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Regierungspräsidentin Judith Pirscher zur Vorsitzenden des Volksbundes in Ostwestfalen-Lippe gewählt
Ehrung von Marianne Thomann-Stahl für 15-jährige Tätigkeit als Bezirksvorsitzende mit Theodor-Heuss-Medaille
21. Februar 2020
  • Ostwestfalen-Lippe

Detmold. Knapp 40 Personen (Vertreter aus den 7 Kreisverbänden des Regierungsbezirkes Detmold und Gäste - siehe Foto) tagten am Donnerstagnachmittag 13. Februar in der Bezirksregierung über die Zukunft des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge e.V. in der Region. Vor dem Ausblick in die Zukunft stand allerdings ein Bericht über die vergangenen vier Jahre engagierter Arbeit, vor allem im Bereich der historisch-politischen Jugend-, Schul- und Bildungsarbeit.

Dank einer Umstrukturierung in der Verwaltung des Volksbundes konnte im Sommer 2016 mit Hanna Hittmeyer eine eigene Referentin für die historisch-politische Bildung des Vereins in Ostwestfalen-Lippe eingestellt werden. Die Zahl der Projekte in diesem Arbeitsbereich des Volksbundes ist seitdem sprunghaft angestiegen. Professionelle pädagogische Angebote und praktische Unterstützung für die Gestaltung des Unterrichts bzw. Schullebens machen eine Zusammenarbeit mit dem außerschulischen Bildungspartner attraktiver denn je. Hittmeyer berichtete beim Bezirksvertretertag in diesem Zusammenhang, dass viele Schulen in OWL über einzelne Projekttage hinaus bereits eine kontinuierliche und auf die Dauer angelegte Bildungspartnerschaft mit dem Verein eingegangen sind. Erfreulich ist aber auch, dass im Vergleich zu anderen Gebieten sich noch relativ viele Schulen, insbesondere aus dem Kreis Herford, an der jährlichen Sammlung zugunsten des Volksbundes beteiligen.

Die Sammlungen von Schulen im Kreis Herford sind sicherlich ein Verdienst des dortigen Geschäftsführers Norbert Burmann, der in seiner gleichzeitigen Funktion als Stellvertretender Bezirksvorsitzender beim Vertretertag zusammen mit acht weiteren Vorstandsmitgliedern wieder gewählt wurde. Dem Vorstand des Volksbundes in OWL vorsitzen wird künftig Judith Pirscher. Die neue Regierungspräsidentin wurde einstimmig von den Delegierten gewählt. Sie tritt damit in die Fußstapfen Ihrer Vorgängerin Marianne Thomann-Stahl, die das Amt 15 Jahre innehatte.

Für ihre langjährige Tätigkeit als Bezirksvorsitzende wurde die Regierungspräsidentin a.D. Marianne Thomann-Stahl zum Abschluss des Bezirksvertretertages entsprechend würdig verabschiedet. In einer Laudatio betonte der Stellvertretende Bezirksvorsitzende Norbert Burmann, dass Frau Thomann-Stahl sich neben den Gedenkveranstaltungen in OWL, vor allem auch auf der Ebene des Landesverbandes engagiert hätte. Zu ihren Verdiensten zählen somit ebenfalls die bereits erwähnte Umstrukturierung sowie der damit verbundene Ausbau der historisch-politischen Jugend-, Schul- und Bildungsarbeit des Volksbundes in NRW. Um die besondere Beziehung von Frau Thomann-Stahl zum Verein darzustellen, verwies Burmann abschließend auf ein Interview, das Frau Thomann-Stahl zum Ende ihrer Tätigkeit als Regierungspräsidentin gegeben hatte. Darin betonte sie, dass ihr das Engagement beim Volksbund eines der liebsten Ehrenämter in ihrer Amtszeit gewesen ist.

