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Ein Ort der Trauer und der Freude –
eine Dokumentation von Stefanie Kiehl
„Donnerstag, 12. Juni 1941, 2O.30 Uhr
Wer diese Zeilen schreibt?
Der Feldwebel der Reserve Klöser, mit dem heutigen Tage zur Wehrmacht
einberufen. Doch lassen wir ihn selbst erzählen:
Heute morgen habe ich eine liebe, weinende Mutter und meine kleine 4
Monate alte Steffi, die noch nichts von dem Abschied ihres Vaters wußte,
zurückgelassen. Gott weiß, dass ich nichts lieber getan hätte, als bei
ihnen zu bleiben.“
„Der Reichtum des Lebens besteht aus vergessenen Erinnerungen“ (Cesare
Pavese)
Sonntagmorgen, 1. Oktober 2000
Der prasselnde Regen fängt sich hörbar in der Regentonne hinterm Haus,
ermahnt, Erinnerungen auf Papier aufzufangen.
„Montag, 11. August 1941
Das war wieder ein Aufwachen: die Regentropfen klopften gegen die Planen.
Aber es gab einen Auftrag: vor zur Luga.
Liebe Frau Klaus Günner (Herausgeberin eines Nachrichtenblattes für
Veteranen der 6. Panzerdivision)
Montag, 11. September 2000 Heimkehr von meiner Russlandreise. Bis heute
hat das Gefühl der Freude noch nicht aufgehört, dass ich diesen Weg
gemacht habe. Ich habe den Flecken Erde gefunden, wo mein Vater beigesetzt
wurde, und damit den Ort, wo ich Schmerz und Trauer ablegen und Raum für
Freude schaffen konnte.
„Freitag, 18. Juli 1941, zur Front Ein Tag ist so erlebnisreich wie der
andere. 6 Uhr, 100 Meter unter uns bleibt die Düna, bleiben die
Sommerhäuser der Führerreserve zurück. Wir fliegen niedrig, oft nur in 50
Meter Höhe wegen Jagdgefahr. Unter uns fliegen die Tiere auseinander,
wechseln Wald, Wiesen, Sümpfe und Seen ab. Nur selten sehen wir ein Haus,
Blockhaus, Menschen. Einmal sehen wir auf der Strecke nach Rossitten einen
Lazarettzug, das kann nur der sein, mit dem wir fahren wollten. Außer mir
fliegen alle zum ersten Male, aber keiner wird luftkrank. Es ist ja auch
nicht anders, als fahren wir mit der Schwebebahn, weil wir nicht auf
größere Höhe dürfen. Allzu schnell landen wir wieder. Eine Stunde 15
Minuten sind wir geflogen, aber schon 250 Kilometer der Front näher. Der
Flugplatz liegt an der Straße nach Pleskau, 30 Kilometer vor der Stadt.
Wir frühstücken von unserer Marschverpflegung, die Flieger geben uns
Kaffee und das beliebte Knäckebrot.“
Rund 350 Menschen flogen mit dem „Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge“
nach St. Petersburg, um bei der Einweihung des weltgrößten deutschen
Soldatenfriedhofs in Sologubowka am 9. September 2000 die Ruhestätte ihrer
Väter, Brüder, Verwandten zu suchen. Tief bewegt waren auch die
mitreisenden jungen Leute, die unerwartet den Namen ihres Großvaters oder
onkels auf einem kleinen Schild fanden. 20 000 deutsche Soldaten wurden
gebettet, 80 000 sollen es auf dem neuen Friedhof werden. Am Vortag
konnten alle Reiseteilnehmer an der Gedenkfeier zum „Beginn der 900 Tage
Belagerung“ mit militärischen, russischen und auch deutschen Abordnungen
teilnehmen. Bischöfin Jepsen von der nordelbischen Landeskirche und Prof.
