Größte Vorsicht war bei diesem Volksbund-Einsatz bei Halbe geboten: Experten einer Berliner Firma sicherten diverse hochexplosive Sprengmittel in unmittelbarer Nähe des Toten. Hier ein Metalldetektor neben der Grablage (kleines Foto). (© Joachim Kozlowski)
Erste Exhumierung 2026: Kriegstoter mit Munition
Volksbund-Umbetter birgt bei eisiger Kälte Gebeine in der Nähe von Halbe in Brandenburg
Der erste Einsatz 2026 konfrontierte Joachim Kozlowski mit schweren Bedingungen: Bei eisigen Temperaturen um minus zehn Grad exhumierte er am 3. Februar den ersten Kriegstoten des Jahres in einem Waldstück nahe Halbe in Brandenburg. Kozlowski ist beim Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e. V. für Umbettungen in Deutschland zuständig.
Das ganze Gebiet gilt durch die schweren Kämpfe am Ende des Zweiten Weltkrieges als munitionsbelastet. Bevor dort Bau- oder Waldarbeiten ausgeführt werden dürfen, überprüfen spezialisierte Firmen das Gelände mit Tiefensonden auf Munition. Dabei hatte eine Berliner Kampfmittelräumfirma Hinweise im Erdreich entdeckt, die auf die sterblichen Überreste eines Soldaten schließen ließen. Daraufhin informierten sie die Polizei – und den Volksbund.
Handarbeit bei gefrorenem Boden
Joachim Kozlowski ist der richtige Ansprechpartner in solchen Fällen. Die Bergungsarbeiten waren extrem mühsam, weil der Boden gefroren war. Zunächst hob ein Bagger die oberste Erdschichte etwa 30 Zentimeter tief ab – danach war Handarbeit gefragt.
Zwei Stunden dauerte es, bis der Umbetter die sterblichen Überreste des Soldaten bergen konnte. Uniformreste und die Munition in den Jackentaschen ließen keinen Zweifel zu: Es handelte sich um einen Soldaten der Roten Armee. Während der Bergung dieses Kriegstoten sicherte die Kampfmittelräumfirma diverse hochexplosive Sprengmittel direkt im Grab des Kriegstoten und entsorgte sie im Anschluss fachgerecht.
Identität bleibt ungeklärt
Der Mann war knapp 1,70 Meter groß und schätzungsweise zwischen 25 und 30 Jahre alt. Vermutlich starb er in den letzten Kriegswochen in der Schlacht um Berlin. Auch er war ein Opfer des Zweiten Weltkrieges. Doch seine Identität bleibt ungeklärt – persönliche Dinge oder andere Hinweise, die Aufschluss hätten geben können, fanden sich nicht.
Auch wenn sein Name wohl für immer verloren ist: Der Tote wird ein würdiges Grab erhalten. Er wird nach Absprache mit der russischen Botschaft gemeinsam mit anderen sowjetischen Kriegstoten bei der nächsten Einbettung auf der sowjetischen Kriegsgräberstätte in Lebus beigesetzt.
Grundlage: Kriegsgräberabkommen
Das Kriegsgräberabkommen von 1992 zwischen Deutschland und der Russischen Föderation beruht auf Gegenseitigkeit: Der Volksbund sucht und birgt deutsche Soldaten in Russland, bettet sie auf deutsche Friedhöfe um und pflegt ihre Gräber. Aber er exhumiert auch Soldaten der Roten Armee in Deutschland.
Der Volksbund ist …
… ein gemeinnütziger Verein, der im Auftrag der Bundesregierung Kriegstote im Ausland sucht, birgt und würdig bestattet. Knapp 6.000 waren es im vergangenen Jahr. Der Volksbund pflegt ihre Gräber in 45 Ländern und betreut Angehörige. Mit seinen Jugend- und Bildungsangeboten erreicht er jährlich rund 38.000 junge Menschen. Für seine Arbeit ist er dringend auf Mitgliedsbeiträge und Spenden angewiesen.
