Vergessene Geschichte - Das Schicksal von Ostpreußens Wolfskindern und der Königsberger Restbevölkerung

18. Oktober 2018

v.l.n.r.: Rotraud Hahn, Dr. Christopher Spatz, Horst Bartsch

Viele Zuhörerinnen und Zuhörer waren am 16. Oktober 2018 der Einladung des Volksbundes und der Landsmannschaft Ostpreußen in den Wall-Saal der Stadtbibliothek in Bremen gefolgt. Der Landesvorsitzende des Volksbundes in Bremen, Dietmar Werstler, ging in seiner Begrüßung auf die aktuelle Arbeit des Volksbundes im heutigen Kaliningrader Gebiet ein und übergab sodann die Moderation an Dr. Christopher Spatz, Autor des Buches „Nur der Himmel blieb derselbe“. Dr. Spatz setzt sich in seinem Buch mit einer der größten humanitären Katastrophen nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges auseinander; über 100 000 Menschen starben zwischen 1945 bis 1948 im nördlichen Ostpreußen an Seuchen und Unterernährung.
Die Übriggebliebenen waren oft Kinder. Ohne Eltern, ohne Familie, ohne ein Zuhause waren sie ganz auf sich gestellt. Manche landeten in Heimen, andere flohen als „Wolfskinder“ auf eigene Faust nach Litauen, um ihr Leben zu retten.
Horst Bartsch, 83, schilderte an diesem besonderen Abend emotional und eindrücklich seine Reise als Wolfskind in Güterzügen nach Litauen. Seine Erinnerungen sind erschütternde Dokumente eines Überlebenskampfes, des Bettelns, des Hungers, der Erniedrigung und der Einsamkeit.
Einfühlsam interviewte Dr. Spatz ebenso die 93-jährige Rotraud Hahn, die sehr anschaulich und bewegend die schwere Zeit nach dem Krieg im Königsberger Gebiet, dem heutigen Kaliningrader Gebiet, schilderte. Der Tod der Mutter, die schwierige Versorgungslage und das daraus resultierende tägliche Hungersterben der verbliebenen Bevölkerung brannten sich tief in ihre Seele ein. Besonders beeindruckt waren alle Anwesenden von der dennoch positiven und lebensbejahenden Ausstrahlung von Frau Hahn.
Abgerundet wurde die Veranstaltung durch die Vorführung eines Films von Jonny Reimers, der das ausführliche Zeitzeugen-Interview mit Frau Hahn zeigt. An diesem Abend wurde deutlich, dass sowohl das Schicksal der Wolfskinder als auch das der in Königsberg verbliebenen Bevölkerung nicht dem Vergessen anheimfallen darf, sondern der öffentlichen Wahrnehmung und der Erinnerung bedarf.

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