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Mein Bruder Werner
„Die letzen Briefe eines 16-Jährigen, geschrieben in den letzten Kriegsmonaten des Jahres 1945.
Bis kurz vor Kriegsende, bis April 1945, waren wir eine Familie, die
bis dahin unbeschadet durch den Krieg gekommen war. Mein Vater, Jahrgang
1899, zog 1915 mit 16 Jahren als jüngster Reutlinger Kriegsfreiwilliger
nach dem Notabitur in den Krieg. Nach seiner Rückkehr, berufs- und
ausbildungslos, betätigte er sich mit einer hohen künstlerischen Begabung
auf fotografischem Gebiet. Machte Industrie- und Landschaftsaufnahmen,
gründete einen Postkartenverlag und ein, unter Mithilfe seiner Ehefrau,
sich gut entwickelndes Fotogeschäft. 1925 wurde die erste Tochter geboren,
am 19. Oktober 1928 mein Bruder Werner, 1934 ich selbst und 1937 nochmals
eine Tochter.
Mein Bruder war ein ausgesprochen lieber Mensch mit weichen Gesichtszügen.
Er wollte Architekt werden. Dem voraus ging ein Praktikum auf dem Bau. In
dieser Zeit geschah etwas Ungeheuerliches: Er wurde straffällig! Laut
einer “Polizeilichen Strafverfügung vom 24.10.1944” ist erwiesen durch
“das Zeugnis des Kriminalrats Schell Stuttgart”, dass er “am Mittwoch den
30.8.1944, gegen 12.30 Uhr in der Bahnhofstrasse... geraucht” hat obwohl
er wusste, “dass Jugendlichen unter 18 Jahren das Rauchen in der
Öffentlichkeit verboten ist. Er war gerade 16 Jahre alt geworden.
Kurz darauf betrachtete man ihn wohl nicht mehr als ganz so jugendlich.
Noch im November wurde er eingezogen zum RAD (Reichs-Arbeits-Dienst) nach
Hinterstein. Original-Text seines ersten Briefes: “Musterlager, alles
fabelhaft eingerichtet (teilweise WC).” Und schon am 5.2.1945 ging es zur
Wehrmacht.
Als begeisterter Flieger (Flieger-HJ, Modellflug, Segelflug) wollte er zur
Luftwaffe. Er kam als Offiziersbewerber zu einer Ausbildungseinheit auf
den Fliegerhorst Oschatz in Mitteldeutschland, zwischen Leipzig und
Dresden. Er fuhr mit dem Zug am Montag sehr früh in Tübingen ab und kam am
Mittwoch um 17 Uhr 30 in Oschatz an!
Er war nun der Flieger Werner Kleinfeldt, 1. Ausb. Bat. (OB) d. LW. 1
Komp. im Luftwaffenausbildungs-Regiment 4 in der 1. Lw.-Ausbild.-Division.
In den sieben Wochen seines dortigen Aufenthaltes schrieb er fast täglich
einen Brief, manche kamen nicht an, gingen durch die Fliegerangriffe
verloren. Auszüge aus seinen Briefen:
8.2.1945: “Acht Wochen sollen wir hier bleiben, dann auf
Vorfliegerschule kommen ... Hier kommen jeden Tag welche an die eingezogen
werden ... Vorerst sind wir in einer Baracke, die Steingebäude sind alle
überfüllt mit Flieger, Nachrichtenhelferinnen usw. ...”
9.2.1945: “Am Montag sollen wir bereits vereidigt werden ... Unsere
Zivilkleider sollen wir zum Volksopfer abgeben, denn nach Haus schicken
kann man nichts ... Heute fassten wir einen Teil der Ausrüstung, fast
alles neu ... Wir bekamen sogar einen Mantel ... Schau mal bitte nach
gelbbaspolierten (Baspol = Paspel. Süddeutsche Verballhornung des
französichen Wortes Passepoil) Luftwaffenschulterstücken (ein Paar oder
zwei) ... Betten haben wir keine ... sondern Stroh auf dem Boden ...
Aussichten zum Fliegen sind schlecht ... eine Garnitur Unterwäsche haben
wir gefasst.”