Dr. Fuchs aus Tübingen hielten einen ökumenischen Gottesdienst in der
Petri Kirche zusammen mit dem koptischen und russisch orthodoxen
Geistlichen. Es wurden erschütternde Soldatenbriefe aus den Tagen der
Belagerung vorgelesen und das Zitat eines russischen Feldherrn:
„Es gibt keinen Frieden, ehe nicht der letzte tote Soldat zur Ruhe
gebettet ist.“
„Sonnabend, 2. August 1941 –
und wieder mal ein sonniger Tag mit dem herrlichen Ausblick auf den See.
Vor mir liegt der Dolgoje See, jedoch nicht mehr als der fünfte Teil, der
aber 40 Kilometer lang ist. Wundervoll in das 700 Meter breite Tal
eingebettet, mutet er wie eine Talsperre aus dem Bergischen an. Bis zum
See fällt eine Heide ab, auf der eine Herde der kleinen kaukasischen
Pferdesorten weidet, die gerade so hoch wie ein mittelgroßer Mensch sind.
Wenn, ja wenn der Krieg nicht wäre, wäre das eine tadellose
Sommerfrische.»
Sonntag, 10. September 2000
ein sonniger Spätsommertag wie es ihn selten um diese Jahreszeit in St.
Petersburg gibt. Heute ist mein Tag: die Suche nach dem Wehrmachtsfriedhof
Nowopjadnizkoje bei Kingissepp an der Luga, wohin mein Vater 1944 nach
Angaben der WASt3 von einen Grab am Straßenrand umgebettet worden war.
„"Sonntag, 10. August 1941 –
vor der Luga. Heute scheint endlich wieder die Sonne vom Himmel blau. In
der Luft brausen unsere Ju 83 in Staffeln Richtung Petersburg, von Jägern
begleitet. Ab und zu wagen sich russische Bomber auf unsere Seite; nicht
alle kommen zurück. Heute morgen noch machten wir uns das Herz mit
Gedanken an die Heimat schwer, am Mittag hob sich die Stimmung: es gab
Verpflegung, dazu Schokolade, Zigaretten, Bonbons, und gleich wird sogar
Bier verteilt werden.“
Als ich wach werde, fühle ich mich wie damals als Kind, als es nach einer
sechswöchigen „Verschickung“ voller Heimweih endlich nach Hause ging.
Sorgfältig packe ich Karte, Dollars, Fotoapparat und Proviantpaket vom
Hotel ein im Portemonnaie gehütet eine Visitenkarte: Volksbund Deutsche
Kriegsgräberfürsorge, Umbettungsdienst. „Wir kommen mit dem Umbetten für
Sologubowka nicht so schnell bis an die Luga: Es gilt 118 000 Grabanlagen
zu suchen. Wenn Sie den Friedhof finden, sagen Sie bitte Bescheid“, hatte
Herr Lemke gesagt.
Dolmetscherin Ludmilla und Taxifahrer Andrey von der Inturist, denen ich
in der Halle vorgestellt werde, hatten noch keine Fahrt zu einer
Gräbersuche gemacht. „Ich bring Sie dorthin“, übersetzt Ludmilla den
Taxifahrer, und als wir im Auto sitzen, spüre ich: Wir haben ein
gemeinsames Ziel.
„Ziel der Kompanie: ein Dorf an der Vormarschstraße 15 Kilometer vor
der Luga, das waren etwa 22 Kilometer Fahrt, aber sie dauerte nicht
weniger als vier Stunden. Wir wurden mehrere Male nass und nicht trocken.
Ein größerer Ort an der Straße ist Walowo, zwar durch seine Holzhäuser
ebenso unscheinbar, aber weit in die Landschaft ragt die Kirche in
orthodoxem, orientalischem Stil mit einer Kuppel, vier minarettartigen
Türmen und einem höheren Glockenturm, vielleicht eine Wallfahrtskirche;
sonst findet man nämlich in den Dörfern nur einen Gebetsschuppen, groß wie
ein Zimmer, baufällig, ein Aufsatz mit einer Kuhglocke, die auch oft an
einem Baum hängt, das Innere einfach und vernachlässigt, als Altar nur ein
Tisch.“"
Wir fahren die gerade Strecke nach Kingissepp hundert Kilometer die
Landstraße zurück, über welche die deutschen Truppen 1941 von der Luga
Richtung Petersburg vorgestoßen waren. Nur einmal halten wir an einer
wunderschönen, blau und weiß frisch gestrichenen Kirche, in welcher gerade
ein russisch orthodoxer Gottesdienst stattfindet. Als ich leise das Portal
öffne, staune ich sprachlos über die reiche Pracht im Inneren, die
goldschillernden Ikonen und tief herabhängenden märchenhaft schillernden
weißen Lustern. Die Betenden stehen unbewegt hintereinander auf Teppichen,
da es im Raum keine Bänke wie in unseren Kirchen gibt. Ludmilla klärt mich
auf, dass man sich während der Messe nicht bewegen und reden darf. So
nimmt man schweigend dankbar meine kleine Dollarspende an.
