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Tote im Leningrader Moor exhumiert
Dank schwerem Gerät konnten die Gebeine von 14 deutschen Soldaten geborgen werden.
04. Juli 2020

Ein russisches Suchteam hatte in einer Moorlandschaft in der Oblast Leningrad die Gebeine eines deutschen Soldaten samt Erkennungsmarke gefunden und daraufhin einen Kollegen vom Volksbund informiert. Dieser entdeckte die sterblichen Überresten von insgesamt 14 Wehrmachtsangehörigen. Zur Bergung der Toten in dem schwer zugänglichen Gebiet holte sich das Team PS-starke Hilfe.

Dmitri Volkov, Mitarbeiter des Umbettungsdienstes des Volksbundes in der Russischen Föderation sondierte das Gebiet nahe der Stadt Kirischi zunächst zu Fuß, da das moorige Gelände mit einem normalen Fahrzeug nicht befahrbar ist. Er fand die Gebeine in einem Trichter, nur leicht mit Erde angeschüttet. Für den Weitertransport der Toten wurde spezielles Gerät aufgefahren: ein schwimmfähiger 13 PS starker TDN400 mit einer Radspurweite von 1,5 m. Die Feinarbeiten der Ausbettung wurden wie üblich von Hand vorgenommen. Aber: „Ohne den Einsatz des Moorschleppers wäre es unmöglich gewesen, die Gebeine aus dem Fundort abtransportieren“, sagt Oleg Voronov, Gruppenleiter Nordwestrussland beim Umbettungsdienstes des Volksbundes in der Russischen Föderation. Der Schlepper wurde 2019 extra für diese Moorlandschaft angeschafft und kann nun seinen ersten erfolgreichen Einsatz verzeichnen. Einige Moore in dieser Region wurden seinerzeit von den Sowjets trockengelegt und waren im Zweiten Weltkrieg Kampfgebiet. Nach 1989 sind diese dann nach und nach wieder versumpft.

Die Soldaten kamen höchstwahrscheinlich bei einem Angriff der Roten Armee zwischen Januar und März 1942 zu Tode und wurden daraufhin von den Rotarmisten in diesen Geländetrichter gelegt. Dass sie posthum noch bewegt wurden, zeigen ihre fehlenden Stiefel.

Identitäten stehen noch nicht fest

Neben den Gebeinen fand das Team Erkennungsmarken, Uniformknöpfe, Radiergummis, aber auch persönliche Gegenstände wie Körperpflegeprodukte, Ringe und ein Kochgeschirr. Von Letzteren erhofft sich die Abteilung Gräberdienst auch Aufschluss über die Identitäten der Gefallenen, etwa durch individuelle Beschriftungen oder ähnliches. Die bei den Toten gefundenen Erkennungsmarken sind nicht in der internen Datenbank des Volksbundes, dem so genannten Gräberinformationssystem, verzeichnet. Eine Sonderrecherche des Bundesarchives soll Aufklärung bringen.

Die Gebeine werden nun zunächst in ein Depot nahe St. Petersburg transportiert, um dann auf dem Sammelfriedhof Sologubowka eingebettet zu werden. Die Arbeiten sind jedoch noch nicht abgeschlossen: Das Volksbund-Team vermutet in diesem Gebiet noch weitere Grablagen und sondiert noch bis Oktober 2020 weiter.