10.2.1945: “... beim Fliegerhorst-Friseur, der schnitt uns die Haare wie
kleinen Kindern, ich sehe aus wie ein blonder Neger. Nun friert es uns
alle an den Köpfen. Vorne haben wir vier Zentimeter lange Haare, hinten
ist alles glatt, ebenso auf den Seiten. Dann fassten wir noch Gasmasken.
Mein Stahlhelm ist mir durch das Haarschneiden etwas zu groß ...”
11.2.1945: “Gestern war ich beim Brot holen, da bekam jeder 1 000 Gramm
Brot und 100 Gramm Wurst, das freute uns natürlich sehr.”
12.2.1945: “Bis jetzt reicht das Essen ... Zigaretten soll es nächsten
Monat nur noch eine am Tag geben ... Sieh mal bitte nach, dass Du ein oder
zwei Paar Schulterstücke bekommst (gelbe Baspol) ...”
14.2.1945: “... bekamen wir Löhnung. Ich bekam 35 Reichsmark ... zwei
Stück Seife und Kuchenmarken. Mit der Löhnung können wir ja so zufrieden
sein. Aber wir wissen ja nicht was mit anzufangen ...”
15.2.1945: “... haben wir ziemlich oft Alarm. Tags gehen wir in den Wald,
nachts in den Luftschutzkeller ... Morgens ist um 5 Uhr 30 wecken, das
stinkt mir natürlich ... 2x in der Woche ist Sprechabend, dabei darf
geraucht werden ... 2x spricht der politische Führungsoffizier ... Gestern
aß ich das letzte Stück von Deinem Kuchen ... Nun ist kein Schwabe mehr
auf der Stube ...”
18.2.1945: “Seit einigen Tagen bin ich wieder stark erkältet. Gestern war
ich beim Arzt, der gab mir drei Tabletten und sagte ich solle mich nicht
krank melden. Heute ist mir sehr schlecht und ich habe Halsweh und Husten.
... Wirklich hoffe ich jeden Tag schwer auf Post ... An Fliegen ist nicht
zu denken, wir kommen jedenfalls zu den Fallschirmjägern. Das Essen geht,
nur der Brotaufstrich ist verdammt knapp ... Fleischstücke bekommen wir
höchst selten, immer nur Hackfleisch mit Kommisbrot, dass es nach
möglichst viel aussieht. Gestern bekamen wir Lederfett, vier Mann eine
Dose, die vier Wochen halten muss. ... Socken habe ich noch keine
verrissen, nur meine Handschuhe werden immer dünner. ... Bei mir auf der
Stube liegen 31 Mann, lauter Norddeutsche von Hamburg, Berlin, Königsberg,
Köln usw., nur keiner aus Württemberg.”
19.2.1945: “... beim Arzt ... hätte Grippe ... müsste ins Revier ...
Hoffentlich liege ich nicht zu lange dort, sonst fehlt mir zuviel in der
Ausbildung.”
20.2.1945: “Nun liege ich seit gestern im Revier. Hier liegt man doch ein
wenig besser als in unserer Baracke auf dem Boden mit Stroh ... Mein
Briefpapier wird mit der Zeit verdammt knapp, denn ich habe bis jetzt
wahnsinnig viele Briefe geschrieben. Sobald ich wieder aus dem Revier
komme, will ich sehen, dass ich in der Kantine Briefpapier bekomme ...
Heute geht es mir wieder besser. Ich habe kaum noch Fieber. Hier gibt es
keine besondere Behandlung, jeder bekommt das gleiche. Ganz egal was er
hat. Gestern bekam ich zwei bittere Tabletten und dann musste ich unter
den Schwitzkasten. Die Schwester vergaß den Kasten abzuschalten und ich
lag dadurch 5/4 Stunden unter dem Kasten. Wie ich schwitzte, kannst Du Dir
ja denken. ... Heute Nacht mussten wir zwei mal in den Luftschutzkeller.
