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Licht - Leben - Liebe.

Die Erinnerung an Stalingrad.

Kurz vor Weihnachten 1942 schuf der Pfarrer, Arzt und Künstler, Dr. Kurt Reuber das Bild der „Stalingrad-Madonna“. An den Rand dieses Bildes schrieb er die obigen Worte. Von keinem anderen Bild, das in dieser Zeit entstand, geht wohl eine solche Wirkung aus. Seit 1983 hängt es in der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche in Berlin, erinnert und mahnt an die schrecklichen Ereignisse im Kessel von Stalingrad.

Viele junge Menschen kennen diese Ereignisse von Stalingrad heute nicht und kaum jemand der jüngeren Generation weiß, dass das heutige Wolgograd früher einmal Stalingrad hieß. Für die ältere Generation aber steht Stalingrad für die blutigste Schlacht des Zweiten Weltkrieges, mit ungeheuren Verlusten auf deutscher wie auch auf russischer Seite. Die Kapitulation der 6. Deutschen Armee unter Feldmarschall Paulus bedeutete auch zugleich die Wende im schrecklichsten Krieg des zwanzigsten Jahrhunderts.

Wer heute die Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche in Berlin besucht, muss auch vor dem Bild Kurts Reubers stehen bleiben. Nach wie vor geht von dieser Kohlezeichnung eine eigenartige Faszination aus. Die Betrachter werden still und nachdenklich, halten stummes Zwiegespräch mit dem Bild.

Ein Jahr später, nachdem Kurt Reuber dieses Bild geschaffen hatte, malte er ein ähnliches Bild, wieder um die Weihnachtszeit, diesmal in einem Kriegsgefangenenlager, 1 000 Kilometer nord-ostwärts von Stalingrad in „Jelabuga“. Wiederum entstand ein Bild von Mutter und Kind, die „Gefangenen-Madonna“. Auch diesmal gelang es, Wochen später, das Bild an Kurt Reubers Frau zu übergeben, gleichzeitig mit der schlimmen Nachricht, dass Kurt Reuber nach schwerer Krankheit am 20. Januar 1944 im Lager gestorben sei.

Am Rande dieses Bildes sind wiederum die Worte „Licht - Leben - Liebe“ aufgeführt und doch ist das Bild anders als das erste. Es drückt verstärkt die Ungewissheit und Düsterheit der Situation aus. Die Zukunft scheint dunkel, das Gesicht der Madonna ist nun von Verlassenheit und Gram gekennzeichnet. Aber gerade deshalb, trotz Ausweglosigkeit, ist immer noch Geborgenheit möglich, weil immer noch „Licht“ da ist. Das Licht geht allein vom Kopf des Christus-Kindes aus. Es gibt noch Hoffnung für die Zukunft. Kurt Reuber schreibt in seinem Adventsbrief 1943 an seine Frau: „Schau in dem Kind das Erstgeborene einer neuen Menschheit an, dass unter Schmerzen geboren, alle Dunkelheit und Traurigkeit überstrahlt. Es sei uns ein Sinnbild sieghaften zukunftsfrohen Lebens, das wir nach aller Todeserfahrung um so heißer und echter lieben wollen, ein Leben, das nur lebenswert ist, wenn es lichtstrahlend rein und liebeswarm ist“.

Viele Soldaten schrieben aus dem Kessel von Stalingrad an ihre Angehörigen in der Heimat. Aus vielen Feldpostbriefen spricht die Verzweiflung und das Grauen. Im Jahr 1957 wurde ein Teil dieser Briefe unter dem Titel „Letzte Briefe aus Stalingrad“ veröffentlicht. Für den französischen Komponisten Aubert Lemeland bildeten sie den Anlass für seine 10. Sinfonie „Letzte Briefe aus Stalingrad.“ Über zehn Jahre lang hatte sich Lemeland mit dem Thema des Zweiten Weltkrieges und insbesondere der Tragödie von Stalingrad auseinandergesetzt. Er selbst schrieb dazu: „Es ist ein schwieriges Unterfangen, die letzten, sehr persönlichen Augenblicke der deutschen Soldaten, die in Stalingrad eingeschlossen waren, auszudrücken, vor allem in der Musik. Ich benötigte mehr als zehn Jahre für den Augenblick dieser Schlacht. In der Normandie verfolgte man dies wie überall auf der Welt. Es waren sicher nur die Dummen und die Fanatischen, die sich an einer solchen Tragödie erfreuten. Im Augenblick des Todes haben alle Soldaten der Welt nur Worte an ihre Mütter“.

Das Jahr 2002 soll uns bewusst an den Kessel und die Schlacht von Stalingrad vor 60 Jahren erinnern. Die Zahl der Opfer ist bis heute ungeklärt. Man kann aber davon ausgehen, dass über 70 000 deutsche Soldaten im Kessel gefallen sind. 110 000 deutsche Soldaten gerieten in Gefangenschaft, darunter auch Feldmarschall Paulus sowie 20 weitere Generäle. 5 000 davon sind als Spätheimkehrer nach Deutschland zurückgekehrt. Auf russischer Seite gehen Historiker heute von über 500 000 Opfern aus. Stalingrad wurde zu einer der größten Tragödien des zwanzigsten Jahrhunderts. Der Volksbund tut gut daran, zum Volkstrauertag 2002 an diese Tragödie zu erinnern und damit die Hoffnung zu verbinden, auf ein friedliches Miteinander in Europa und in der Welt.

In Rossoschka, auf dem großen Sammelfriedhof des Volksbundes für die Gefallenen der Schlacht um Stalingrad ruhen bisher 36 000 Gefallene. Ihre Namen, die der Vermissten, in den Lazaretten oder in Kriegsgefangenschaft verstorbenen deutschen Soldaten werden wir auf Namentafeln verzeichnen, die das Rund der mächtigen Friedhofsmauer aufnimmt. Noch immer suchen wir hier nach den Gefallenen der Schlacht von Stalingrad. Ein Ende unserer Arbeit ist auch heute - 60 Jahre danach - nicht abzusehen.

Weitere Informationen finden Sie hier.

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Weihnachten
1942 in Stalingrad.

Letzte Briefe.


Den Bericht können Sie sich hier als PDF-Datei herunterladen.


Karl Betting gelingt die Flucht aus Stalingrad


Licht - Leben - Liebe.
Die Erinnerung an Stalingrad


Fakten


Die Steppe als Ausgangspunkt der Gestaltung
Die Kriegsgräberstätte in Rossoschka ist in vielerlei Hinsicht bemerkenswert


Stalingrad-Madonna schmückt die Kriegsgräberstätte
Eine Kirche baut Brücken
Über 1 000 Gäste waren dabei, als am 20.09.03 die Kirche "Mariä Himmelfahrt" in Sologubowka an die Gemeinde übergeben wurde.


Stalingrad – Erinnerung
an ein Inferno

Für viele tausend Menschen bedeutete Stalingrad Untergang und Tod. Vor diesem tragischen Hintergrund gedenkt der Volksbund der Opfer.



Arbeitsbilanz 2009



Die Zeit drängt

Informationen zu unserer Arbeit in Ost-, Mittel- und Südosteuropa


Deutsches Riga-Komitee
Opfer der Deportation in das Rigaer Ghetto erhalten würdige Grabstätte


Feldpost aus Stalingrad
Briefe in russischem Archiv wieder aufgetaucht



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