Bewährte Zusammenarbeit: Deutsche und estnische Umbetter beim aktuellen Einsatz in Estland (© Volksbund)
Schlacht um Narva 1944 – die Spuren des Krieges im Schlamm
Volksbund und Partner exhumieren deutsche und sowjetische Soldaten in schwierigem Gelände
In diesen Tagen ist der Volksbund wieder mit seinen estnischen Partnern unterwegs, um Soldaten zu bergen, die in der Schlacht um Narva 1944 starben. Schon die Vorbereitungen in dem unwegsamen Gelände waren mühsam: Die 600 Quadratmeter große Fläche, unter der die Toten vermutet wurden, war komplett zugewachsen. Ohne schweres Gerät ist hier nichts möglich.
Nachdem die Fläche gerodet worden war, wurde eine Drainage gelegt, um den Wasserspiegel zu senken. Trotz dieser umfassenden Vorbereitungsmaßnahmen muss laufend zusätzlich Wasser abgepumpt werden. Nur so ist es möglich, die ausgehobenen Gräber trocken zu legen und zu halten.
Eine Pumpe, die die Firma Kärcher für den Umbettungsdienst gespendet hat, ist dabei zum ersten Mal im Einsatz. Sie wurde wenige Tage zuvor von Niestetal nach Narva geschickt.
Erster Einsatz für Umbetterin
Das deutsch-estnische Team hat schon im vergangenen Jahr unter schwierigen Bedingungen zusammengearbeitet. Die estnische Suchgruppe „Kamerad“ um Pavel Stimmer arbeitet mit 20 Männern, das Volksbund-Team ist mit Umbettungsleiter Artur Berger, Carl Markus Thorn und sechs freiwilligen Umbettern im Einsatz, unter ihnen Patrick Leidig. Er unterstützt den Volksbund sowohl in Deutschland als auch im Ausland und engagiert sich dabei besonders für Projekte in Estland.
Die einzige Frau im Team, Smila Olek, hat die von der Eva Mayr-Stihl-Stiftung geförderte Ausbildung beim Volksbund zur freiwilligen Umbetterin abgeschlossen und ist das erste Mal im Einsatz.
Viele Tote mit Erkennungsmarken
Seit Montag haben die Teams die Gebeine von mehr als 150 Wehrmachtssoldaten geborgen. Mehr als die Hälfte von ihnen trug noch Erkennungsmarken. Neben dem deutschen Gräberfeld stießen die Experten auf die sterblichen Überreste von 15 sowjetischen Soldaten. Die Umbetter fanden auch eine sowjetische Bakelitkapsel mit Inhalt: ein Papier mit persönlichen Daten, ein sehr seltener Fund.
Diese Kapsel entsprach bei sowjetischen Soldaten den Erkennungsmarken der Wehrmacht. Um den Namenszettel nicht zu zerstören, wird das Papier erst herausgenommen, wenn alles getrocknet ist.
Deutscher trug sowjetisches Koppel
Einer der deutschen Toten trug ein sowjetisches Koppel mit einem daran befestigten sowjetischen Orden. Auf der Rückseite ist eine Nummer eingraviert. Dieser „Orden des Roten Sterns“ wurde rund drei Millionen Mal verliehen. Der Soldat trug deutsche Uniform, außerdem eine Dose Aspirin und das Kraftfahrerbewährungsabzeichen in Bronze bei sich.
Der Volksbund wird zusammen mit den estnischen Partnern versuchen, zu klären, wer Träger des Ordens war, um ihn – nach Möglichkeit – den Angehörigen zurückzugeben. Die Gebeine der geborgenen sowjetischen Soldaten werden die Esten an die russischen Behörden übergeben, damit auch sie ein würdiges Grab erhalten.
Mehr zur Exhumierung vor fast einem Jahr: Werden wir ihn finden? – Die vermissten Toten der Narvaschlacht
Der Volksbund ist ...
… ein gemeinnütziger Verein, der im Auftrag der Bundesregierung Kriegstote im Ausland sucht, birgt und würdig bestattet. Mehr als 5.500 waren es im vergangenen Jahr. Der Volksbund pflegt ihre Gräber in 45 Ländern und betreut Angehörige. Mit seinen Jugend- und Bildungsangeboten erreicht er jährlich knapp 50.000 Menschen. Für seine Arbeit ist er dringend auf Mitgliedsbeiträge und Spenden angewiesen.