... Gestern Abend bekamen wir einen Teller Kartoffelsalat. Seither bekamen
wir nichts mehr und es ist jetzt schon 11 Uhr (22 Uhr 30). Ich
telefonierte schon einige mal mit meiner Kompanie. Sie sollen mir das
Essen bringen, aber es kommt nichts. Da kannst Du Dir ja denken, was ich
für einen Hunger habe.”
21,2.1945: “... Ich erhielt nun Brief Nr. 1, 2 und 4, Nr. 3 fehlt noch.
Die Briefe hierher brauchen etwa zwei bis vier Tage.”
22.2.1945: “... Den ganzen Tag schreibe ich wirklich vor Langeweile. Heute
liege ich immer noch im Revier. Ich glaube, das Essen wird etwas besser.
Morgens bekommen wir seit einigen Tagen Milchsuppe. Mittags gibt es
meistens einen Nachtisch, z. B. Grießbrei, ganz dünn oder Nudeln in Milch
aber dafür vorher eine ganz dünne, wässerige Gemüsesuppe. ... Wenn wir
nicht auf Lufkriegsschule (LKS) kommen, kommen wir zur Infanterie, denn
bei den Fallschirmjägern ist alles überfüllt. ... Ich habe mir nun leicht
hochdeutsch angewöhnen müssen ...
...Stimmt es, dass es nächsten Monat nur noch eine Zigarette am Tage geben
soll? ,... Vati hat anscheinend nicht viel Zeit, denn er hat mir noch
nicht geschrieben. Nach Stetten braucht die Post sicher etwas länger, denn
von dort habe ich auch noch keine Post bekommen. Soeben kam in der
Luftlagemeldung. Kampfverbände über Südwest-Deutschland, da werdet Ihr
sicher im Keller sitzen. ... Jetzt kann ich dann bald nicht mehr
schreiben, denn ich habe alles was zu schreiben erlaubt ist geschrieben.
Fusslappen oder Socken haben wir immer noch keine gefasst. Da bin ich nur
froh, dass ich etliche Paar Strümpfe mitgenommen habe. ... Hat Bökle immer
noch nicht geschrieben? Ich weiß nicht, was mit dem los ist. Ich habe ihm
schon vier mal geschrieben ... Deine Nummerierung der Briefe ist schon
wichtig, wegen der Zigaretten.”
23.2.1945: “... Gestern Abend wurde ich ganz schnell mit vier Tagen
Innendienstkrank aus dem Revier entlassen. Als ich in die Baracke kam,
hatte sich ziemlich viel geändert. ... was mich am meisten freute, einer
der neu kam und mit mir damals auf dem Messelberg (Segelflugschule)
war.. ... Nun sind wir sechs Süddeutsche, sonst alles Norddeutsche in der
Baracke. ... Sage Herrn Strobel er habe einen Vogel, wir haben das hier
und noch ähnliche Sachen. Alles fabelhaft bewährt. ... Stimmt es, dass die
Päckchensperre aufgehoben ist? ... Wenn ich gewusst hätte, dass ich bei
jedem Bahnhofswachoffizier auf die Lebensmittelkartenabmeldung
Urlaubermarken bekomme, hätte ich für vier Tage geholt, denn ich bekomme
hier für die vier Tage wo ich nicht in Verpflegung war, ...kein Gramm
heraus. Nur Rauchermarken erhielt ich für diese Tage. ... Für Volkmar
(das bin ich, der sechs Jahre jüngere Bruder) lege ich einen Brief
bei.”
Lieber Molle! Der Brief von Dir hat mich sehr gefreut, ich danke Dir
vielmals dafür. Für die Schulterstücke danke ich Dir schon im Voraus. ...
Wenn ein Jabo kommt gegen etwa 15 englische schnellste Jäger, so ergreifen
alle 15 die Flucht, dann weisst Du ja Bescheid. Schreibe mal wieder. Es
grüßt Dich vielmals Dein Bruder Werner.
25.2.1945: “... kam ich in den glücklichen Besitz einer Kinokarte ...
Horstkino ist besser als die Hirschlichtspiele in Tübingen, nur gibt es
keine Polstersitze sondern Holzbänke ohne Lehne. .... Immer noch hoffen
wir wenigstens zu den Fallschirmjägern zu kommen und nicht zur Infanterie.
