"Dafür spende ich gerne"

Mitarbeiter und Soldaten sammeln jetzt auch in Kiel wieder für den Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge

10. November 2011

Der in Australien lebende Rolf Dehncke spendete gestern im CITTI-Park bei Obermaat Jens Geschwinde für die Kriegsgräberpflege.

Kiel. Das Klimpern von blauen Sammelbüchsen ist jetzt wieder an vielen Orten im Stadtgebiet zu hören. Mitarbeiter und Soldaten der Bundeswehr bitten bis zum 24. November um eine Spende für die Pflege der Grabstätten deutscher Soldaten in aller Welt.

Von Frank Behling (Kieler Nachrichten, 08.11.2011)

"Mein Vater ist in Russland gefallen. Ich lebe heute in Australien und kann mich nicht um das Grab kümmern. Deshalb ist es toll, dass es diese Menschen gibt. Da spende ich gerne" sagt Rolf Dehncke. Der deutsche Auswanderer steckt nach dem Einkaufsbummel durch den CITTI-Park einen zusammengerollten Schein in die blaue Sammelbüchse von Obermaat Jens Geschwinde. Der 25-jährige Unteroffizier ist einer von 50 Sammlern, die in diesen Tagen an verschiedenen Plätzen in Kiel Geld für die Pflege der 824 Kriegsgräberstätten in 45 Ländern sammeln. Sie sind die letzten Ruhestätten für 2,4 Millionen Kriegstote – zumeist deutsche Soldaten. "Ich bin seit 2005 bei der Marine und habe mich 2008 zum ersten Mal an der Sammlung beteiligt. Ich finde es wichtig, dass diese Arbeit gemacht wird. Deshalb unterstütze ich die Sache", erzählt der Zeitsoldat aus Thüringen, der heute in Osterode wohnt und im Tirpitzhafen stationiert ist. Selbst habe er keine Verwandten, deren Gräber irgendwo im Ausland betreut werden müssen. "Das ist aber auch für mich nicht so wichtig", sagt er. Wichtig sei, dass für diese Aufgabe gesammelt werde.

Und erfolgreich ist Geschwinde auch. „Er gehört zu den erfolgreichsten Sammlern", berichtet Reinhard Rakelmann, der Kreisgeschäftsführer des Volksbundes in Kiel. Im Oktober wurde Jens Geschwinde zusammen mit Sammlern aus dem gesamten Bundesgebiet zu einem Empfang auf Schloss Bellevue nach Berlin eingeladen. "Der Bundespräsident hat uns dort empfangen und für die Arbeit gedankt" , berichtet Geschwinde. Bis zum 24. November hat er seinen Platz an der Rolltreppe zum Parkdeck des CITTI-Marktes. Ab 10 Uhr bezieht er mit der Sammelbüchse dort Position. Der Erfolg geht aber auch in die Arme. "Die Büchse wird irgendwann ziemlich schwer. Das spürt man abends schon“, sagt Geschwinde und freut sich über die Spendenbereitschaft der Menschen.

Weitere Sammler stehen im Sophienhof, unter den Arkaden an der Holtenauer Straße, auf dem Wochenmarkt am Exer und bei Famila in der Wik. Die in früheren Zeiten beliebte Holstenstraße ist dagegen verwaist. "Die Sammler hatten in der Fußgängerzone der Innenstadt zuletzt wenig Erfolg, das lohnt sich nicht mehr. Die Menschen sind dort meist sehr in Eile und haben keine Zeit für eine Spende. Das ist für die Sammler nicht so gut wie im Sophienhof oder im CITTI-Park", bilanziert Rakelmann. Erstmals hat eine Mitarbeiterin der Bundeswehr beim Wochenmarkt auf dem Exer gesammelt. "Da sind gleich 103 Euro zusammengekommen, das war ein tolles Ergebnis", so Rakelmann.

Der Großteil der Gelder geht an Kriegsgräber für Soldaten zwischen Irland und dem Kaukasus. 2011 sollen die Kriegsgräberstätten in Motta St. Anastasia in Italien und im weißrussischen Schatkowo neu hergerichtet werden. 46.179 deutsche Soldaten wurden 2010 umgebettet, 23.843 davon in Russland.

Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e.V.

Spendentelefon: 0561 700 90

Spendenkonto

IBAN:
DE23520400210322299900

BIC: COBADEFFXXX

Commerzbank Kassel