Beim Reinigen und Lackieren der Grabkreuze (© Wilfried Hötzel)
Schweißtreibender Einsatz
Reservisten, Soldaten und Zivlisten aus NRW pflegen Kriegsgräber bei Verdun
Servon-Melzicourt / Steinfurt / Kalkar. Auch in diesem Jahr, vom 15. bis 26. Juni, ging es für Reservisten der Kreisgruppe Steinfurt, unterstützt von zwei Soldaten des Air Component Command aus Kalkar und einer Zivilistin, wieder im Auftrag des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge e.V., nach Frankreich. Ziel: eine Kriegsgräberstätte aus dem Ersten Weltkrieg in Servon-Melzicourt, etwa 55 km westlich von Verdun.
Auf dieser Kriegsgräberstätte sind 8.182 Soldaten begraben. Die Kreuze mit den Namen der Gefallenen waren stark korrodiert und mussten abgeschliffen werden. Anschließend wurden sie komplett schwarz lackiert. Danach wurde die erhabene Schrift wieder blank geschliffen und zum Schluss wurde das Kreuz mit einer durchsichtigen Schutzlasur versehen.
Dank der Gruppe, die vor uns die Kreuze gesäubert und schwarz angestrichen hatte, mussten wir erst einmal eine Schutzfolie aufkleben und dann die erhabene Schrift blank schmirgeln. In den Morgenstunden ging die Arbeit flott von der Hand, denn ein Teil der Kreuze lag noch im Schatten, aber die Temperatur stieg in der ersten Woche auf etwa 28 Grad. Zwei kleine Pavillons gaben etwas Schatten. Mineralwasser wurde jedoch zum ständigen Begleiter
Am Samstag war eine Exkursion angesagt. Es ging dann über das amerikanische Denkmal Montfaucon d‘Argonne zum geschichtsträchtigen Beinhaus von Douaumont. Hier ruhen die Gebeine von über 130.000 deutschen und französischen Gefallenen aus dem Ersten Weltkrieg. Am 22. September 1984 gaben sich hier der deutsche Bundeskanzler Helmut Kohl und der französische Staatspräsident Francois Mitterand zur Versöhnung die Hand. Ein beeindruckender Ort, an dem man sich fragt: „Hat man denn gar nichts aus der Geschichte gelernt?“
Weiter ging es zum Besuch der unterirdischen Zitadelle in Verdun. Innentemperatur 8 Grad, außen über 30 Grad. Noch ein kurzer Besuch des Monument de la Victoire und anschließend zurück zur Unterkunft ins Camp der französischen Armee in Suippes.
Auch wenn es ein anstrengender Samstag war, entschlossen wir uns, am Sonntag zum Chemin des Dames mit seinen vielen Gedenkstätten zu fahren und hier unter anderen die Drachenhöhle (Caverne du Dragon) zu besichtigen. Alles Orte die einem die Sprache versschlagen.
Nach dem geschichtsträchtigen Wochenende wurde die Arbeit auf der Kriegsgräberstätte fortgesetzt. Da die Temperaturen aber schnell die 38-Grad-Marke erreichten und der Schutzlack zu schnell trocknete, entschlossen wir uns, bereits um sechs Uhr morgens anzufangen. So gelang es uns, die Arbeit zu beenden und sogar das Eingangstor noch zu lackieren.
Am Donnerstag wurde zum Gedenken an die Gefallenen bei einer kleinen Gedenkfeier ein Kranz auf der Kriegsgräberstätte niedergelegt. Einen letzten Gruß gab es mit dem Lied „Ich hatt‘ einen Kameraden“.
Am Freitagmorgen ging es nach dem Stuben- und Revierreinigen wieder zurück in die Heimat.
Text und Fotos: Wilfried Hötzel