Mein Jahr beim Volksbund

Zwischenbericht 2016/17

Seit dem 01. September 2016 leiste ich mein Freiwilliges Soziales Jahr im politischen Leben (FSJ-P) beim Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e.V. Landesverband Berlin (Kurfürstenstr. 131, 10785 Berlin, U Nollendorfplatz). Im letzten halben Jahr habe ich viele neue Eindrücke gesammelt und Erfahrungen gemacht.

1. Der Volksbund

Der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e.V., gegründet 1919, ist eine humanitäre Organisation. Er widmet sich im Auftrag der Bundesregierung der Erfassung, dem Erhalt und der Pflege der Gräber deutscher Kriegstoter im Ausland. So soll das Gedenken an alle Kriegstoten und Opfer von Gewaltherrschaft – Soldaten wie Zivilisten, Deutsche wie Angehörige anderer Nationen – bewahrt werden. Für die Gräber der Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft im Inland liegt die Zuständigkeit nicht beim Volksbund sondern bei den jeweiligen Kommunen.

Bildungsarbeit ist eine zentrale Säule der Arbeit des Volksbundes. Unter dem Motto „Arbeit für den Frieden“ werden jedes Jahr internationale Workcamps und Jugendbegegnungen durchgeführt. Die Teilnehmer/innen aus aller Welt setzen sich mit der Geschichte Europas auseinander, lernen die verschiedenen vertretenen Kulturen kennen oder arbeiten praktisch auf den Kriegsgräber- und Gedenkstätten. So wird der internationale Austausch gefördert und ein Beitrag zur Friedensarbeit geleistet.

Innerhalb der Landesverbände konzentriert sich die Bildungsarbeit auf die Arbeit innerhalb des entsprechenden Bundeslandes. In Zusammenarbeit mit den Lehrer/innen werden für Schulgruppen bspw. Friedhofsrundgänge, thematische Schulstunden oder Klassenreisen zu den vier volksbundeigenen Jugendbegegnungs- und Bildungsstätten (in Belgien, Frankreich, den Niederlanden und auf Usedom) organisiert.

2. Meine Aufgaben

Das FSJ-P ist strukturell an das Bildungsreferat im Berliner Landesverband angegliedert, der Hauptgegenstand meiner Arbeit ist demnach die Jugend- und Bildungsarbeit. Das bedeutet jedoch nicht, dass ich täglich oder wöchentlich oben beschriebene Projekte durchführe. Mein Arbeitsalltag spielt sich im Büro ab: Wenn die Geschäftsstelle voll besetzt ist, sind wir zu fünft im Büro (Landesgeschäftsführer, Sekretärin, zwei Bildungsreferentinnen und ich, FSJlerin). Ich habe meinen eigenen Arbeitsplatz mit Computer und Telefon. In der Regel arbeite ich von 9 bis 17 Uhr.

2.1 Allgemein

Das Einzige, was ich jeden Tag erledige, ist die Pflege des E-Mail-Postfachs (E-Mails schreiben und beantworten). Ansonsten gibt es wiederkehrende, dauerhafte, langfristige, spontane und kurzfristige Aufgaben:

Dauerhafte Aufgaben, die in verschiedenster Form immer wiederkehren, sind u.a. die Betreuung des Jugendarbeitskreises (JAK) Berlin (der jungen Ehrenamtlichen, die sich für den Volksbund engagieren) oder die Pflege der Website. Konkret bedeutet das im Fall des JAK: Koordinieren von doodle-Umfragen zur Terminfindung für ein nächstes Treffen und dessen Planung, Verschicken von Rundmails mit verschiedensten Informationen (nächstes Treffen, sonstige Veranstaltungen etc.), Kontakt halten und bei Fragen und Problemen zur Seite stehen. Die Pflege der Website beinhaltet das Verfassen von Artikeln über Veranstaltungen, das Veröffentlichen von Fotos, das Hochladen aktueller Termine oder auch die allgemeine Überarbeitung und Aktualisierung der Website.

2.2 Aufgaben in der Bildungsarbeit und Projektbeispiele

Neben diesen immer bestehenden Aufgaben gibt es auch Projekte, die langfristig geplant, aber irgendwann abgeschlossen sind.