Wenn je zu Infanterie ...”
(Rest des Satzes von der Zensur (?) unkenntlich gemacht).
Zwischen diesem Brief mit der Nummer 11 und dem nun folgenden mit der
Nummer 29 fehlen Briefe, die wohl bei uns im Hause irgendwann verloren
gegangen sind.
20.3.1945: “Heute erhielt ich Euer liebes Päckchen (Nr. 20) vom 11.3.,
wofür ich vielmals danke. Außerdem erhielt ich noch einen Brief vom 3.3.
ohne Nummer ... Ich hoffe, dass Ihr inzwischen wieder Post von mir habt,
denn ich schreibe fast jeden Tag. ... Wann wir wegkommen und wohin, ist
noch nicht bekannt, es kann jeden Tag kommen. Meine Esslinger und
Pforzheimer sind nun weg, nur der Stuttgarter ist hier. Es werden also
wieder weniger Schwaben. ... Was ist in Tübingen los? Sind in letzter Zeit
Bomben gefallen?”
21.3.1945: “... Heute wurden wir gefragt, wer bereit sei, Blut zu spenden
für Verwundete, wir bekämen dann eine Zusatz-Verpflegung von 900 Gramm
Wurst, 2 100 Gramm Brot, einen Liter Rotwein, Nährmittel, vier Eier, 5/4
Liter Milch und noch verschiedene Sachen. Ich meldete mich, denn ich kann
sicher etwas Blut entbehren und dadurch einen Verwundeten vom Tode retten.
Die meisten von uns glauben nicht daran. Obwohl sich fast alle meldeten.
... Wenn Ihr schreibt, dass ein Brief mit Zigaretten abging, fehlt diese
Nummer meistens. Ich glaube bald, die organisiert sich einer.”
Der vorige Brief trägt die Nummer 29, der folgende 33. Es kamen also
drei Briefe nicht an.
29.3.1945: “Wir wissen überhaupt nicht mehr, was los ist, ob und wann wir
wegkommen. Jeder sagt was anderes. Aber alle hoffen wir, dass es möglichst
bald von hier weggeht. Heute früh ging es bei uns schwer hoch her. Wir
hatten ziemlich Schliff und sind nun halb kaputt. ... Merk schrieb mir,
dass es in Tübingen wirklich viel Evakuierte hat. Tübingen habe nun etwa
64 000 Einwohner (das wäre die doppelte seinerzeitige Zahl). Stimmt
das? ... Es kam immer noch nicht Brief Nr. 6, 7, 8, 11, 12 und 17. ....”
Ich hoffe bloß, dass wir bald an die Front kommen. Das Essen ist
ziemlich knapp und wird aber jeden Tag knapper. Wir bekommen abends die
Kaltverpflegung für abends und den anderen Morgen. Das reicht immer kaum
für abends, morgens hat natürlich keiner mehr was. ... 90 Prozent von uns
sind Schwarzseher und ich bekomme den ganzen Tag mit allen Streit. ... Ich
tausche nun einen Teil meiner Rauchermarken gegen Brot, denn ohne
Zigaretten kann man sein, ohne Brot nicht. Ihr würdet staunen, wenn Ihr
eine Aufnahme von mir sehen würdet. Von aufgeräumt keine Spur mit unseren
alten, verflickten Feldblusen. Ich würde eine Aufnahme machen lassen, mit
Mütze wäre es zwar nicht möglich, denn wir haben nur Schiffchen und
Stahlhelm und Fotograf ist auch keiner hier.. .. Unter Umständen kann ich,
wenn wir hier wegkommen, mal einen kurzen Besuch bei Frau Steinhorst
(bekannte Familie in Eisenach) machen. Natürlich nur, wenn wir ...
nicht mit Sammeltransport fahren.”
Es folgt nun der letzte Brief, den wir erhalten haben. Er ist
offensichtlich unter unbequemen Umständen geschrieben worden, in
ausgesprochen schlechter Handschrift. Datum trägt er keines. Da der 29.3.
ein Donnerstag war und dem Inhalt nach Briefe fehlen, dürfte er am Sonntag
den 8.4. geschrieben worden sein. Dieser Brief erreichte uns nach der
Besetzung Tübingens (20.4.1945) durch die Franzosen.