„Mittwoch, 13. August 1941 –
Wir fahren unaufhaltsam und drängen an Kolonnen vorbei. Einmal es ist
schon dunkel kann ich an einer Wegkreuzung einen zerschossenen Panzer und
ein Grab davor erkennen. Ob das wohl Edis war? Es ging zu schnell weiter.
Über Edi höre ich, dass sein Fahrzeug einen Pakvolltreffer erhalten haben
soll und er nicht mehr aussteigen konnte. Seine Überreste sollen noch
nicht herausgeholt worden sein. Entsetzlich, wenn ich dabei an die
verkohlten Leichen in den französischen Panzern denke, die ich vor einem
Jahr in Poix gesehen habe. Die Bahnlinie nach Kingissepp wird
überschritten. Um 16 Uhr war die Front noch hier.“
Wir fahren weiter durch weite Wald und Wiesenlandschaft. An einem Waldrand
macht Andrey kurze Rast: „Wir müssten gleich in Kingissepp ankommen“, sagt
er.
„Als der Panzer klargemacht ist, ist Mitternacht vorüber Wir rollen uns
in Mantel und Zeltbahn und hauen uns daneben nieder. Über unsere Köpfe
hinweg fegen die Granaten der Artillerie, Flak ballert in unserer Nähe,
Pak und MG hauen dazwischen. Die Russen antworten vereinzelt. Ich kann
erst nicht einschlafen, mache mit dem Herrgott klare Bahn und erwarte die
Stunde der Bewährung.“"
Donnerstag, 14. August 1941, 5 Uhr.
Beim Morgengrauen, 3.15 Uhr, haben wir die Panzer in ein niedriges
Gestrüpp gezogen. Im Waldstück 250 Meter vor uns befinden sich 34
russische Tanks, darunter schwerste. Sie sollen vernichtet werden, 8, 8
Zentimeter Flak ist uns zur Unterstützung beigegeben.
Hier endet das Tagebuch mit einem Strich auf der Seite. Mein Vater kam aus
dem Wald nicht mehr heim. Auf der Sterbeurkunde steht „gefallen am 15.
August 1941, unbekannter Uhrzeit in Koloshizy an der Ostfront“. Das ist
der Tag Mariae Himmelfahrt, weshalb meine Großmutter zu sagen pflegte:
„Die Mutter Gottes hat ihn geholt.“ Mit der Todesnachricht übergab man
meiner Mutter Ehering, Rosenkranz, Füllermäppchen und das Tagebuch, was
mich heute seinen Weg zurückführt.
„Ist das die Luga?“, frage ich, als wir einen Fluß überqueren. Genau so
hatte ich ihn mir vorgestellt: ungefähr doppelt so breit wie die Wupper,
eingebettet in Wiesenlandschaft.
Am Ortseingangsschild von Kingissepp macht Andrey Halt, damit ich es im
Foto festhalten kann. Er fragt einen Taxifahrer nach Nowopjadnizkoje und
Ludmilla stellt die Frage, ob es Schwierigkeiten geben würde, wenn sie mit
einer Deutschen nach einem Soldatenfriedhof fragen. „Nein, Sie können alle
Leute fragen, das ist gar kein Problem“, sagt der Taxifahrer und beugt
sich zu mir im Auto herunter: „Ich bin auch Deutscher von der Wolga“, sagt
er lachend.
