Schleswig-Holstein gedenkt der Kriegstoten

Unter dem Eindruck der terroristischen Attentate von Paris fand im Kieler Landtag die zentrale Gedenkstunde des Landes zum Volkstrauertag statt

16. November 2015

Der stv. Landesvorsitzende des Volksbundes, Dr. Ekkehard Klug, begrüßt die Teilnehmer der Gedenkstunde im Landtag

Grußwort von Landtagspräsident Klaus Schlie

Ministerpräsident Torsten Albig hält die Gedenkrede

"Gedanken zum Volkstrauertag" von Katharina Dreyer und Björn Dammann

Die beiden jungen Leute beeindruckten mit ihrem Beitrag die Zuhörer ganz besonders

Rund 150 Teilnehmer hatten sich am Volkstrauertag im Plenarsaal des schleswig-holsteinischen Landtags zusammengefunden, um gemeinsam der Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft zu gedenken. Die Flüchtlingssituation und vor allem die Terroranschläge in Paris verliehen der Veranstaltung dabei auf dramatische Weise eine besondere Aktualität.

Nach der Begrüßung durch den stellvertretenden Landesvorsitzenden des Volksbundes, Dr. Ekkehard Klug, ging Landtagspräsident Klaus Schlie in seinem Grußwort besonders auf die oft vergessenen seelischen Folgen von Krieg und Gewalt ein. Traumatisierte und geflüchtete Menschen seien in vielfacher Hinsicht entwurzelte Menschen, die nach einem neuen Halt in ihrem Leben suchen. „Diesen Halt müssen wir diesen Menschen geben und er kann nur aus unserer Mitte heraus und auf unserem freiheitlich-demokratischen Werte- und Normenfundament angeboten werden“, sagte der Landtagspräsident.

Schlie verwies dabei auch auf die Erfahrungen und Lehren aus der Situation nach den beiden Weltkriegen und erklärte: „Wenn wir uns heute davor scheuen, dieses Angebot zu machen, die Annahme dieses Angebotes kategorisch einzufordern, dann laufen wir Gefahr, Fehler unserer eigenen Vergangenheit zu wiederholen.“

Ministerpräsident Torsten Albig mahnte in seiner Gedenkrede, die Erinnerung an Krieg und Zerstörung, an Völkermord und an unzählige Verbrechen gegen die Menschlichkeit nicht zu vergessen. "Wir lernen nur aus der Geschichte, wenn es uns gelingt, die Erinnerung weiterzugeben an die, die diese Geschichte nicht erlebt haben", sagte Albig. Hierbei helfe die zukunftsgerichtete Arbeit des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge.

Vor dem Hintergrund der Terroranschläge in Paris sagte der Ministerpräsident: "Niemals lassen wir uns davon abbringen, dass der Weg der Völkerfreundschaft und der Völkerverständigung der richtige ist. Wir lassen uns keinen Weg des Hasses aufzwingen. Wir haben unsere Lektion gelernt." Diese Werte werde Deutschland sich nicht von fanatischen Verbrechern nehmen lassen, so der Regierungschef.

Auch heute noch sei der Volkstrauertag aktuell und relevant, so Albig weiter. So seien das Asylrecht, die Europäische Union und die Vereinten Nationen Beispiele dafür, was aus dem militärischen, wirtschaftlichen, politischen und moralischen Zusammenbruch 1945 entstanden sei. Heute seien alle drei Errungenschaften in Frage gestellt. Zum Asylrecht sagte Albig: "Das nationalsozialistische Deutschland hatte unzählige Menschen in die Flucht gezwungen. Viele Nachbarländer hatten viel zu selten das gewährt, was unser Grundgesetz heute sichert: Asyl und Schutz vor Verfolgung".

In einem sehr persönlichen Beitrag unter dem Titel "Gedanken zum Volkstrauertag" berichteten anschließend Katharina Dreyer und Björn Dammann von ihren Erfahrungen, die sie anlässlich der Teilnahme am Wettbewerb des Volksbundes „Krieg ist nicht an einem Tag vorbei – Spurensuche in Schleswig-Holstein“ gemacht hatten. Beide waren bis zum Sommer noch Schüler der Theodor-Storm-Dörfergemeinschaftsschule in Hanerau-Hademarschen und hatten sich mit ihrer Abschlussklasse an diesem Wettbewerb beteiligt. Zeitzeugengespräche und Recherchen in Archiven vermittelten den Schülern dabei neue und intensive Eindrücke, die von den beiden jungen Leuten eindrucksvoll dargestellt wurden.

Nach dem Totengedenken, das traditionell durch den Landtagspräsidenten gesprochen wurde, endete die Veranstaltung mit dem „Lied vom guten Kameraden“ und der Nationalhymne, gespielt vom Holzbläserquintett des Marinemusikkorps Kiel, das wieder die musikalische Umrahmung der Gedenkstunde übernommen hatte.

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