“Am Freitag kam ich hier gut an. Am Samstag wurden wir mit Drillich
usw. eingekleidet. Am Sonntag mit der übrigen Uniform. Verpflegung ist
gut. Das Schießen hört man sehr gut. All halbe Stunde ist Fliegerdeckung.
Heute Nachmittag rauschte eine Bombe ganz in der Nähe hinein. Aber bei uns
hat sie keinen Schaden angerichtet. Wegen Flieger habe ich keine Sorge,
denn wir gehen in Deckungslöcher und setzen die Stahlhelme auf. Ich kann
Euch heute nur soviel schreiben, da ich morgen auf Dienstreise gehe.
Ausgerüstet sind wir tadellos mit Kleidung und Waffen (Zeltbahn, Tornister
Gewehr und was sonst noch dazu gehört). Meine Zivilkleider schicke ich
nicht nach Hause, wir müssen sie hier in den Gepäckraum bringen und wenn
wir hier weg müssen, wird der ganze Kram nachgeführt. Jedenfalls komme ich
nicht sogleich wieder zum Schreiben, aber deshalb braucht Ihr Euch nicht
zu sorgen, denn es passiert hier nichts. Ich schreibe Euch im Bett, damit
ich morgen den Brief reinwerfen kann, wenn ich auf Dienstreise gehe. Sonst
geht soweit alles gut, nur Zigaretten fehlen. Hat Ewald schon geschrieben?
Nun will ich für heute schließen, denn Zapfenstreich ist längst vorbei (es
ist 11 Uhr) und wir haben um 6 Uhr wecken. Also viele Grüße an alle, Euer
Werner. - Jetzt will ich noch geschwind für morgen mein Sturmgepäck
richten, Gewehr usw...”
Dies also war das letzte Lebenszeichen meines Bruders. Recherchen, die
meine Mutter seinerzeit und später ich selbst angestellt haben, ergaben,
dass die Einheit nach Bernau (nordwestlich von Berlin) kam. Von hier
sollte es wohl weitergehen nach Gatow zur Fliegerausbildung. Da kam, gegen
Mitte April, der Alarm, dass der Russe an der Oder am Durchbrechen sei,
und so wurden die sehr jungen Soldaten “tadellos ausgestattet mit
Zeltbahn, Tornister und Gewehr” im Eilmarsch dorthin beordert, um die
russischen Panzer aufzuhalten. Mit dieser Information verlieren sich
zunächst einmal alle Spuren.
Da erschien 1995 das Buch “Durchbruch an der Oder” des britischen
Militärhistorikers Tony le Tissier. In einer unglaublichen Fülle von
Material wurde ich fündig, konnte vielleicht doch noch meinen Bruder
finden. Über die Kampfhandlungen am 18.4.1945 lese ich:
“Die Verteidigung des Gebiets lag im wesentlichen in Händen des II. und
III. Bataillons des Panzergrenadier-Regiments 119, ergänzt durch Reste
der Luftwaffen-Ausbildungs-Regimenter 4 und 5 ...”
“Das Panzer-Grenadier-Regiment 119 verteidigte sich hartnäckig in der
Ortschaft Kunersdorf. ... Um 8 Uhr erhielten die Bataillone einen
Funk-Befehl: > 9 Uhr - Artillerie schießt Nebel - absetzen! < Als um 9 Uhr
das Nebelschießen nicht erfolgte ... verließen die Kompanien die
Stellungen und flüchteten nach Westen, um den Waldrand zu erreichen. Auf
der freien Fläche wurden sie vernichtet bis auf wenige Überlebende.”
Ich habe mir das angesehen. Westlich von Kunersdorf ist eine freie Fläche.
Dann steigt ein Hügel an zu einem Wäldchen. In diesem ist ein bescheidener
deutscher Soldatenfriedhof für 300 Gefallene. Darunter ein Kameradengrab
für 95 unbekannte deutsche Soldaten.
Volkmar Kleinfeldt, Tübingen
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