Reichenbach/Oberlausitz 2001

Schaufel, Schubkarre, Drahtbürste und Pinsel, dazu ein paar Decken und eine hohe Arbeitsmoral, um dem kalten, schon herbstlichen Wetter zu trotzen, ... das waren die wichtigsten Utensilien des internationalen Jugendlagers in Reichenbach. Für fast drei Wochen führte der Landesverband Sachsen des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge 32 Jugendliche aus 14 Nationen in dem kleinen Ort Kollm in der Oberlausitz zusammen, um gemeinsam auf polnischen, sowjetischen und deutschen Kriegsgräbern zu arbeiten. Grabhügel wurden erneuert, Erde aufgetragen und Rasen angesät, Grabeinfassungen repariert, Grabsteine gewaschen und Inschriften nachgezogen; der Zaun und die Holzkreuze frisch gestrichen, ... Daß diese Arbeiten auch im Sinne der Reichenbacher Anwohner waren, zeigte deren Gastfreundlichkeit. Es wurde zum Reichenbacher Stadtfest geladen und von der Gemeinde ein Abschlußgrillabend organisiert.

Arbeit verbindet. Und so lernten sich die Jugendlichen aus so verschiedenen Kulturen schnell kennen und es entstanden Freundschaften, die zum Teil bis heute andauern. Doch nicht die Arbeit allein sollte das Zusammenleben im Jugendlager bestimmen. Sächsische Kultur, Geschichte und Landschaft lernten die Teilnehmer auf Ausflügen nach Bautzen, Görlitz und Dresden kennen. Weitere Höhepunkte waren die Führung durch die Brauerei Landskron, die Fahrt in den Saurierpark Kleinwelka, die Fahrradtour um den Quitzdorfer Stausee und die Besuche des Klosters Marienthal und der Burg- und Klosteranlage Berg Oybin.

Trotz des miserablen Wetters brachten sich die Jugendlichen auch zum Tag der Sachsen in Zittau ein. Zwei Tage lang wurde auf der sowjetischen Kriegsgräberstätte Eichgraben gearbeitet. Auf dem Frauenfriedhof in Zittau, auf dem weit über 500 Kriegsopfer verschiedener Nationalitäten aus dem letzten Weltkrieg begraben liegen, wurden im Rahmen des Tag-der-Sachsen-Programms Kränze und Blumen niedergelegt. Und schließlich wurde der Informationsstand des Volksbundes von Teilnehmern des Jugendlagers betreut.

Auch Sport, Spiel und Spaß kam nicht zu kurz. Sei es das alltägliche Volleyballspiel, die Badeausflüge, gemütliche Abende am Lagerfeuer bei einem Bier oder die Nacht in der Disko ... wen Arbeit und kulturelles Programm nicht zu sehr ermüdet hatte, fand noch genügend Gelegenheiten, seiner Energie freien Lauf zu lassen.

Den pompösen Abschluß des Camps bildete der Nationalitätenabend. Die Tafeln wurden gedeckt mit vielen, vor allem osteuropäischen Leckereien. Ein umfangreiches Programm, von den Teilnehmern erstellt, brachte die Kulturen ihrer Herkunftsländer näher und beinahe jeder bereicherte diesen Abend mit einem Stück seiner Heimat. Unumstrittener Höhepunkt des Festes: die temperamentvolle, vierköpfige, italienische Band mit ihrem Gasttänzer aus Litauen.

Das Jugendlager in Reichenbach endete am 11. September 2001. Ein Datum, welches noch heute bei vielen Menschen Schmerzen, Angst und Entsetzen auslöst. Für fast drei Wochen hatten Russen, Polen, Italiener, Ungaren, Weißrussen, Moldawier, Engländer, Deutsche, Rumänen, Bulgaren, Litauer, Tschechen, Slowaken und Ukrainer friedlich in ihrer kleinen Welt in der Oberlausitz zusammengelebt und, in Erinnerung an die Schrecken des Krieges, für den Frieden gearbeitet. Durch das Attentat auf das World Trade Center in New York wurde dieser Frieden auf’s Neue bedroht. Und trotzdem, oder gerade deshalb, hat dieses internationale Jugendlager ein Zeichen gesetzt, wenn auch nur ein kleines. Es hat viele derer, die es miterlebt haben, in ihrem Denken geprägt und wird ihnen in Erinnerung bleiben.

Ein Bericht von Daniela

 

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