Einweihung der restaurierten Kriegsgräberstätte in Dietzhausen

Krista Janik  -  † 30. März 1944  -  wurde nur sieben Tage alt

Im Suhler Stadtteil Dietzhausen befindet sich auf dem kleinen zivilen Friedhof seit Ende des 2. Weltkrieges eine Kriegsgräberstätte für sowjetische Zwangsarbeiter und deren Kinder.
Diese Kriegsgräberstätte ist als Objekt-Nummer 354 in der Liste der 564 Kriegsgräberstätten in Thüringen erfasst. Dort haben 14 Opfer nationalsozialistischer Gewaltherrschaft ihre letzte Ruhe gefunden. Darunter sind auch eine Frau und zehn Kinder. Das jüngste, Krista Janik,  wurde nur sieben Tage alt…
Diese Menschen wurden Opfer der Strapazen der Deportation aus ihrer weit entfernten Hei-mat, der harten Arbeits- und Lebensbedingungen sowie Mangelversorgung bei der Zwangsar-beit in Deutschland.
Während des Zweiten Weltkrieges wurden in Deutschland zu Tausenden Angehörige anderer Nationen als Zwangsarbeiter eingesetzt. Das ursprüngliche Reichsarbeitsdienstlager im Seß-lestal in Dietzhausen diente ab 1941 als Lager für Zwangsarbeiter aus der Sowjetunion. Diese mussten vor allem in den Suhler Gustloff-Werken (früher Simsonwerke) arbeiten.
Im November 1943 kamen 55 Familien mit 124 Kindern aus der Ukraine hierher. In Folge des dreimonatigen Transportes nach Deutschland erlagen 7 Kinder diesen Strapazen. Insgesamt starben in diesem Lager 11 Menschen. Sie wurden auf dem Friedhof Dietzhausen bestattet. 1946 kamen die sterblichen Überreste in ein gemeinsames Grab, über dem ein Grabmal er-richtet wurde. Drei verstorbene russische Zwangsarbeiter aus Rohr wurden ebenfalls hierher umgebettet.
Ab 1947 wurden auf Befehl der Sowjetischen Militäradministration einheitliche Ehrenmale für die in Deutschland verstorbenen sowjetischen Staatsangehörigen errichtet. Diese wurden als 5 Meter hohe Obelisken mit einem roten Sowjetstern gestaltet. Das Denkmal in Dietzhausen wurde im Dezember 1947 eingeweiht.
Da das originale Denkmal nach nunmehr knapp 70 Jahren Bestand in einem stark sanie-rungsbedürftigen Zustand und bautechnisch nicht mehr zu erhalten war, wurde ab 2013 ge-meinsam vom Grünflächenamt der Stadt Suhl, der Denkmalbehörde, dem Volksbund Deut-sche Kriegsgräberfürsorge e.V. und einem Erfurter Landschaftsarchitekten mit Genehmigung des Büros für Kriegsgräberfürsorge und Gedenkarbeit der Botschaft der Russischen Födera-tion ein Konzept für die Neugestaltung dieser Kriegsgräberstätte erarbeitet.
Durch die Neugestaltung sollte speziell an das Schicksal der hier gestorbenen und bestatteten Kinder erinnert werden. Der bisherige monumentale Obelisk nahm dazu keinen Bezug.
„Die Gräberarbeit des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge gilt nicht nur gefallenen Soldaten, sondern allen Opfern von Krieg und Gewaltherrschaft. Der Sinn des von der Gen-fer Konvention 1929/49 festgelegten dauernden Ruherechts der Kriegstoten aller Nationen ist es, alle Menschen zu mahnen, Kriege als Mittel der Konfliktlösung zu überwinden.“ So Dr. Michael Krapp, Kultusminister a.D. und Vorsitzender des Landesverbandes Thüringen.
Im Jahr 2014 wurde nach einer umfangreichen Abstimmungs- und Planungsphase zwischen den Beteiligten den Entwurfsplänen des auf Friedhofsplanungen spezialisierten Büros für Frei-raumplanung Möbius aus Erfurt zugestimmt und die benötigten finanziellen Mittel über das Thüringer Landesverwaltungsamt bereitgestellt.
Der für sowjetische Kriegsgräberstätten typische Obelisk wurde abgetragen und eine auch den hier bestatteten Kindern angemessene Grabgestaltung mit großen und kleinen Natur-steinstelen realisiert. Wichtig war auch die Nennung der Namen und Lebensdaten der hier ruhenden Opfer. Die Grabinschriften wurden entsprechend der Nationalität der Toten in kyril-lischer Schreibweise ausgeführt. Eine metallene Geschichtstafel am Ort der Grabstätte gibt Besuchern Auskunft über den historischen Zusammenhang und die Entwicklung dieser Kriegsgräberstätte.
Am 23. September 2014 konnte die neu gestaltete Anlage im Beisein von Suhls Oberbürger-meister Dr. Triebel, dem Thüringer Finanzminister Dr. Voß, dem Vorsitzenden des Landes-verbandes Thüringen im Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e.V. Dr. Krapp und dem Leiter des Büros für Kriegsgräberfürsorge und Gedenkarbeit an der Botschaft der Russischen Föderation Botschaftssekretär Kukin sowie etwa 100 Bürgerinnen und Bürgern der Stadt Suhl, darunter Kindergartenkinder, Schüler des Städtischen Gymnasiums sowie einer Part-nerschule aus dem russischen Kaluga der Öffentlichkeit übergeben werden.
Dies ist nur eine von vielen Kriegsgräberstätten in Thüringen, welche jährlich in Zusammenar-beit der kommunalen und kirchlichen Friedhofsträger, dem Thüringer Landesverwaltungsamt, den beauftragten Baufirmen und dem Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e.V. erhal-ten und saniert werden.

Kein Titel

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