Marie mit Sonne im Gesicht.

Mein Alltag - FSJ im politischen Leben

Seit September 2018 leiste ich mein FSJ-Politik beim Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e.V. Landesverband Berlin (Kurfürstenstr. 131, 10785 Berlin, U Nollendorfplatz). Verständlich, wenn dieser Name erstmal irritiert- das war für mich anfangs auch so, aber er betitelt immerhin auch eine einzigartige humanitäre Organisation mit spannender Geschichte. Für einen angenehmeren Lesefluss werde ich den Verein im Verlaufe des Textes nur Volksbund oder VDK nennen.

Bevor es mit dem Lesen losgeht hier noch ein kleiner Disclaimer: Dieser Text ist gegendert, benutze ich im Text gezielt nur eine Form, gibt es meines Wissens in dieser Gruppe auch nur Personen eines Geschlechtes (so z.B. Soldaten des Zweiten Weltkrieges).

Aufgabenbereiche

Neben der täglichen Büroarbeit, wie dem Verfassen und Beantworten von E-Mails und dem Führen von Telefonanten, sind meine Aufgaben sehr vielfältig. Auch die Betreuung der Website des LV Berlin, vom Schreiben der Artikel bis zum Upload, gehört zu meinen festen Aufgaben. Hinzukommend bin ich das mittelnde Glied zwischen unserem Jugendarbeitskreis (JAK) und dem Hauptamt. Der JAK setzt sich aus geschichtsinteressierten Jugendlichen und jungen Erwachsenen zusammen, die ehrenamtlich tätig sind. Konkret organisiere und plane ich die monatlichen Treffen, halte Kontakt, verschicke Rundmails mit verschiedensten Inhalten und stehe bei Problemen und Fragen nach Möglichkeit zur Seite.

Auch bei alljährlichen Projekten wie Fahrten und Begegnungen, unterstütze ich das Bildungsreferat in Planung und Durchführung. Nicht zu unterschätzen sind administrative Aufgaben, vor allem zur Zeit des Volkstrauertages, mit denen ich unsere Sachbearbeiterin entlaste.

Ich arbeite 39 Wochenstunden, ganz klassisch in einem Nine-to-Five-Job, allerdings können die Arbeitszeiten nach Absprache auch persönlich variiert werden.

Herausragende Projekte

Gleich zu Beginn meines FSJs fand ein „Newcomer-Treffen“ des JAKs Berlin und Sachsen-Anhalts statt. Neben dem Vertiefen des freundschaftlichen Verhältnisses der beiden JAKs und dem gegenseitigen Vorstellen ihrer Arbeit, stand auch ein kleiner Pflegeeinsatz auf dem Friedhof Wilmersdorf an. Dieses Treffen war perfekt dazu geeignet in die Ehrenamtlichen wie auch die Arbeit auf Kriegsgräberstätten kennenzulernen.

Schon häufiger war ich auf Friedhofsführungen dabei so bspw. während des internationalen „History Festivals“ im Oktober, in dem Anne-Susann einen Workshop zum Thema Gedenkkultur leitete.

Mit einer Schulung wurden mir die Grundzüge des Websystems Typo3 beigebracht, sodass ich Pflege der Website übernehmen kann.

Hochkonjunktur herrschte rund um den Volkstrauertag im November. Neben den Gedenkveranstaltungen im Berliner Dom, in der Neuen Wache und in Plötzensee waren zu dieser Zeit auch drei Jugendgruppen mit dem VDK in Berlin.

Intensiv eingebunden war ich in die deutsch-polnische Jugendbegegnung. Sowohl bei der inhaltlichen Vorbereitung (Zusammenstellung einer Stadtrallye und der „Warm-Ups“) als auch als Teamerin in der Durchführung konnte ich um wertvolle Erfahrungen reicher werden. Vor allem als meine Mit-Teamerin Theresa (meine Vorgängerin im Zyklus 2016/17) leider mitten in der Woche erkrankte und nun die Weiterführung der Jugendbegegnung an mir lag. Auch wenn diese Situation anfangs sehr überfordernd war, schaffte ich es doch mit Hilfe der Lehrerinnen und natürlich mit Unterstützung meiner Kolleginnen fast dreißig Jugendliche zu betreuen, verschiedene Programmpunkte durchzuführen und sie zur Zentralen Gedenkveranstaltung des Volkstrauertages in den Bundestag zu begleiten. Auch bei der Nachbereitung sprich bei der Auswertung des Feedbacks und dem Schreiben des Begegnungsberichts arbeitete ich mit. Am Abend des Volkstrauertages las ich im Berliner Dom vor circa 1400 Gästen und im Beisein von Ministerin von der Leyen das Totengedenken vor.

