114. JAK-Bildungsfahrt nach Budapest

Die Tradition fortführend machte sich der JAK Sachsen auch dieses Jahr zur gemeinsamen Bildungsfahrt auf den Weg ins Ausland. Nach Prag und Krakau galt es nun, die jugendliche Donaumetropole Budapest zu erkunden. Am Ende einer langen Fahrt, aber dafür gefühlt umso kürzeren Nacht im Fernbus, erwartete uns bei der Ankunft am frühen Morgen zunächst ein noch sehr verschlafenes Budapest. Die Zeit bis Tagesanbruch wurde deswegen kurzerhand für ein gemütliches Frühstück beim Bäcker genutzt, bei dem jeder noch einmal Kraft für den bevorstehenden Tagesausflug tanken konnte. Dieser führte uns nämlich zunächst hinaus aus der Budapester Innenstadt, hinein in den beschaulichen Vorort Budaörs, der bis zu ihrer Vertreibung in der Mitte des 20. Jahrhunderts die Heimat vieler Ungarn-Deutscher gewesen war. Heute zeugt nur noch das von uns besuchte „Jakob Bleyer Heimatmuseum“ von der deutschen Geschichte dieses Ortes. Wenig später sollte uns ganz in der Nähe auch noch ein zweites Stück deutscher Geschichte in Ungarn begegnen: Am Rande von Budaörs befindet sich eine deutsch-ungarische Kriegsgräberstätte, auf der mehr als 15.000 gefallene Soldaten des 2. Weltkriegs ihre letzte Ruhe gefunden haben.

Nach der Rückkehr ins Zentrum hieß es dann erst einmal „Schiff ahoi!“: Mit der öffentlichen Fähre schipperten wir die Donau hinauf und konnten während der Dämmerung die wunderschön beleuchtete Stadtsilhouette vom Wasser aus genießen. Zurück an Land ließen wir dann bei Glühwein und jüdischem Essen einen schönen ersten Tag ausklingen.

Den zweiten Tag starteten wir mit einer Besichtigung im modern gestalteten Holocaust Memorial Center, das neben einer sehr eindrucksvollen Ausstellung zur Verfolgung und Vernichtung der ungarischen Juden während des Holocausts auch eine historische Synagoge beherbergt, welche die Zeit der Judenverfolgung in den 40er Jahren überdauert hat. Passend dazu besuchten wir auch das umstrittene, von der ungarischen Regierung neu aufgestellte Denkmal an die deutsche Besatzung, das an die ungarischen Opfer des nationalsozialistischen Terrors ab 1944 erinnern soll. Zahlreiche Protestaktionen vor Ort machten aber auch darauf aufmerksam, dass erst durch die Kollaboration tausender Ungarn mit den Nationalsozialisten die Ermordung von mehr als 500.000 Juden im Land möglich gemacht wurde. Die alleinige Darstellung Ungarns als „Unschuldsengel“ Gabriel empfanden auch wir daher als sehr befremdlich.

Später am Nachmittag nutzten dann alle die Gelegenheit, um selbstständig Sightseeing zu betreiben. Zu den absoluten Highlights zählten dabei das Burgviertel mit Fischerbastei, Matthiaskirche und Burgpalast sowie die Zitadelle, von der aus man einen einmaligen Blick über das nächtliche Budapest erhielt.

Am Abend lernten wir dann auch noch das junge, alternative Budapest kennen: Inmitten des jüdischen Viertels gab es beim „Street Food Karaván“ allerlei kulinarische Köstlichkeiten. Gegessen wurde dabei an Biertischgarnituren direkt neben dem „Community Garden“ und fast überall hörte und sah man Studenten, die sich angeregt auf Englisch unterhielten.  

Am Sonntag stand schließlich der Besuch des Terrormuseums auf dem Programm. Dabei ist das Gebäude, welches heute die Ausstellung beherbergt, auch gleichzeitig Mahnmal, da in dessen Kellern sowohl während der faschistischen als auch kommunistischen Gewaltherrschaft Regimegegner inhaftiert, gefoltert und ermordet wurden. Nachmittags hatten wir noch die Möglichkeit, das Parlament von innen zu besichtigen, bevor es nach dem Essen in einer typisch ungarischen Kneipe zurück in die Heimat ging.  

Wir möchten uns an dieser Stelle bei Magdi Néni bedanken, die als Ungarn-Deutsche selbst die Vertreibung durch die ungarische Regierung miterlebte und uns die Geschichte ihrer Familie aus dieser Zeit sehr lebhaft nähergebracht hat. Ein großes Dankeschön gilt zudem Viki und Niki vom Young Citizens Danube Network, ohne deren Unterstützung diese Reise so nicht möglich gewesen wäre.

      

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