Darum Frieden
Von Gefangenen gerettet
Erinnerungen an den 08.05.1945
28. September 2020 – von Margaret Pott

Im Februar 1945 war auch wir gezwungen unsere geliebte schlesische Heimat zu verlassen. „Der Weg in den Westen ist besser als der Weg nach Sibirien“ kam es aus den Lautsprechern des Autos das laufend durch die Straßen fuhr. Wir landeten in Wölfelsdorf in den Glatzer Bergen auf einem Bauernhof. Es kamen immer mehr Flüchtlinge. Alles war unkontrolliert. Hauptsache schnell von der Straße.

Die Scheunen bei unserem Bauern waren voll mit Menschen und Pferden belegt. Es war ja auch ein bitterkalter Winter.

Eines Tages kamen deutsche Soldaten durch unseren Ort. Es war der 8. Mai 1945. Sie warfen alles was sie in Schwierigkeiten bringen könnte auf einen großen Haufen und zündeten ihn an. Es war soweit. Die Soldaten sagten uns Kindern noch, dass es Truppen aus der Mongolei sind, die nach Ihnen kommen. Wir Kinder waren alle entsetzt, hatten wir noch in der Schule gelernt, was das für ein Volk ist. Ich war damals 13 Jahre alt. Noch heute steckt mir der 8. Mai 1945 in den Knochen. Wir liefen alle nach Hause und erzählten was wir von den Soldaten erfahren hatten. Die Gefangenen die mit auf dem Hof waren beruhigten uns. Keine Angst wir werden es schon machen. Die Gefangenen waren Jugoslawen. Die Einfahrten zu den Bauernhof wurden alle geschlossen, eine weiße Fahne aufgezogen. Die Gefangenen wechselten sich Tag und Nacht mit der Wache ab, bis die feindlichen Truppen durchgezogen waren und wieder Ruhe eingekehrt war. So blieben der Bauernhof und wir vor dem Schlimmsten verschont, aber aus der Nachbarschaft hörte man das verzweifelte Schreien der Frauen und das war schon schrecklich genug.

Historischer Hintergrund.

Millionen Menschen, Männer, Frauen aber auch Kinder wurden während des Zweiten Weltkrieges als Kriegsgefangene oder Zwangsarbeitskräfte nach Deutschland verschleppt. Während die in der Industrie eingesetzten Menschen schlimmsten Drangsalen ausgesetzt waren, waren die Verhältnisse im Bereich der Landwirtschaft oftmals besser da nicht alle Bäuerinnen und  Bauern der NS Ideologie vom Untermenschentum folgten. So setzten sich mit Ende des Krieges oftmals Gefangene für die Deutschen Hofbesitzer ein.