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Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e.V.
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"Vor Leningrad"

Zur Geschichte des Kriegstagebuches des Unteroffiziers Wolfgang Buff

Eine Reisegruppe aus Osterode/Harz kam unter Leitung von Joachim Buff 1994 nach St. Petersburg. Beim Besuch der ehemaligen Kampfstätten des Zweiten Weltkrieges südlich Ladoga See, wo damals die härtesten Kämpfe tobten, zeigte er das Foto von der Grabstätte seines Bruders Wolfgang Buff, der im September 1942 bei den Sinjawino-Höhen fiel und in Mga auf dem Soldatenfriedhof der 227. Infanterie Division begraben wurde. Er erzählte, dass sein Bruder von der Front täglich Briefe nach Hause schrieb, wo ausführlich das alltägliche Leben der deutschen Soldaten in Russland geschildert wurde.

Das rief mein Interesse hervor, denn ich verfügte zu dieser Zeit über die Kampfwege mehrerer Divisionen, die bei Leningrad eingesetzt wurden. Aber es waren die reinmilitärischen Beschreibungen der Kampfhandlungen, die größtenteils vom Gesichtspunkt der realen Darstellung der Geschehnisse von gegenüberliegenden Seite vom Interesse waren.

Hier ging es um das menschliche Wahrnehmen des alltäglichen Soldatenlebens, wo sich die Antwort verbarg: "Warum ist zu uns der deutsche Soldat gekommen? Was spürte er, als er vor der belagerten Stadt Leningrad lag?

Joachim Buff versprach, mir mehrere Briefe zu senden. Die nummerierten Hefte mit den Briefen sollten neben den alten Sachen auf dem Dachboden bewahrt werden. Schon die ersten Briefe seines Bruders von der Feuerstellung bei den Sinjawino-Höhen haben mich veranlasst zu denken, dass sie von einem begabten Menschen mit der literarischen Gabe geschrieben wurden, der über eine seltene Fähigkeit verfügte, das Schicksal und Leid nicht nur der Landser zu Herzen zu nehmen, sondern auch der Gegner - Soldaten und zivile Bevölkerung - die auf der anderen Seite der Frontlinie und in der belagerten Stadt Leningrad lagen.

Joachim Buff hatte nicht nur die Hefte mit Briefen gefunden und auf der Maschine selbst gedruckt, sondern schickte sie nach Sankt Petersburg. Im hiesigen Zentrum "Versöhnung" wurde alles übersetzt und der Öffentlichkeit präsentiert. Es erschienen mehrere Artikel in den Petersburger Zeitungen mit positiver Einschätzung von russischen Kriegsveteranen und ehemaligen Blokadeeinwohnern. Die Meinung war einstimmig: Das Kriegstagebuch muss in zwei Sprachen veröffentlicht werden, als Dokument, das unsere Völker auf der Grundlage des Gedenkens und der Tragödie vom damaligen Krieg näher zueinander bringen wird.

Am Vorabend der Einweihung des deutschen Soldatenfriedhofes Sologubowka im September 2000, wohin vor kurzem die Gebeine von Wolfgang Buff umgebettet wurden, wurde die deutsche Version des Kriegstagebuches vom Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge herausgegeben. Es hat sofort breites
Interesse bei den Militärhistorikern, Publizisten und der Öffentlichkeit hervorgerufen. Im Buch "Echolot" ("Barbarossa 41") des bekannten deutschen Schriftstellers Walter Kempowski, herausgegeben im Jahre 2002, sind die Auszüge aus dem Kriegstagebuch von Wolfgang Buff neben den Erinnerungen von Thomas Mann, Hermann Gesse, Daniil Granin und anderen Prominenten der jüngeren Geschichte und Gegenwart angeführt.

In der Reihe gibt es noch ein Kriegstagebuch vom Buff mit dem Titel "Französisches", in dem die Anfangsperiode der Besatzung der westeuropäischen Länder von deutschen Soldaten beschrieben wird. Es ist interessant, auch den Gesichtspunkt eines Menschen wahrzunehmen, der die Uniform nach dem Befehl angezogen hatte und den Krieg als Arbeit zum Wohl seiner Heimat betrachtete. Es war auch typisch für hunderttausende deutscher Soldaten, die unter Einwirkung der Nazipropaganda längere Zeit litten.

Diese Erzählung von der ersten Person über das tragische Schicksal eines deutschen Soldaten ist auch in unserer Zeit aktuell. Kriege werden weiterhin geführt, und so wie vor 60 Jahren müssen Menschen, obwohl sie dazu keine Lust haben, den Militärmantel anziehen, um dann im blühenden Alter ihr Leben verlieren.

Vielleicht deswegen ist die eventuelle Veröffentlichung des Kriegstagebuches "Vor Leningrad" in russischer Version von großer Bedeutung. Möglicherweise geschieht es bald, denn dieses Kriegstagebuch ist notwendig nicht nur für die deutschen, sondern auch für die russischen Leser - als Mahnung zum ewigen Frieden zwischen unseren Völkern.

Jurij Lebedev

Leiter des Zentrums "Versöhnung”

Sankt Petersburg, Juni 2002
 

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