So zum Beispiel die Erstellung eines JAK-Flyers: Zusammen mit den JAKies und meinen Kolleginnen und Kollegen habe ich Texte geschrieben und Fotos ausgesucht. Außerdem habe ich zu großen Teilen den Kontakt mit der Grafikerin in unserer Bundesgeschäftsstelle übernommen, die den Flyer am Ende professionell überarbeitet hat.

Ende September, zu Beginn des FSJ, habe ich die Gelegenheit bekommen, auf eine deutsch-französische Seminarfahrt für Referendare nach Niederbronn-les-Bains (Elsass, Frankreich) mitzufahren. Dort befinden sich eine deutsche Kriegsgräberstätte und Jugendbegegnungs- und Bildungsstätte des Volksbundes. Wir haben uns u.a. Verdun, Straßburg und die Umgebung von Niederbronn angeschaut. Da ich jedoch, bevor wir losgefahren sind, erst knapp drei Wochen beim Volksbund gearbeitet habe, habe ich hier noch keine inhaltlichen Aufgaben übernommen. Meine Aufgaben waren u.a. Material zusammenstellen, Fotografieren oder die Erstellung der Teilnahme-Urkunden. Diese Fahrt war in jedem Fall die perfekte Gelegenheit, einen Bereich der Arbeit des Volksbundes praktisch kennenzulernen.

Ein anderes Projekt, an dem ich beteiligt war, war die deutsch-polnische Jugendbegegnung zum Volkstrauertag im November 2016. Die deutschen und polnischen Schüler/innen waren zusammen in einer Unterkunft in Berlin untergebracht. Im Gegensatz zu der deutsch-französischen Referendarfahrt im September habe ich hier auch inhaltliche Aufgaben übernommen: Das waren u.a. die Vorbereitung und Durchführung einer Stadtrallye an verschiedenen Stationen in der Berliner Innenstadt und eines Workshops zum Thema „Erinnerungskulturen“. Die Vorbereitung bestand in beiden Fällen aus Recherche und dem Erstellen von Aufgaben. Auf dieser Jugendbegegnung habe ich auch die bisher größte Herausforderung gemeistert: Einer der Teilnehmer hatte an einem Abend starke Kreislaufprobleme. Mithilfe einiger seiner Freunde habe ich es geschafft, ihn bei Bewusstsein zu halten, bis die Sanitäter kamen. Die gesamte Situation war sehr erschreckend, auch weil ich erst zwei Wochen vorher den Erste-Hilfe-Kurs gemacht hatte. Zum Glück ging es dem Schüler schnell besser, sodass er am nächsten Tag normal zur Schule gehen konnte.

Beim Volkstrauertag habe ich außerdem das Totengedenken beim Konzert im Berliner Dom vor knapp 1200 Menschen gelesen.

Mittlerweile habe ich auch mehrmals zusammen mit Anne oder Anneke, den beiden Bildungsreferentinnen, thematische Schulstunden an verschiedenen Berliner Schulen durchgeführt. In so einer Schulstunde wird zum einen die Arbeit des Volksbundes vorgestellt und zum anderen über Gedenken gesprochen.

Zu den Schulprojekten zählen auch Projekttage auf Berliner Kriegsgräberstätten. Konkret sieht das dann so aus, dass wir zuerst allgemeine Informationen zum Friedhof geben, die Jugendlichen Fragen zur Kriegsgräberstätte beantworten und sich dann anhand von Steckbrief und Biografie mit dem Schicksal eines dort begrabenen Menschen beschäftigen.

Im März 2017 fand außerdem die JAK-Frühjahrsfahrt nach Kolberg (Ostseeküste, Polen) statt. Hier habe ich große Teile der Organisation übernommen. (Leider bin ich kurzfristig erkrankt und konnte selbst nicht mitfahren.)

2.3 Zukünftige Projekte und Aufgaben

Neben weiteren Schulprojekten stehen für die kommenden Monate bspw. folgende Projekte an: „Nekropole Berlin – Neukölln 1945“ ist ein multimediales Forschungsprojekt von Masterklassen der Beuth Hochschule für Technik Berlin, das wir unterstützen. Es findet im Zeitraum der Schlacht um Berlin 1945 (16. April – 2. Mai) eine Ausstellung auf verschiedenen Berliner Kriegsgräberstätten statt, bei dem verschiedene Installationen und ein Film gezeigt werden. Das Projekt befasst sich mit Kriegsgräberstätten in Neukölln und stellt einen Bezug zur Gegenwart (Syrien, Aleppo) her.

