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Historische Spurensuche eines 14jährigen Gymnasiasten
Von Sebastian Laux
„Kriegsgräber und Kriegsdenkmäler“ ist der Titel eines Hausaufsatzes, den
der 14jährige Gymnasiast Sebastian Laux aus Losheim am See verfasst hat.
Dieser Aufsatz wurde zum Thema „Zeige an einem geschichtlichen Ereignis
deiner Region, wie sich darin auch europäische Geschichte spiegelt“
erarbeitet.
Als ich einmal mit meinen Eltern nach Verdun fuhr, sah ich ein riesiges
Feld mit weißen Kreuzen und einem großen Kriegsdenkmal. Da dort sehr viele
Menschen begraben sind, stimmte mich das sehr traurig. Ich machte mir
Gedanken, ob es in meiner näheren Umgebung Zeugnisse des Krieges gäbe. Zu
dieser Frage erhielt ich interessante Hinweise von einem älteren Herrn in
meiner Nachbarschaft. Dieser wurde als 17jähriger Kriegsfreiwilliger und
Offiziersanwärter nordwestlich von Görlitz am 21. April 1945 verwundet.
Einige seiner Kameraden waren bereits gefallen. Man findet noch heute
verschiedene Spuren dieses letzten Krieges. Es gab ja nicht nur diesen
Krieg, jede Epoche kann solch schreckliche Ereignisse vorweisen.
Schon der Kurfürst und Erzbischof Balduin aus dem Hause Luxemburg wollte
den widerspenstigen Burgherren Jakob von Montclair zur Ordnung rufen. Im
Frühjahr 1352 griff er dessen Burg Montclair oberhalb der Saarschleife bei
Mettlach an. Sein Frontalangriff auf die Vorwerke der Burg misslangen.
Hierbei fiel sein Feldhauptmann Hartard von Schönecken und der Ritter
Wirrich von Berg. Beide Ritter sind in St. Matthias in Trier beigesetzt.
Die kunstgeschichtlich bedeutsamen Grabplatten zeigen beide in
zeitgenössischer Ausrüstung mit ihren Wappen. An diesen Grabplatten
erkennt man, dass es auch schon früher viele Kriege gab.
In alten Bildbänden fand ich das Foto eines preußischen Fahnenträgers aus
dem deutsch-französischen Krieg 1870/71. Es war ein Kriegsdenkmal, das am
15. Oktober 1899 enthüllt wurde. Sein Standort war auf der kleinen
Verkehrsinsel gegenüber des Hotels „Römer“ in Merzig. Zwar wurde es
während des Ersten Weltkrieges schon aller bronzenen Teile - der Figur,
der Tafel und des Eichenkranzes – beraubt, aber der Sockel blieb dort noch
bis in die späten zwanziger Jahre stehen. Im Zweiten Weltkrieg wurde auch
dieser entfernt, heute findet man ihn auf dem jüdischen Friedhof an der
Plätsch (Merzig).
An beiden Seiten des Postamtes befanden sich die bronzenen Ehrentafeln,
von denen die Rechte die Namen der Gefallenen, die Linke die der infolge
Verwundung oder Erkrankung nachträglich Verstorbener trug. Es waren die
Gefallenen des deutsch-dänischen Krieges 1864, des deutsch-deutschen
Krieges 1866 und des deutsch-französischen Krieges 1870/71. Im letzt
genannten Krieg zeigte eine einfache Frau großen Mut: Katharina
Weißgerber, genannt „Schultzen Katrin“ mühte sich unter Lebensgefahr um
Verwundete. Sie gab ihnen Wasser und half beim Versorgen der Wunden.
Begraben ist die tapfere Frau in einem Ehrengrab im deutsch-französischen
Garten in Saarbrücken.
Schon bald nach der Volksabstimmung 1935, die die Rückkehr des
Saargebietes zum Deutschen Reich brachte, ergaben sich politische
Spannungen. Der Westwall wurde als tiefgegliedertes Abwehrsystem gebaut.
Allein auf der Gemarkung der Kernstadt Merzig entstanden 110
Bunkeranlagen, von denen übrigens heute noch 35 intakt sind. Besonderes
Interesse verdient das noch weitgehend intakte B-Werk zwischen Merzig und
Besseringen. Diese dreigeschossige Anlage ist aus
fortifikationsgeschichtlichen Gründen unter Denkmalschutz gestellt worden.
Es sollte nach entsprechender Sanierung der Öffentlichkeit zugängig
gemacht werden.
Bei Ausbruch des Krieges 1939 konzentrierte sich hier die 79.
Infanterie-Division unter dem späteren Generaloberst Strecker, der in der
Stadt Merzig sein Hauptquartier bezog. Als taktisches Zeichen wählte
Strecker für seine Division das lothringische (ursprünglich ungarische)
Doppelkreuz aus dem Wappen der Stadt. Die 79. ID legte für ihre Gefallenen
einen schlichten Soldatenfriedhof bei Weiskirchen an, der später durch den
Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge ausgeschmückt wurde.
