Wo und wie kann ich mich künftig engagieren? Diese Frage stand zum Abschluss des Projekts „Against forgetting“ in Ysselsteyn im Raum, im Hintergrund die neue Ausstellung. (© Nedim Kavazović)
„Against Forgetting“: Abschluss soll nicht das Ende sein
Internationale Jugendkonferenz gründet europäisches Netzwerk für langfristiges Engagement – lokal, national und länderübergreifend
Mit einer großen Konferenz ging das internationalen Projekt „Against Forgetting“ in Ysselsteyn in den Niederlanden zu Ende. Fast 90 junge Erwachsene sowie Vertreterinnen und Vertreter der Projektpartner aus ganz Europa begrüßte der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e. V. dazu in seiner Jugendbegegnungs- und Bildungsstätte.
Im Mai 2025 war „Against Forgetting – For Peace and Solidarity in Europe“ in Berlin an den Start gegangen. Es folgten sechs internationale Jugendbegegnungen, bei denen sich junge Menschen aus unterschiedlichen europäischen Ländern mit den Folgen von Krieg und Gewalt sowie mit Kriegsverbrechen des 20. Jahrhunderts auseinandersetzten.
Im Mittelpunkt stand die Frage, wie die Erinnerung an diese Verbrechen heute gestaltet werden kann und welche Bedeutung sie für Frieden, Demokratie und Solidarität in Europa hat. Die Ergebnisse wurden in Ysselsteyn präsentiert: eine Wanderausstellung und ein Podcast. Bei jeder Jugendbegegnung waren Teile entstanden.
Europäisches Wiedersehen in Ysselsteyn
Für viele war die Konferenz ein Wiedersehen mit denen, die sie bei den Jugendbegegnungen kennengelernt hatten. Bereits am Anreisetag wurde deutlich, wie eng die im Laufe des Projekts entstandenen Kontakte und Freundschaften geworden sind.
Elf Nationen waren vertreten. Die Konferenz bot damit einen außergewöhnlichen Raum für internationalen Austausch, neue Begegnungen und die Weiterentwicklung des Netzwerks, das in den vergangenen 14 Monaten entstanden ist.
Netzwerk vereint Jugendbotschafter
Viele wünschten sich dasselbe: dass sie weiter in Kontakt bleiben, sich weiterbilden und sich gemeinsam für Frieden, Demokratie und Menschenrechte einsetzen.
Darum stand in Ysselsteyn die Gründung des Youth Ambassadors Network im Mittelpunkt. Es soll jungen Menschen nach Projektende Möglichkeiten für Engagement, Weiterbildung und internationale Zusammenarbeit eröffnen.
Erinnern – mit Blick auf die Zukunft
In Workshops diskutierten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer, welche Aufgaben sie übernehmen können und wie das Netzwerk ausgebaut werden soll. Dabei wurde deutlich, dass die jungen Menschen ihre Rolle nicht nur als Erinnerungsbotschafter verstehen, sondern den Blick auch in die Zukunft richten, indem sie sich für Demokratie, Solidarität und internationale Verständigung einsetzen.
Die Projektpartner stellten konkrete Möglichkeiten und Angebote für solches Engagement vor. Sie reichen von der Mitwirkung an Bildungsprojekten und internationalen Jugendbegegnungen über die Unterstützung bei Ausstellungen und Veranstaltungen bis hin zu Fortbildungen, Stipendien und der Beteiligung in den jeweiligen Partnerorganisationen. So entstanden bereits während der Konferenz erste Perspektiven für langfristiges Engagement auf lokaler, nationaler und internationaler Ebene.
Lernen, erinnern und Zukunft gestalten
Darüber hinaus lernten die jungen Gäste die Kriegsgräberstätte Ysselsteyn kennen – die einzige deutsche Kriegsgräberstätte in den Niederlanden mit rund 32.000 Toten und die flächenmäßig größte vom Volksbund betreute Anlage. Außerdem diskutierten sie die Ergebnisse der Jugendbegegnungen und ihre persönlichen Erfahrungen.
Stolz auf die Ergebnisse
Spannend für alle war die Präsentation der Projektergebnisse. Viele Teilnehmerinnen und Teilnehmer sahen die Wanderausstellung erstmals in ihrer endgültigen Form. Bei einem „Gallery Walk” hatten sie sie schon erkundet und waren stolz auf die gemeinsamen Ergebnisse. Zahlreiche Teilnehmende entdeckten ihre eigenen Beiträge wieder und diskutierten die Geschichten und Perspektiven, die in der Ausstellung sichtbar werden.
Großes Interesse galt auch dem Podcast. Für viele war es ein bewegender Moment, die Stimmen von neuen Freundinnen und Freunden wieder zu hören. All das zeigt: Die jungen Menschen haben nicht nur am Projekt teilgenommen, sondern die Inhalte mitgestaltet und identifizieren sich sehr mit den Ergebnissen.
Gemeinschaft über Grenzen hinweg
Besonders beeindruckend war, wie schnell wieder ein Gemeinschaftsgefühl entstand. Viele kannten sich, viele knüpften aber auch neue Kontakte. Über Sprach- und Ländergrenzen hinweg wurde diskutiert, gelernt, gespielt und gemeinsam an Ideen für die Zukunft gearbeitet.
Auch für den Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge und seine europäischen Partner endet das Engagement an dieser Stelle nicht. Ziel bleibt es, die Motivation und Energie der jungen Menschen aufzugreifen und ihnen auch künftig Möglichkeiten zur Mitgestaltung in der internationalen Bildungs- und Erinnerungsarbeit zu eröffnen und ihre Ideen aufzugreifen und in neuen Projekten umzusetzen. Grundlage: das Youth Ambassadors Network.
Nur dank EU-Förderung möglich
Das Projekt „Against Forgetting – For Solidarity and Peace in Europe” wurde aus dem Programm „CERV” der EU-Kommission gefördert. Ohne diese Unterstützung wären die internationalen Begegnungen, die Reisen dorthin und die Teilnahme so vieler junger Menschen aus ganz Europa nicht möglich gewesen. Die Förderung hat einen wichtigen Beitrag dazu geleistet, Begegnung, Austausch und gemeinsames Lernen über Grenzen hinweg zu ermöglichen und junge Menschen für Frieden, Solidarität und Demokratie in Europa zu stärken.
Podcast und Ausstellung
Die Ausstellung ist online in sieben Sprachen zu sehen (deutsche Übersetzung). Nach Stationen in den am Projekt beteiligten Ländern wird sie im September in Euskirchen und im November in Syke gezeigt. Im Herbst geht es abschließend durch Frankreich.
Der Podcast steht auf Englisch zur Verfügung, ergänzt durch Transkriptionen in vier Sprachen, eine davon in Deutsch.
Mehr zum Projekt unter against-forgetting.eu.
Text: Pawel Prokop, Leiter des Referats Internationale Jugendbegegnungen
Kontakt
Der Volksbund ist …
… ein gemeinnütziger Verein, der im Auftrag der Bundesregierung Kriegstote im Ausland sucht, birgt und würdig bestattet. Mehr als 5.500 waren es im vergangenen Jahr. Der Volksbund pflegt ihre Gräber in 45 Ländern und betreut Angehörige. Mit seinen Jugend- und Bildungsangeboten erreicht er jährlich knapp 50.000 Menschen. Für seine Arbeit ist er dringend auf Mitgliedsbeiträge und Spenden angewiesen.