Sanierung des ehemaligen sowjetischen Ehrenfriedhofes in Bechstedtstraß


Am nördlichen Ortsausgang von Bechstedtstraß im Weimarer Land befindet sich neben dem zivilen Friedhof seit Ende des 2. Weltkrieges ein unter Denkmalschutz stehender Ehrenfriedhof. Hier haben 73 Opfer der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft ihre letzte Ruhe gefunden. Es handelt sich dabei um sowjetische, polnische, lettische und jugoslawische Kriegsgefangene und Zwangsarbeiter. Darunter sind auch zwanzig Frauen und drei Kinder. Diese Menschen wurden Opfer der harten Lebensbedingungen oder von Misshandlungen bei der Zwangsarbeit am Autobahnbau in Thüringen.

Diese Kriegsgräberstätte ist als Objekt-Nummer 51 in der Liste der 564 Kriegsgräberstätten in Thüringen erfasst. Die Gräber der Opfer von Krieg und Gewalt haben in Deutschland ein dauerndes Ruherecht und stehen unter staatlichem Schutz. Die Kosten der Pflege und Erhaltung werden vom Staat getragen.

Die Kriegsgräberstätte in Bechstedtstraß war nach nunmehr knapp 70 Jahren Bestand und wenigen Erhaltungsmaßnahmen in einem stark sanierungsbedürftigen Zustand.

Beginnend in 2009 wurde in Zusammenarbeit zwischen Ortsbürgermeister Möller, Herrn Kromer vom Thüringer Landesverwaltungsamt, dem Büro für Freiraumplanung Steffen Möbius und Herrn Hug vom Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e.V. - Landesverband Thüringen - die Sanierung geplant. Die Ausführung übernahmen die Unternehmen Görbing Landschaftsbau GmbH aus Großrudestedt und die Steinmetzfirma Bräuning & Rassbach aus Bernshausen.

Offensichtlich war die Anlage zu DDR-Zeiten deutlich umgestaltet worden. Der Eingang wurde zum zivilen Friedhof hin verlegt und alle Grabplatten von ihrem ursprünglichen Platz entfernt und an die Friedhofsmauer verlegt. Damit waren die Grabsteine von den eigentlichen Grablagen der Toten getrennt. Weiterhin war die sehr massive Friedhofsmauer aus großen Natursteinen teilweise eingebrochen, Bäume überwucherten das Gräberfeld und der Obelisk drohte einzustürzen.

Es galt herauszufinden, wo die tatsächlichen Grablagen waren, um die ursprüngliche Gestaltung wieder herzustellen. Dies konnte durch historische Fotos und Listen des Russischen Generalkonsulates in Leipzig annähernd nachvollzogen werden. Schwerpunkt war auch die Erneuerung der Inschriften der Grabplatten. Die Inschriften der russischsprachigen Toten wurden in kyrillischer, die der anderen in lateinischer Schreibweise wiederhergestellt.
Der in der Mitte des Gräberfeldes stehende Obelisk wurde neu aufgebaut, die überdimensionierte Mauer zum zivilen Friedhof durch eine Hecke ersetzt und die übrigen Steine für den Neubau verwendet.

Am 8. Mai 2012, dem Jahrestag der Befreiung vom Hitlerfaschismus, konnte die neu gestaltete Kriegsgräberstätte im Beisein von Bürgerinnen und Bürgern der Gemeinde der Öffentlichkeit übergeben werden.

Besonders Herr Bruno Topf, der seit vielen Jahren den schlechten Zustand der Anlage bemängelte ist erfreut, dass den Toten, die hier in fremder Erde begraben liegen eine würdige Stätte bereitet wurde. Herrn Topf, als einem der letzten Augenzeugen des Krieges ist es wichtig, mit der Erhaltung dieser Grabstätten die nachfolgenden Generationen auf das Leid und Elend des Krieges aufmerksam zu machen.
Dieser Aufgabe fühlen sich auch der Landschaftsarchitekt Steffen Möbius und der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge mit Ihrer Arbeit verpflichtet.

Dies ist nur eine von vielen Kriegsgräberstätten in Thüringen, welche jährlich in Zusammenarbeit der kommunalen und kirchlichen Friedhofsträger, dem Thüringer Landesverwaltungsamt, den beauftragten Baufirmen und dem Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e.V. erhalten und saniert werden.

13.06.2012
Henrik Hug
Geschäftsführer
Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e.V.
Landesverband Thüringen

Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e.V.

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