Grußwort
des Herrn Landtagspräsidenten Dr. Matthias Rößler
zum Volkstrauertag am 18. November 2012

Sehr geehrter Herr Vorsitzender,
sehr geehrter Herr Landesbischof,
sehr geehrter Herr Generalkonsul,
liebe Kolleginnen und Kollegen Abgeordnete,
meine sehr verehrten Damen und Herren,

als Hausherr und Schirmherr des Landesverbandes Sachsen im Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge heiße ich Sie zur zentralen Landesfeier aus Anlass des Volkstrauertages im Plenarsaal des Sächsischen Landtags recht herzlich willkommen.

In diesem Jahr hat die Kranzniederlegung auf dem Johannisfriedhof in Dresden an der Gedenkstätte für die polnischen und tschechischen Widerstandskämpfer der Jahre 1933 bis 1945 stattgefunden. Symbolisch haben wir an dieser Stelle unser Gedenken an die Opfer von Krieg und Gewalt aller Nationen, darunter auch unserer eigenen Toten, zum Ausdruck gebracht.

Einige von uns gedachten dabei des 13. und 14. Februars 1945. Schließlich wurden auf dem Johannisfriedhof fast 4.000 Opfer der britischen und amerikanischen Bombenangriffe auf Dresden beigesetzt. Auf diese Weise nahmen wir unsere Verantwortung wahr, insbesondere aller Opfer zu gedenken, die als Folge der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft und des schrecklichsten und opferreichsten aller Kriege zu beklagen sind.

Unter den deutschen Opfern des 13. Februar findet sich eine Vielzahl von Fremdarbeitern und Kriegsgefangenen aus vielen Ländern Europas. Der Tod hat nicht zwischen Tschechen, Polen, Deutschen oder Slowaken und deren Volkszugehörigkeit unterschieden.

Damit hat er unserer Trauer ein Beispiel gegeben. Er hat unser Bewusstsein dafür geschärft, dass wir als Einzelne und als Angehörige eines Volkes zugleich auch einer viel größeren Gemeinschaft angehören, mit der uns alles verbindet, was den Menschen zum Menschen macht und ihm seine Würde gibt.

67 Jahre sind seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs vergangen, doch die Vergangenheit und die Erinnerung an die Verletzung und Zerstörung der Würde des Menschen durch den Menschen sind für uns gegenwärtig geblieben. Unsere eigene Vorgeschichte zwingt uns immer wieder und in den sich wandelnden Perspektiven jeder neuen Generation dazu, sich mit ihr – nicht zuletzt auch politisch – auseinander zu setzen.

Der Volkstrauertag ist ausdrücklich keine politische Veranstaltung. Aber er steht auch nicht vollkommen außerhalb aller Politik. Er definiert eine Summe von Haltungen und Positionen, die bei aller Pluralität einen weitgehenden gesellschaftlichen Konsens zum Ausdruck bringen. Es hat seit fast 100 Jahren immer einen großen Unterschied gemacht, wann und wo und ob der Volkstrauertag begangen worden ist.

Für den Freistaat Sachsen ist der Volkstrauertag, wie er seit zwei Jahrzehnten als stiller Gedenktag wieder wahrgenommen werden kann, ein großer Gewinn.

Er stellt eine Bereicherung dar für eine Kultur der Erinnerung, die unser Volk eint und es mit anderen Völkern verbindet. Dass die Zentrale Feierstunde im Freistaat Sachsen am Volkstrauertag immer wieder im Plenarsaal des Sächsischen Landtags stattfindet, soll heute und in Zukunft gewährleisten, dass unsere Trauer nie wieder ideologisch benutzt und missbraucht werden kann.

In einer Kultur des Gedenkens, die allen Opfern gerecht werden will und der Versöhnung dienen soll, darf einer Aufrechnung der Opfer von Krieg, Vernichtung, Flucht und Vertreibung, neuen Feindbildern und der Verfälschung der Ursachen von Kriegen kein Raum gegeben werden.

Das werden wir nicht vergessen, weil wir angesichts der Kriege und bewaffneten Konflikte in vielen Teilen der Erde sehr wohl wissen, welch schwieriger Weg noch zu gehen bleibt, ehe sich die Hoffnung auf Frieden und Recht für alle Völker erfüllt. Dass heute noch tagtäglich an vielen Orten der Welt Bomben fallen und mit jedem Menschenleben ein Stück Zukunft zunichtemachen, zeigt uns in aller Deutlichkeit, wie groß die Aufgabe nach wie vor ist, die vor der Völkergemeinschaft liegt.

Jede Generation wird von neuem gefordert sein, ihren Beitrag für mehr Menschlichkeit, für Toleranz und die Verteidigung demokratischer Grundwerte, aber auch gegen das Vergessen zu leisten.

Heute wissen wir längst: Das Verdrängen des Vergangenen macht den Menschen krank. Und wie wichtig die Erinnerung ist, wird spätestens dann offenbar, wenn ein Menschen sein Gedächtnis verliert.

Im Freistaat Sachsen sind zahlreiche junge Menschen in Vereinen, Verbänden und Initiativen wie dem Landesverband Sachsen im Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge engagiert. Sehr viele von ihnen setzen sich intensiv mit der Geschichte auseinander und werden auf diesem Wege dazu beitragen, der Erinnerung in den nachfolgenden Generationen eine Zukunft zu geben. Sie tragen unsere Hoffnung, dass auch in Zukunft Menschen zusammenkommen, um am Volkstrauertag eine lebendige Kultur des Gedenkens und Erinnerns und der Mahnung für Frieden und Völkerverständigung zu pflegen und um die Opfer nicht zu vergessen.

Deshalb, meine sehr verehrten Damen und Herren, setzten wir uns, die heute hier zusammengekommen, in Politik und Kultur, in Kirche und Gesellschaft auch weiterhin und weit über diesen Tag hinaus mit vereinten Kräften für die Versöhnung über den Gräbern ein. Dafür danke ich Ihnen.

Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e.V.

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