Nach der Laudatio überreichten die neue Vorsitzende Judith Pirscher und Norbert Burmann mit der Theodor-Heuss-Medaille eine der höchsten Auszeichnungen des Landesverbandes an Frau Thomann-Stahl (siehe Foto). Der Anlass für die Widmung der Medaille ist, dass sich die einzigen Kriegsgräberstätten, die Bundespräsident Dr. Theodor Heuss in seiner Amtszeit eingeweiht hat, in Nordrhein-Westfalen befinden. In seiner Rede anlässlich der Einweihung einer der Kriegsgräberstätten sprach der Bundespräsident dabei den folgenden Appell: "Sorgt ihr, die ihr noch im Leben steht, dass Friede bleibe, Friede zwischen Menschen, Friede zwischen Völkern." Dieser Satz, der in die Rückseite der Medaille eingraviert ist, findet sich auch eingemeißelt auf dem Ehrenfriedhof für sowjetische Kriegstote in Schloß Holte-Stukenbrock. Er verweist damit unmittelbar auf die Verdienste, die sich Frau Thomann-Stahl um die Gedenkkultur an diesem Ort in Ostwestfalen-Lippe gemacht hat. Am Volkstrauertag hat sie hier u.a. in jedem Jahr den Kranz für die Landesregierung niedergelegt.

Folgerichtig betonte Regierungspräsidentin a.D. Marianne Thomann-Stahl in ihrem Rückblick der vergangenen 15 Jahre als Bezirksvorsitzende ebenfalls das besondere Engagement an dem Ort. Sie verwies auf die Entwicklung der Stillen Kranzniederlegung am Volkstrauertag, die sich auch aufgrund des Engagements der Bundeswehr und der Reservisten zum Positiven verändert hätte. Zum anderen betonte sie, dass es gelungen sei die intensive Debatte um ein Denkmal auf der Kriegsgräberstätte zugunsten eines namentlichen Gedenkens zu lösen. Sie hofft, dass das Stalag 326 (VI K) Senne als Gedenkstätte von großem nationalem Interesse gemeinsam mit dem Ehrenfriedhof weiter ausgebaut wird. Im entsprechenden Lenkungskreis hätte sie sich immer dafür eingesetzt und dabei auch die besondere Rolle des Volksbundes betont. Im Hinblick auf den Ausbau der historisch-politischen Jugend-, Schul- und Bildungsarbeit unterstrich Frau Thomann-Stahl bei ihrem persönlichen Rückblick erneut die Bedeutung dieser Aufgabe des Volksbundes. „Wir müssen [mit unseren pädagogischen Angeboten] in die Schulen“ sagte sie mit Blick auf den gesellschaftlichen Wandel z.B. mit Blick auf den zunehmenden Anteil von Schülerinnen und Schülern mit Migrationshintergrund. Für die große Unterstützung dieser Arbeit bedankte sich die ehemalige Bezirksvorsitzende auch nochmals bei den Vertretern der sieben Kreisverbände in Ostwestfalen-Lippe.

Für den weiteren Ausbau der Bildungsarbeit des Vereins will sich auch die neue Vorsitzende, Regierungspräsidentin Judith Pirscher einsetzen. Nach den ersten Gesprächen über die Arbeit des Volksbundes sei sie vor allem sehr angetan von der Jugendarbeit. Sie sieht darin eine „äußerst wichtige Aufgabe“. Sie verwies in diesem Zusammenhang auch auf eine entsprechende Unterstützung aus der Schulabteilung der Bezirksregierung. Als Auftakt für diese kontinuierliche Unterstützung wird es am Mittwoch 11. März 2020 in der Zeit von 13-16 Uhr eine Lehrerfortbildung zum Thema „Außerschulische Lernorte (mit-)gestalten. Kriegsgräberstätten in der schulischen Bildung“ im großen Sitzungssaal der Bezirksregierung in Detmold geben.

Fotos: Andreas Moseke (Pressestelle der Bezirksregierung in Detmold)