Weitere Kriegsgräber im Merzig-Wadern findet man auch auf dem Merziger
Propsteifriedhof. Dort befindet sich eine Pietà mit den Namen und Daten
deutscher Gefallener. Außerdem sind dort auch die Gräber russischer Toter.
Auch in Reimsbach und Besch gibt es Soldatenfriedhöfe. Meiner Meinung nach
ist die schönste Anlage in der Nähe von Kastel-Stadt bei Serrig an der
Saar. Dieser Soldatenfriedhof hat zudem Bezug zu einem namhaften
Kriegsmann des späten Mittelalters: Der blinde Böhmenkönig Johann,
zugleich Graf von Luxemburg, fiel als Verbündeter des französischen Königs
in der Schlacht bei Crécy 1346, also im Hundertjährigen Krieg zwischen
Frankreich und England. Im Auftrag des preußischen Kronprinzen und
späteren Königs Friedrich Wilhelm IV. erbaute Karl Friedrich Schinkel ein
Mausoleum zur Aufbewahrung der sterblichen Überreste Johanns, der zu den
Ahnen Friedrich Wilhelms IV. zählte.
Die zentrale Mahn- und Gedenkstätte der Bundesrepublik Deutschland für die
Opfer der Kriege und Gewaltherrschaft ist die Neue Wache in Berlin. Dieses
imposante Monument an der Prachtstraße „Unter den Linden“ wurde zunächst
von Karl Friedrich Schinkel gestaltet und 1818 fertiggestellt, später aber
mehrmals verändert. Seit wenigen Jahren steht im Innenraum ein Skulptur,
die Käthe Kollwitz 1937/38 schuf in Erinnerung an ihren in Flandern
gefallenen Sohn, und die sie „Trauernde Mutter mit totem Sohn“ betitelte.
Um die Erhaltung und Gestaltung der deutschen Kriegsgräber in aller Welt
kümmert sich seit 1919 der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge mit
Sitz in Kassel. Er gestaltet auch die Gedenkfeierlichkeiten anlässlich des
Volkstrauertages im November eines jeden Jahres. Auf deutschem Boden sind
Kriegsgräber in besonderer Weise gesetzlich geschützt: die Ruhefrist der
Toten ist unbegrenzt.
In fast hundert Ländern der Erde befinden sich deutsche Kriegsgräber aus
dem Ersten und Zweiten Weltkrieg. Erst seit einigen Jahren ist die
Anlegung gut gestalteter Friedhöfe auch in Osteuropa möglich, der
finanzielle Aufwand für die Umbettung der Gefallenen ist erheblich. Auch
viele Jugendgruppen haben hierbei mitgewirkt und helfen auch heute noch
mit. Über den Volksbund kann man Gräberschmuck (Blumen oder Kränze) und
Grabfotos in Auftrag geben.. Dieser veröffentlicht eine informative
Zeitschrift mit dem Titel „Stimme und Weg“ und führt alljährlich Haus- und
Straßensammlungen durch.
Mein Thema „Kriegsgräber und Kriegsdenkmäler“ ist grenzübergreifend. Es
hat mir sehr viel Freude gemacht, mit älteren Menschen, die den Zweiten
Weltkrieg noch erlebt haben, über mein Thema zu sprechen. Von ihnen erfuhr
ich, dass der Krieg sich nicht nur in Deutschland, sondern insbesondere
hier im Dreiländereck zugetragen hat. Auch im benachbarten Lothringen
findet man viele gut gepflegte Kriegsgräberstätten, so in der Nähe von
Lunéville, in Gerbéviller, in St. Avold, St. Mihiel, Montmédy und
natürlich Verdun, alles für gefallene Soldaten des Ersten Weltkrieges.
Im Zweiten Weltkrieg gab es noch mehr Tote zu beklagen, viele Männer
kehrten nicht mehr zurück. In der Generation meiner Großeltern gibt es
viele, die ihre Väter nie kennen gelernt haben, sie waren auf den
Schlachtfeldern gefallen. Für den Ersten Weltkrieg hat das statistische
Zentralamt in Washington folgende Bilanz gezogen: Kosten des Krieges pro
Tag 758 Millionen Mark. Verluste an Menschen ca. zwei Millionen Deutsche.
Der Zweite Weltkrieg kostete insgesamt über 30 Millionen Menschenleben,
die Deutschen hatten 5,5 Millionen Opfer zu beklagen.
Die Beschäftigung mit meinem Aufsatzthema machte mich sehr nachdenklich.
Obwohl jeder Krieg viel Leid und Unglück bringt, entstehen doch immer
wieder Neue. Gewalt erzeugt weitere Gewalt und keiner will nachgeben. Ich
wünsche mir, dass zukünftig keine neuen Kriegsgräber mehr angelegt werden
müssen.
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