Außerdem sahen wir Filme, wie zum Beispiel „Im Westen nichts Neues“ und „Das Leben ist schön“, auch erzählte uns einer der Busfahrer etwas über seine Zeit, als er im Afghanistan stationiert war.

In der letzten Woche bekamen wir dann hohen Besuch vom Generalmajor Oppitz und Herrn Hatzsch, welche auch bei einem Arbeiteinsatz die Hemdsärmel hochkrempelten und fleißig mithalfen. Beide Herren waren anwesend zu unserer Gedenkfeier, welche am Mahnmal des Futa-Passes stattfand und dank ihrer Reden bereichert wurde. Ebenso durften wir zwei Zeitzeugen zu dieser Veranstaltung begrüßen, mit denen wir bereits eine Führung durch den Friedenspark Monte Sole gemacht hatten. Wir sangen, lasen und lauschten dem Totengedenken auf Deutsch, Polnisch sowie Italienisch und gedachten der Tausenden gefallenen Soldaten. Es folgte eine Kranzniederlegung mit einem Kranz der Bundeswehr und des Volksbundes. Im Anschluss gab es eine Gesprächsrunde mit dem Generalmajor und einen kleinen Imbiss.

Da nicht nur Arbeit und Bildung auf dem Programm standen, fanden gesellige Spieleabende statt, und der ein oder andere betätigte sich sportlich beim Volleyball, Fußball oder Tischtennis.

Damit alles geregelt ablaufen konnte, hatte jeder einmal Küchen-, Putzdienst oder die ehrenvolle Aufgabe, Tagebuch zu schreiben. Apropos geregelt, damit aus unserem Abschlussabend etwas Besonderes werden konnte, mussten wir natürlich zeitig anfangen zu planen, zu überlegen und uns ein paar hübsche Geschenkideen einfallen zu lassen für unsere Teamer, Gärtner, Gepäckwagenfahrer, Busfahrer und Köche. Das Ergebnis konnte sich sehen lassen. So beinhaltete unser Programm Gesangseinlagen auf Polnisch und Deutsch, ein Herzblattspiel, Mitmachaktionen jeweils für Busfahrer und Köche getrennt sowie eine Art „Schillerstraße“ für unsere vier „Aufpasser“ und natürlich eine gekonnte Führung durch das bunt gewürfelte Programm.
Nun hieß es Abschied nehmen vom Futa-Pass, von Italien und später nach einer langen Fahrt auch voneinander. In den drei Wochen hatten wir viel erlebt, gesehen und dank der binationalen Begegnung neue Menschen und deren Kulturen kennengelernt.

Abschließend kann man sagen, dass wir unsere Reise in toller Erinnerung behalten werden und bestimmt nicht das letzte Mal mit dem Volksbund gefahren sind.

 

Ein Bericht von Lisa Kaiser

 

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