BKV-Fahrt nach Verdun auf den Soldatenfriedhof von Douaumont

17. Juni 2019

Die 60-köpfige Reisegruppe des Kreisverbandes Neuburg/Schrobenhausen vor dem Gebeinhaus von Fort Douaumont. Das Fort wurde zum Grab für 679 deutsche Soldaten, die bei einer Explosion im Munitionslager ums Leben kamen.

Soldatenfriedhof von Douaumont

Verdun (Andrea Hammerl).  Schmale, spitze Stalaktiten hängen an der Decke, auf den Waschbecken darunter wachsen breitkegelige Stalagmiten. „Nochmal 100 Jahre, da wächst schon was“, sinniert ein Betrachter. Ein kleiner Versuch, abzulenken von Kälte, Nässe und Trostlosigkeit im Innern von Fort Douaumont. Dessen Besichtigung gehört zu den Höhepunkten im Programm der 60-köpfigen Reisegruppe des Bezirksverbandes Oberbayern West der BKV (Bayerische Krieger- und Soldatenvereinigung), die für ein Wochenende nach Frankreich gefahren ist, um der Hölle von Verdun nachzuspüren. Verdun steht wie keine andere Schlacht des Ersten Weltkriegs für eine verlustreiche, sinnlose Materialschlacht mit 700 000 Gefallenen und Vermissten. Organisiert und fachlich vorbereitet hat die Fahrt der Rohrenfelser Kriegervereinsvorsitzende Roland Angerer mit seinem Vize Gerhard Wurps. Als Mitglied der Interessengemeinschaft des Königlich Bayerischen 15. Infanterieregimentes Neuburg hat Angerer schon auf der Hinfahrt im Bus den historischen Hintergrund beleuchtet und beim Abendessen im Hotel ergänzt, hier sogar in Uniform eines Hauptmanns der in Neuburg stationierten 15er, die in Verdun verheizt wurden. „Nach fünf Tagen waren ein Drittel der Infanteristen gefallen, vermisst oder verletzt, nach acht Wochen lebte nur noch ein Sechstel. „Das war das Ende der 15er“, sagt Angerer. Anfang 1919 wurde das Regiment demobilisiert.
Obwohl rund 550 Kilometer zwischen dem Landkreis und Verdun liegen, dazu 100 Jahre seit der Schlacht vergangen sind, wird anhand von Einzelschicksalen die Nähe bewusst. Das persönlichste Erlebnis haben Michael und Euphemia Weiß aus Brunnen, die sich schon vor der Gruppentour mit einem Taxi auf den Weg zum 30 Kilometer von Verdun entfernten deutschen Soldatenfriedhof in Romagne-sous-les-Côtes aufgemacht haben, um das Grab ihres Großvaters Josef Oswald zu besuchen, der am 25. Juni 1916 gefallen war. „Mein Schwager Josef hatte 1983 von der Kriegsgräberfürsorge erfahren, wo sich das Grab befindet“, erzählt Michael Weiß, „und war mit seinen Eltern, Frau und Tochter hingefahren“. Die Vierjährige sei so beeindruckt gewesen, dass sie im Kindergarten Bilder mit lauter Kreuzen gemalt habe. Euphemia Weiß bedauert, dass die Information für ihre Großmutter zu spät kam. „Sie hat immer gesagt, wenn sie wüsste, wo ihr Mann liegt, würde sie zu Fuß hinlaufen“, erzählt sie, „und meine Mutter sagte nach der Rückkehr aus Frankreich: „Wenn es einem schlecht geht, dann soll er mal nach Verdun fahren“. Hans Gschmack aus Bergheim, dessen Großvater Johann Rischbeck relativ weit entfernt im Norden Frankreichs liegt, nimmt sich vor, noch einmal eine Tour dorthin zu unternehmen.
„So viele Knochen, so viele Tote, einfach unvorstellbar“, sagt Albert Fröhlich aus Berg im Gau, nachdem die Reisenden, überwiegend Mitglieder der Kriegervereine aus Aresing, Ehekirchen, Bergheim, Berg im Gau, Karlskron, Illdorf, Brunnen, Stepperg, Gempfing und Schrobenhausen, das Beinhaus von Douaumont wieder verlassen haben. Unter dem Monument ruhen die Gebeine von 130 000 unbekannten Soldaten beider Nationen. Gestaltet wurde es 1920 als würdiges Massengrab in Form eines Schwertes, das in den Boden gerammt wurde, so dass nur der Griff herausschaut. „Das ist seit dem Mittelalter ein Symbol für Frieden“, erklärt Ursula Meriot vom Tourismusbüro Verdun, die der Gruppe in vierstündiger Tour die Hölle von Verdun nahebringt
Hauptmann Andreas Bauer (55) aus Stepperg fühlt sich bestätigt in seiner Entscheidung, „aus tiefdemokratisch verwurzeltem Patriotismus heraus“ Soldat zu werden. „Es ist viel zu wichtig, sich für Weltfrieden und Demokratie einzusetzen, als dass man es Karrieristen überlassen könnte“, findet er. Imperialistische Ideale von Führungspersönlichkeiten wie 1870, 1914 und 1939 dürften nie wieder eine Rolle spielen, weshalb er das Zusammenwachsen Europas sehr begrüßt.
Nicht nur das Schlachtfeld, auch das Museum hat es in sich. Auf zwei Etagen werden zahlreiche Exponate gezeigt, die den verheerenden Stellungskrieg interaktiv nacherlebbar machen. Ergreifend die Zitate aus Feldpostbriefen, wie das des 20-Jährigen, der seiner Mutter schreibt, er wolle nicht sterben. „Das lässt niemanden kalt“, meint Ulrike Baudisch aus Ehekirchen, der beim Lesen Tränen in die Augen stiegen. „Wir sind ein Kontinent, wir müssen uns zusammenraufen, damit es niemals mehr Krieg gibt“, sagt sie. Aus historischem Interesse ist Bernhard Kothmeier aus Linden mitgefahren. „Wie schlimm es war, hatte ich schon oft gehört, aber es geht einem ganz anders nahe, die unbewohnbare Landschaft zu sehen, auf der so viele Menschen niedergemetzelt wurden“, sagt er.

Den Bericht verfasste Journalistin Dr. Andrea Hammerl, er wurde in der Schrobenhausener Zeitung veröffentlicht.
 

 

 

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