Innerhalb weniger Minuten Fahrt haben wir die Stadt durchquert und fragen
erneut am Ortsausgang Richtung Grenzstadt Narva vor einem offensichtlich
neuen russischen Friedhof mit vielen bunten Kreuzen und künstlichen
Blumen. Der Mann zeigt in den Wald hinein. Ludmilla und ich machen uns
also auf, während Andrey sein Auto am Straßenrand bewacht.
Es mutet an wie bei einem Herbstspaziergang im Bergischen Land: Bäume und
Erde haben den gleichen Geruch. Es reihen sich noch zwei weitere Friedhöfe
in den Wald hinein aneinander, jedoch offensichtlich alles russische. Auf
dem letzten treffen wir ein Paar, welches in der Einfriedung eines
frischen Grabes auf einer Bank in der Sonne sitzt mit Proviant und einer
Flasche Wodka vor sich. Ludmilla erzählt mir, dass es Sitte sei, nach
einer Beerdigung zehn Tage täglich zum Grab zu gehen und dann wieder nach
vierzig Tagen. Wir steigen über das hohe Gras auf das Grab zu, und
Ludmilla spricht eine Weile mit dem Paar, während ich die Gesichter nach
Reaktionen absuche. Als der Mann zurück Richtung Stadt zeigt, erkenne ich,
dass er etwas weiß.
Ich frage noch, ob ich ein Erinnerungsfoto machen dürfte. „Galina“, sagt
die Frau und reicht mir die Hand. Für das Foto legt ihr Mann den Arm um
mich. Ich fühle mich wie unter Freunden.
Meine Spannung wächst, als Andrey in einer Nebenstraße erneut hält und
einen Mann anspricht, der gerade an einem Laster arbeitet. Sie reden eine
Weile miteinander, bis Ludmilla sich mir zuwendet: „Hier ist
Nowopjadnizkoje, Neufreitag heißt das. Altfreitag liegt auf der anderen
Straßenseite. Er weiß, wo die Deutschen liegen. Er wäscht sich eben die
Hände und bringt uns dann dorthin.“
Nur hundert Meter gehen wir bis zu einem großen, eisernen Tor mit einem
militärischen Symbol. Er bedeutet uns zu warten, als er in der Holzbaracke
am Eingang etwas fragt und uns dann von Ludmilla übersetzt sagt, hier sei
Militärgelände, wir dürften aber eintreten.
Links hinter dem Eingang steht ein zweistöckiges Backsteingebäude auf dem
Grundstück, welches wenn ich schätzen sollte vielleicht fünfhundert
Quadratmeter groß ist, begrenzt durch Holzzaun, Baracken und niedrige,
ebenerdige Häuser. Der Innenhof ist nicht bebaut, überwachsen mit Bäumen
und Wiese. Ein schmaler asphaltierter Weg führt diagonal zum Gebäude.
Ludmilla übersetzt die Erzählung des Russen:
„Das Gebäude war deutsches Lazarett gewesen. Die Toten auch aus dem Umfeld
es gäbe keinen weiteren deutschen Friedhof in der Nähe waren hier ums Haus
in die Erde gebettet worden. Sie lägen ganz dicht nebeneinander“, sagt er,
ohne Weg dazwischen. Damit deckt sich der Bericht mit der Angabe der WASt,
welche besagte: In dem hier geführten Gräbernachweis liegen für
Nowopjadnizkoje ca.
1 000 Meldungen vor. „Alle wissen, dass hier die Deutschen liegen“, sagt
der Russe. 1960 sei eine Telefonleitung zum Haus gelegt worden, da sei man
auf die Toten gestoßen, und die Gebeine mit Marken, Röhrchen mit Briefen
und Fotos seien an die Oberfläche gekommen. Die Toten lägen nur einen
halben Meter unter der Erde. Man bräuchte nur die Schaufel zu nehmen.
Nein, es sei nichts geplündert worden, man habe alles wieder zurückgelegt.
