Zum Inhalt springen

Später Abschied

Kriegstote des Zweiten Weltkrieges beigesetzt

Wesel/Essen (15.07.2026). Mehr als 81 Jahre nach Ende des Zweiten Weltkrieges wurden auf der Kriegsgräberstätte Diersfordter Wald im Kreis Wesel vier Kriegstote des Zweiten Weltkrieges beigesetzt. Auf Einladung des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge e.V., Landesverband NRW, nahmen Vertreterinnen und Vertreter des Kreises und der Stadt Wesel sowie ein Geistlicher an einer feierlichen Bestattungszeremonie im kleinen Kreis teil. Auch der WDR berichtete.

„Vielleicht hat damals niemand Abschied nehmen können. Vielleicht hat niemand um diese vier Männer geweint. Vielleicht wussten ihre Familien niemals, wo sie geblieben sind“, vermutet Pfarrer Marco Dennig von der Evangelischen Kirchengemeinde zwischen Issel und Rhein in seinen Gedenkworten. „Heute, mehr als achtzig Jahre später, holen wir diesen Abschied nach. Spät. Sehr spät. Aber nicht zu spät.“

Die Toten waren im November 2025 und im Juni 2026 an zwei verschiedenen Orten in Wesel gefunden und vom Umbetter des Volksbundes NRW geborgen worden. Ihre Identität ist unklar. Fundsachen und die räumliche Situation, in der die sterblichen Überreste gefunden wurden, weisen eindeutig darauf hin, dass es sich um deutsche Gefallene des Zweiten Weltkrieges handelt. Aufgrund heftiger Gefechte im Frühjahr 1945 sind Funde von Kriegstoten im Raum Wesel keine Seltenheit. Dabei werden durch illegale Suche nach Militaria und durch unsachgemäßen Umgang oft Spuren zerstört, die zur Identitätsklärung beitragen können.

Einen Psalm, das Vaterunser, eine Fürbitte und einen Segen gab der Geistliche den Toten mit auf den Weg. „Der gute Kamerad“, das militärische Totensignal, rundete die Veranstaltung ab. Zwölf Mitwirkende, darunter Vertreter des Kreises und der Stadt Wesel, und vier zufällige Gäste waren Zeugen der kleinen, aber würdevollen Zeremonie.

„Möge dieses Grab nicht nur ihre letzte Ruhestätte sein“, bat Pfarrer Dennig. „Möge es zugleich eine Mahnung sein, dass Krieg niemals nur Geschichte ist, dass hinter jeder Zahl ein Mensch steht.“

Der Volksbund versucht mit Hilfe des Bundesarchivs, die Toten zu identifzieren. Nach dem Gräbergesetz unterliegen sie dem dauernden Ruherecht und erhalten ein Grab auf einer Kriegsgräberstätte. Der Volksbund bittet Bürgerinnen und Bürger, die am Niederrhein auf Gebeine, Waffen oder andere uniformähnliche Gegenstände stoßen, umgehend die örtliche Polizeibehörde oder den Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge, Landesverband NRW, zu informieren. 

Stefan Schmidt