Ende Januar nahm der JAK beim Jugendforum denk!mal des Berliner Abgeordnetenhauses teil, wo er in Form einer Plakatausstellung die Gedenkveranstaltung in Plötzensee vorstellte, die jährlich veranstaltet wird.

Ein weiteres persönliches Highlight für mich ging in eine ganz andere Richtung. Für Kollegen der JBS Lommel durfte ich einen Vormittag im Bundesarchiv Recherche betreiben. Das Blättern in den alten Dokumenten und das einlesen in mein Recherchethema war unglaublich spannend.

Projekte in der Zukunft

Auch die zweite Hälfte meines FSJs hält viele aufregende Projekte für mich bereit.

In den Osterferien werde ich kostenlos die volksbundeigene JuLeiCa-Ausbildung auf der JBS Golm machen. Das Gelernte kann ich im Sommer als krönenden Abschluss meines FSJs in einem Workcamp als Teamerin anwenden.

Als besondere Jubiläums-Veranstaltung hat der LV Berlin den preisgekrönten russischen Kinderchor Vesna eingeladen, der ein Konzert im Berliner Dom und in der Potsdamer Nikolaikirche geben wird.

Zur Befreiungs- und Gedenkfeier in Mauthausen reist der JAK nach Mauthausen und nimmt an der großen Gedenkveranstaltung teil, ich bin natürlich dabei.

Außerdem habe ich die großartige Möglichkeit während meines FSJs ein eigenes Projekt zu verwirklichen. In Planung ist ein bundesweites FSJler*innen-Treffen in Kassel, bei dem die FSJ-Leistenden einander und die Bundesgeschäftsstelle näher kennenlernen können.

Die IJGD, die Bewerbung und die Seminare

Auch von Seiten der IJGD hatte ich von Anfang an einen Ansprechpartner, der bei Fragen auch schon vor Beginn des FSJ-P hilfsbereit zur Seite stand. Auch bei der WG-Suche in Berlin, da ich für mein FSJ hier hingezogen bin, wurde ich von Seiten der IJGD und meiner Einsatzstelle unterstützt. Nach dem Bewerber*innen-Tag, an dem ich sehr treffend beraten wurde, bewarb ich mich in Berlin bei zwei Einsatzstellen, wobei der Volksbund meine Favoritenstelle war.

Auch die Seminare sind immer super: Auf jedem Seminar wird inhaltlich zu einem anderen Thema gearbeitet (so z.B. Sozialpolitik oder Europa). Auf den Seminaren habe ich die anderen FSJler*innen kennengelernt und mit ihnen unglaublich tolle Menschen getroffen. Man lebt eine Woche zusammen, kocht und verbringt die Abende gemeinsam. Eigentlich kann man es sich vorstellen wie auf politischer Klassenfahrt. Die Seminare werde ich nach diesem Jahr mit am meisten vermissen!

Empfehlungen für potenzielle Freiwillige

Das FSJ-P beim Volksbund bietet einen Mittelweg zwischen historischer, politischer und pädagogischer Arbeit. Ein Grundinteresse an Geschichte und Politik sollte daher vorhanden sein. Man sollte sich auf verschiedene Aufgaben einlassen können und sich darauf einstellen, dass die Hauptarbeit im Büro ist. Außerdem sollte man keine Scheu vor der Arbeit mit Jugendlichen und Schüler*innen haben und Neugierde, Offenheit sowie Reisebereitschaft an den Tag legen.

Fazit

Meine Hauptmotivation ein FSJ-P zu machen, war mehr Reife zu erlangen, einen Einblick in politisch-historische Arbeit zu bekommen und mich über meine Studienwahl klarer zu werden. Diese Erwartungen haben sich zum großen Teil erfüllt. Hier lerne ich in einer ungeahnten Bandbreite fast jeden Tag etwas Neues. Von vorneherein wurde ich sehr herzlich im Team aufgenommen und fühle mich sehr wohl. Bei allen Fragen habe ich die passenden Ansprechpartner*innen und auch für Fehler gibt es Raum und Verständnis. Es gibt kaum einen Tag, an dem ich mich nicht auf die Arbeit freue. Sowohl die Jugendlichen aus dem JAK als auch die anderen FSJler*innen sind mir sehr ans Herz gewachsen und ich werde auch in Zukunft versuchen, mit ihnen Kontakt zu halten.

Allgemein bin ich sehr dankbar für die Chance, die dieses Jahr mir bietet und freue mich auf das restliche halbe Jahr!

                                                                                                                  Marie (FSJlerin 2018/19)

Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e.V.

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