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So werden Gräber gefunden
Vom 29. August bis zum 5. September 2001 habe ich an einer Reise des Volksbundes nach St. Petersburg, Nowgorod und Staraja-Russa teilgenommen. Grund dieser Reise war die Einweihung des Sammelfriedhofes Korpowo im Gebiet des ehemaligen Kessels von Demjansk. In früheren Ausgaben von „Stimme & Weg“ ist darüber schon berichtet worden.
Mein Stiefvater Wilhelm Bovensmann war im Krieg Angehöriger der 5. Kompanie, Infanterieregiment 27, der 12. Infanterie-Division und war von September 1941 bis Februar 1943 in diesem Raum eingesetzt. Er hat im Krieg ein Tagebuch geführt, auf dessen Spuren ich dort war.
Bei den Vorbereitungen zu dieser Reise bin ich auch in Kontakt zu Uwe Lemke gekommen, der mir einen Wagen mit Fahrer und eine Dolmetscherin besorgte. Ich wollte unbedingt in den früheren Einsatzraum südlich von Demjansk mit den Orten Penjkowo, Belj, Molwotizi, Linje und Spassowo.
Unter dem 10. März 1942 vermerkt das Tagebuch: „Ich muss mit meinem Zug das große Dorf Spassowo anstecken. Heikler Auftrag vorne. Auf Stichwort „Berlin“ geht´s los, um 20 Uhr, am 10. März, lösen und brennen. Rechts und links und hinten nichts. Wir hängen glatt in der Luft. Aber Glück muss man haben. Nach zwei Stunden zurück zur Kompanie. Auftrag erfüllt! In der Nähe von Molwotizi marschiert das Bataillon mit Spitze durch die Auffangstellung. In Belj werden wir um 2 Uhr nachts verpflegt.
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Ich hoffte, dort Menschen zu treffen, die sich noch an die damaligen Ereignisse erinnern konnten und war sehr gespannt, wie sie, durch meinen Besuch damit konfrontiert, reagieren würden.
In Spassowo treffen wir eine alte Frau, Maria Gerassimowa, die damals 21 Jahre alt war und sich noch an die Ereignisse erinnern konnte. Sie berichtete allerdings, dass seinerzeit nicht alle Häuser abgebrannt seien. Das Dorf hat heute wie damals nicht mehr als etwa zehn Holzhäuser und darum vermute ich, dass sich der Auftrag damals auf das viel größere Dorf Naumowo bezog, das zwischen Molwotizi und Spassowo liegt. Es ist aber nicht auf der Originalkarte angegeben, die mir vorliegt.
Ein Kamerad und guter Freund meines Stiefvaters, der Feldwebel Theo Fuchs, Träger des Deutschen Kreuzes in Gold, ist am 26. Februar 1942 bei Spassowo bei einem Spähtruppunternehmen gefallen. Er ist nie geborgen worden und so gibt es für ihn kein Grab.
Während des Gespräches mit der alten Frau hatte Jewgenij, unser Fahrer, im Nachbarhaus bei Maria Petrowna Ljudikowa Erkundigungen angestellt und herausgefunden, dass in diesem Haus eine Gruppe von sechs bis acht deutschen Soldaten untergebracht war. Bei einem Angriff der deutschen Luftwaffe sei das Haus am 8. oder 9. März 1942 bombardiert worden (eine erstaunlich exakte zeitliche Erinnerung), obgleich die Soldaten Fliegerzeichen ausgelegt hätten. Es gab drei Bombentrichter. Alle Soldaten wurden getötet und sind unmittelbar neben dem Haus beerdigt worden. Die Grablage ist noch vorhanden.
Wir wussten nicht, ob sie auch bekannt ist. Darum hat Jewgenij eine Skizze angefertigt, die er an Uwe Lemke weitergeben wollte. Er will dafür sorgen, dass die Gefallenen nach Korpowo umgebettet werden. So hat ein Zufall geholfen, nach 60 Jahren noch Gräber zu finden und möglicherweise auch Schicksale zu klären.
Alle Gespräche, die ich dort geführt habe, waren freundlich und herzlich. Das hat mich tief beeindruckt.
Hans Mewes / Solingen
Telefon 0212 / 31 34 80
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