Deutsche Gräber des Zweiten Weltkrieges auf dem Friedhof der Stadt Aljézur (© F. Grunau)
Erinnern und Gedenken an der Algarve
Unerwartete Urlaubsentdeckung in Portugal
Essen. Aljézur (Portugal). Eine besondere “Sehenswürdigkeit” besichtigte der Essener Falko Grunau während eines Urlaubs in Portugal zu Beginn des Jahres 2026. Ein Reiseführer rechnet sie zu “111 Orten an der Algarve, die man gesehen haben muss”. Folgendes konnte er zu sechs deutschen Kriegsgräbern auf dem Friedhof der Kleinstadt Aljézur im Süden Portuals in Erfahrung bringen:
„Am 9. Juli 1943 fanden sieben Angehörige der Deutschen Luftwaffe nach einem Luftkampf zwischen vier deutschen Fernaufklärern des Kampfgeschwaders 40, stationiert im französischen Bordeaux-Merignac, mit drei englischen Nachtjägern an der Südwestküste Portugals den Tod. Gegen 3 Uhr 30 a.m. wurden diese durch in Gibraltar stationierte englische Beaufighter angegriffen. Die Focke-Wulf 200 mit der Kennung F8 NT stürzte auf die Klippen ‚Ponte de Atalaia/Arrifana‘, die anderen drei deutschen Maschinen kehrten nach Frankreich zurück.
Bewohner der benachbarten Stadt Aljézur bargen die getöteten Luftwaffensoldaten und bestatteten sie auf dem örtlichen Friedhof, wo sie ihre letzte Ruhestätte fanden.
Unter weißen steinernen Grabplatten mit ihren eingravierten Namen, Dienstgraden und Geburtsdaten liegen bestattet :
Leutnant Günter Nikolaus, geb. 06. 01. 1920
Feldwebel Johann Bauer, geb. 19. 04. 1917
Unteroffizier Martin Angermann, geb. 07. 07. 1918
Unteroffizier Werner Rieck, geb. 11. 02. 1921
Unteroffizier Hans Weigert, geb. 10. 08. 1920
Unteroffizier Walter Rech, geb. 08. 08. 1921
Obergefreiter Ernst Herpich, geb. 18. 09. 1920
Wegen der neutralen Politik Portugals während des Zweiten Weltkrieges fanden die Geschehnisse keine große Öffentlichkeit.
Regelmäßig findet am Volkstrauertag um 11 Uhr auf dem Cemitério de Aljézur eine Gedenkveranstaltung statt, an der der deutsche Honorarkonsul, Vertreter der Stadt, Bürgerinnen und Bürger, darunter viele Angehörige der hier zahlreich ansässigen deutschen Residenten, eine Delegation der ‚British Royal Legion‘, ein deutscher Offizier der NATO-Dienststelle in Lissabon und weitere alliierte Vertreter anwesend sind. Die musikalische Umrahmung gestaltet der ‚Coro International de Aljézur‘.
Der portugiesische Autor José Augusto Rodrigues hat die Ereignisse vom 9. Juli 1943 in seinem Buch ‚A Batalha de Aljezur“ für die Nachwelt erhalten.“
Text und Bilder: Falko Grunau