Außerdem werde ich im Sommer ein internationales Workcamp teamen, bei dem ich noch stark in die Vorbereitung und Durchführung eingebunden sein werde. Es steht noch nicht endgültig fest, welches Camp das sein wird, entweder in Berlin oder Gotha (Thüringen).

3. Das Team, Fortbildungsmöglichkeiten und Voraussetzungen

Das Team hat mich von Beginn an unglaublich herzlich aufgenommen und bei Fragen hatte ich seit dem ersten Tag immer eine Ansprechperson. Ich werde zu jedem Zeitpunkt als vollwertiges Teammitglied behandelt. Es wird immer darauf geachtet, dass ich aus diesem Jahr wirklich etwas mitnehmen kann. So wird mir z.B. die Möglichkeit zu verschiedenen Fortbildungen gegeben: Letzten Herbst habe ich einen Erste-Hilfe-Kurs gemacht, im April werde ich die volksbundeigene JuLeiCa-Schulung machen.

Natürlich sollte man auch ein paar Interessen und Fähigkeiten mitbringen: Dazu zählen Grundkenntnisse in Microsoft Office oder Flexibilität, da sich die Aufgaben schnell und sehr spontan ändern können. Man sollte bei dieser Einsatzstelle aber auch Lust auf verschiedenste neue Gruppen und den Kontakt mit vielen verschiedenen Menschen haben. Insbesondere das Interesse an organisatorischen Abläufen ist sehr wichtig, um sich beim Volksbund wohl zu fühlen. Auch das Interesse für historische Themen darf für ein tolles Jahr nicht fehlen.

4. Die IJGD, die Bewerbung und die Seminare

Auch von Seiten der IJGD hatte ich von Anfang an einen Ansprechpartner, der bei Fragen auch schon vor Beginn des FSJ-P am 01. September tatkräftig zur Seite stand. Es fand von Anfang an eine sehr angenehme Begleitung im Bewerbungsverfahren statt. Ungefähr zwei Wochen nachdem ich meine Bewerbung an die IJGD geschickte hatte, war ich schon zu dem Info- und Bewerbungstag eingeladen. Auch danach ging es sehr schnell mit dem Bewerbungsverfahren bei den Einsatzstellen (Ich hatte mich beim Volksbund und bei der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur beworben, außerdem bei einem Theater im Rahmen des FSJ Kultur.) Die Zusage von meiner Einsatzstelle kam ca. eine Woche nach dem Bewerbungsgespräch.

Auch die Seminare sind immer super: Auf jedem Seminar wird inhaltlich zu einem anderen Thema gearbeitet, auf das wir uns auf dem Einführungsseminar geeinigt haben (im Januar z.B. „Demokratieentwicklung & EU“, weitere Themen sind „Kapitalismus & Umwelt“ und „Rechtspopulismus in Europa & Politik und Medien“). Das aber eigentlich Tolle an den Seminaren ist die gemeinsame Zeit mit den anderen FSJlern. Man lebt eine Woche zusammen, kocht, verbringt die Abende gemeinsam... Die Seminare werde ich nach diesem Jahr mit am meisten vermissen!

5. Fazit

Die vergangenen fast sieben Monate waren unglaublich bereichernd: Ich habe sehr viel über mich selbst herausgefunden und gelernt, über persönliche Eigenschaften und Einstellungen bis hin zu meiner eigenen Arbeitsweise und -organisation sowie beruflichen Interessen. Ich bin mir jetzt sicher, dass ich mich im Sommer für einen Studiengang für Übersetzen und/oder verschiedene Sprachstudiengänge bewerben möchte.

Das Beste an meiner Einsatzstelle sind das selbstbestimmte Arbeiten, die Möglichkeit, in vielen verschiedenen Aufgabenbereichen Erfahrungen zu sammeln, und natürlich meine Kolleginnen und Kollegen. Ohne sie wäre dieses Jahr nicht mal annähernd so eine tolle Erfahrung. Ich freue mich auf die nächsten (leider nur noch) fünf Monate!

 

 

Theresa (FSJlerin 2016/17)

Theresa grinst sympathisch in die Kamera

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