Rossoschka 2007

Als wir mit dem Bus vom  Hauptbahnhof Wolgograd in Richtung Rossoschka, unserem Domizil für die nächsten 14Tage, unterwegs waren verfolgte ich aus dem Bus hinaus die an mir vorbeiziehende Steppe. Der Tag unserer Ankunft war ein heißer Tag und alle spürten in ihren Gliedern die bis dahin 1 1/2 tägige Reise. Zudem kam hinzu, dass es für die meisten Teilnehmer, mich mit eingeschlossen, die erste Reise nach Russland war und man pausenlos beschäftigt war, die neuen Eindrücke die sich einem ergaben zu verarbeiten; wie leben die Menschen hier, wie ist die Landschaft geprägt oder man betrachtete die Menschen bei ihren alltäglichen Erledigungen.

Aber man machte sich auch Gedanken über die Geschichtsträchtigkeit des Ortes an dem man sich gerade befand, Wolgograd das ehemalige Stalingrad. Ein Wort der auch noch in der jüngeren Generation für abertausendes morden, sterben, verhungern und erfrieren steht. Dieser Name ist genauso ins gesellschaftliche Gedächtnis für das Leiden im Krieg verankert wie Verdun oder die Normandie.

Doch was ergab sich bei einem Blick auf die Steppe? Glühende Hitze, von der Sonne versenktes Gras. Kaum zu glauben, dass in diesen Gefilden so viele jung Männer auf beiden Seiten erfroren sind. Denn Stalingrad steht vor allem für einen erbarmungslosen Kampf in eisiger Kälte. Jedoch kann man auf seinem Weg durch die Steppe, bei genauem hinsehen, die Narben die die Schlacht vor über 60 Jahren in die Landschaft riss erkennen. Immer wieder lassen sich Stellungen und Granattrichter erahnen und dann kurz vor seinem Ziel, dem kleinen Dörfchen Rosschoschka, einer der größten Hinweise auf die Schlacht die hier einst tobte.

Der deutsch-russische Soldatenfriedhof Rosschoschka.

Hier liegen die Gegner von Einst, nur von einer kleinen Straße getrennt, gemeinsam beerdigt.

Gemeinsamkeit dies ist auch ein gutes Wort für unsere bevorstehende Arbeit. Denn wie bei allen Jugendlagern des Volksbundes, waren nicht nur deutsche Jugendliche angereist sondern auch russische. Man wollte zusammen über die Geschehnisse von einst nachdenken und für den Frieden arbeiten.

Obwohl sich der Friedhof in einem guten Zustand befand gab es trotzdem eine Menge zu erledigen. An unserem ersten Arbeitstag galt unsere volle Aufmerksamkeit wieder einmal der Steppe. Von dieser hatte man sich nämlich ein Stück entliehen um den Friedhof zu errichten und dieses Stückchen versucht sich natürlich Mutternatur wieder einzuverleiben. Deswegen musste mit Hacken und Spaten der Steppenflora, die sich auf allen Wegen des Friedhofs langsam wieder ausbreiten wollte, zuleibe gerückt werden. Am Ende eines sehr heißen Arbeitstages, denn die Sonne zeigte ihr ganzes können, konnte sich das Resultat sehen lassen. Alle Wege waren wieder frei von Bewuchs und sämtliche Büsche und Sträucher auf manierliche Größen gestutzt. Weitere Arbeiten die sich über die nächsten zwei Wochen verteilten war das Pflegen und Reinigen von Gräbern auf deutscher und russischer Seite und das Säubern der Gedenkwürfel für die Soldaten deren Gebeine entweder immer noch als vermisst gelten oder nicht geborgen werden können.

Aber die Arbeit welche ich persönlich am bedrückensten fand war das Ausheben von 21 Gräbern für Gebeine russischer Gefallener. Dies machte die Wichtigkeit der ganzen Arbeit noch mal besonders deutlich. 2 Generationen oder 64 Jahre nach Beendigung der Kampfhandlungen um Stalingrad haben noch nicht alle ein Gefallenden ein ehrenvolles Grab gefunden.

Zudem für wen gräbt man die Gräber in der Steppe, junge Männer die teilweise weniger Lebensjahre zählten als ich sie gerade aufweisen kann. Junge Männer denen es nicht vergönnt war, wie mir in friedlichen Zeiten zu leben die ihr Leben gaben für eine aberwitzige und menschenverachtende Ideologie oder solche die gegen diese ins Felde zogen.

Jeden Tag an dem man auf dem Friedhof arbeitete laß man die Namen der unglaublich vielen Opfer, es waren so viele Namen, dass der menschliche Geist kaum noch in der Lage ist sie zu verbildlichen obwohl hinter jedem Namen ein Einzelschicksal stand.

Eine Mutter die ihren Sohn, eine Ehefrau die ihren Mann, ein Bruder bzw. eine Schwester die ihren Bruder oder aber jemand der einen Freund verloren hatte und diesen nie wieder sehen sollte.

Doch das ausheben von diesen Gräbern machte es noch einmal deutlich es handelt sich nicht um Nummern in irgendwelchen Statistiken über Gefallene, kein bloßer Name in einer endlos scheinenden Liste. Es waren Individuen, die durch Krieg aus dem leben gerissen wurden deren Gebeine hier in der Steppe ihre letzte Ruhe finden sollen.

Gerade das macht es so wichtig, dass junge Menschen aus allen Ländern gemeinsam über den Gräbern der Opfer zusammen arbeiten, damit Freundschaften blühen und kein stumpfer und blinder Hass aufkeimt das man sich verständigt und über kulturelle Unterschiede aufgeklärt wird damit keine Angst mehr vor dem Fremden auftreten kann.

Ein Bericht von Tim Preiswerk

 

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