Während die beiden noch plaudern, gehe ich über das Gelände, über die
Wiese, wo durch die hohen Bäume die Sonne scheint. Ich schaue durch die
Blätter ins Blaue. „Dein Vater ist im Himmel“, hatte meine Mutter immer
gesagt. Nein, mein Vater ist nicht da oben, irgendwo, sondern hier, unter
meinen Füßen, und wir sind verbunden durch die Erde. Ich fühle sie mit
meinen Händen. Ich höre Vögel singen und fühle mich ruhig und zufrieden.
„Mittwoch, 13. August 1941
Vorm Abrücken gibt man mir noch einen Brief von der Mutter vom 3. 8.!
Hurra! Stubbes ist zwei Wochen krank gewesen, nun aber wieder gesund und
soll ganz herzig aussehen. Wie ich mich auf ein Wiedersehen freue!“
Ich setze mich zu Jewgeni, dem Russen, auf die Treppe und lasse
übersetzen: „Zuhause habe ich so oft geweint, wenn ich mit dem Tagebuch
meines Vaters die letzten Stationen seines Lebens nachvollzog. Und jetzt,
wo ich hier, an seinem letzten Ort angekommen bin, jetzt fühle ich nur
Freude. Ich bin so froh, dass alles so ruhig und so friedlich ist.“ „Es
ist ja auch ein schöner Ort“, antwortet Jewgeni.
Mein Trauma, dass ich auf einer Straße mit Häusern stehen würde und unter
den fahrenden Autos würde mein Vater liegen, hatte sich nicht erfüllt.
Ich lade Ludmilla, Andrey und Jewgeni zum Essen ein, damit wir noch etwas
plaudern können. Jewgeni bestellt eine Karaffe jede Menge Gramm Wodka zum
Essen, und ich lerne, dass man mehrmals täglich diese Medizin ohne
Nebenwirkungen einnehmen kann. Jewgeni ist Jahrgang 45; die Alten gäbe es
in dem Ort nicht mehr, sagt er, sie seien alle tot. Als er zehn Jahre alt
war, hätte er immer gelauscht, wie seine Eltern erzählten. Die Deutschen
waren zu ihnen Karten spielen gekommen und hatten sich gewundert, wie die
Russen so viel Wodka trinken konnten. In Deutschland, da würde man immer
Brot dazu essen, damit man nicht betrunken würde. Jewgeni lacht: „Nein,
seine Eltern hatten nichts Schlechtes über die Deutschen erzählt.“ Ich
zeige Ludmilla das Tagebuch, wo mein Vater sich Gedanken darüber machte,
warum die Russen so arm seien:
Dünaburg, Mittwoch, 16. Juli 1941 –
Wir halfen wieder einmal. Einige haben sich schon zu dem nahen Dorf
aufgemacht und kommen mit Eiern und Erdbeeren wieder, für die sie
unglaubliche Preise bezahlt haben: 5 Eier 1 Rubel = 10 Pfennig, 2 Pfund
Erdbeeren 30 Pfennig! Ich weiß noch nicht, ob die Lebensweise hier so
billig ist oder die Leute in diesem Gebiet immer so wenig für ihre Waren
bekommen und daher arm sind.“
Wir erzählen und fühlen uns verbunden durch die Erinnerung: Jeder hatte im
Krieg Verwandte verloren die einen für Stalin die anderen für Hitler.
„Das Geheimais der Versöhnung heißt Einnerung“ eine jüdische Weisheit,
zitiert bei der Einweihung des Soldatenfriedhofs in Sologubowka bei St.
Petersburg am
9. September 2000.
Wieder heimgekehrt, war ich nicht traurig, liebe Frau K. G., auf Ihre
Veröffentlichung für mich keine Antwort vorzufinden. Ich habe von meinem
Vater Abschied genommen.
P. S.: Verzeihen Sie bitte, dass ich mich in meinem Bericht nicht
kurzfassen konnte. Wenn ich schreibe, ist es der Anteil meines Vaters, der
in mir lebendig ist:
„Auch wir werden fallen übrig bleibt nur, was wir an Licht und Feuer in
uns aufgenommen haben.“ (Ulrich Schaffer)
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