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Erinnern & Gedenken

Verständigung, Versöhnung & Frieden

Der Volksbund ist ein gemeinnütziger Verein, der es sich zur Aufgabe gemacht, die Gräber der deutschen Kriegstoten im Ausland zu erfassen, zu erhalten und zu pflegen.

Wir gestalten öffentliches Gedenken und suchen nach Wegen dialogischen Erinnerns. So wollen wir die unterschiedlichen historischen Erfahrungen und Erinnerungskulturen unserer europäischen Nachbarn kennenlernen und verstehen. Darüber hinaus unterstützen wir das würdige Andenken an alle, die Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft waren.

„Wer sich nicht seiner Vergangenheit erinnert, ist verurteilt, sie zu wiederholen.“

George Santayana

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„Erinnerung sollte mehr sein als nur Rückblick“

75 Jahre Stiftung Kriegsgräberfürsorge in den Niederlanden – internationales Gedenken mit differenzierterem Blick

Gemeinsames internationales Gedenken wird wichtiger in den Niederlanden – und damit auch eine differenziertere Sicht auf die Geschichte. Das wurde bei einer feierlichen Auftaktveranstaltung zu 75 Jahre Oorlogsgravenstichting (OGS) auf dem Nationalen Ehrenfeld in Loenen deutlich. Dazu hatte die OGS, die niederländische Stiftung Kriegsgräberfürsorge und Partnerorganisation des Volksbundes, eingeladen. Für den Volksbund war Stefan Dworak, der stellvertretender Generalsekretär, dabei.

Mit einer Umfrage hatte die Stiftung zuvor in den Niederlanden die Bedeutung des Gedenkens untersuchen lassen. Das Ergebnis unter anderem: Sechs von zehn Befragten glauben, dass ein gemeinsames Erinnern mit  anderen Ländern zu einer stärkeren Verbindung führt.

„Die Erinnerung kann ehemalige Feinde durch gemeinsamen Schmerz und Verlust versöhnen“, sagte der Präsident der Stiftung, Piet Hein Donner, in seiner Rede. Dabei ging er auch auf die Problematik der Helden, Täter und Opfer ein – das aktuelle Drei-Jahresthema des Volksbundes. „Wir müssen uns davor hüten, jeden als gleiches Opfer zu sehen oder die unverkennbaren Unterschiede in einem grauen Zwielicht verschwinden zu lassen, in dem alles mit allem verglichen und gleichgesetzt wird.“
 

„Menschen sind zu vielen Rollen fähig“

Wenn „klarer verstanden würde, dass wir Angehörige und Erben sowohl von Mutigen und Opfern als auch von Kollaborateuren und, ja, von Tätern sind“, würde das Gedenken an Bedeutung gewinnen, sagte der OGS-Präsident. Menschen seien zu vielen Rollen fähig. „Wenn wir uns dies häufiger bewusst machen, wird das Gedenken an die Vergangenheit auch für die Gegenwart relevanter. Wir müssen in der Lage sein, der Vergangenheit ins Gesicht zu sehen, um gemeinsam in die Zukunft blicken zu können.“

Professor Hans Boutellier interpretierte die Ergebnisse der Umfrage bei der Jubiläumsfeier so: „Viele Niederländer scheinen die internationale Bedeutung des Gedenkens zu verstehen. Es gibt sogar ein gewisses Verständnis für das individuelle Leid der früheren Feinde. Genauso wie wir umgekehrt verstehen können, dass die Niederländer zu Kriegsopfern wurden, während sie für andere der Aggressor waren. Indem wir konkretes Leid empfinden, erheben wir uns über einfache Darstellungen der Vergangenheit.
 

Blick auf die Geschichte ausweiten

„Das Ergebnis der Umfrage fasziniert mich", sagte Theo Vleugels, Direktor der Stiftung, in einem Radio-Interview. „Die Idee ist, dass Erinnerung mehr sein sollte als nur der Rückblick.“ In den Niederlanden sei das Gedenken noch sehr opferorientiert und nach innen gerichtet. Wenn man der Jugend Gedenken näherbringen wolle, müsse man den Blick auf die Geschichte ausweiten, sagte Vleugels.
 

„Man muss auch auf die Schattenseite schauen. Ansonsten erzählt man nur die halbe Geschichte.“

Theo Vleugels, Direktor der Oorlogsgravenstichting

„Es geht also um dunkle Seiten des Krieges, um die Menschen, die weggeschaut oder Verrat begangen haben.“ Dieses Bild sei auch Teil des Zweiten Weltkrieges und spiele beim Gedenken bisher keine Rolle, sagte Vleugels. Auch wenn man Konflikte jüngeren Datums einbeziehe – er nannte Niederländisch-Indien, das heutige Indonesien als Beispiel –, dann müsse man mehr betrachten als nur die Opferseite. „Man muss auch auf die Schattenseite schauen. Ansonsten erzählt man nur die halbe Geschichte.“
 

Vom Gedenken zum Nachdenken

Gedenken solle sich nicht darauf konzentrieren, die Vergangenheit lebendig zu halten, sondern darauf, in der Gegenwart wach zu bleiben und die Zukunft lebenswert zu gestalten, hatte Präsident Donner in Loenen betont. „Es geht um das Gedenken, das zum Erinnern wird und zum Nachdenken führt: die Vergangenheit ständig im Gedächtnis behalten, um sie in der Gegenwart zu lehren, damit sie in der Zukunft Früchte trägt.“ Frieden, Rechte und Freiheit seien kein dauerhaft stabiler Zustand, sondern eine Errungenschaft, die ständige Pflege, Sorgfalt und Wachsamkeit erfordere.

Nicht nur an diesem Tag, am 2. Oktober, stand das 75-jährige Bestehen der Oorlogsgravenstichting im Mittelpunkt: Ein ganzes Jahr lang sollen weitere Veranstaltungen folgen.

Europäische Kontaktgruppe setzt Zeichen

Nur wenige Tage später setzten der Volksbund, die Oorlogsgravenstichting und Partnerorganisationen aus weiteren elf Ländern ein sichtbares Zeichen: Sie bilden die Europäische Kontaktgruppe, die zu ihrem jährlichen Treffen im niederländischen Ysselsteyn auf der Kriegsgräberstätte zusammenkam. Dort besuchte sie auch das neue Besucherzentrum und besichtigte die moderne Ausstellung. Ysselsteyn ist mit Blick auf die Fläche die größte deutsche Kriegsgräberstätte weltweit. Mehr als 31.700 Kriegstote sind hier begraben. Außerdem unterhält der Volksbund dort eine Jugendbegegnungs- und Bildungsstätte.
 

Hintergrund

Rund 50.000 Gräber pflegt die Oorlogsgravenstichting auf 30 Kriegsgräberstätten weltweit – vor allem in den früheren Kolonialgebieten – und hält die Erinnerung an mehr als 180.000 niederländische Opfer von Krieg und Besatzung wach. In den Niederlanden sind es vor allem zivile Opfer. Grundsätzlich kümmert sie sich nicht nur um das Andenken an die Opfer des Zweiten Weltkrieges, sondern auch von Kriegen und Friedensmissionen in der Zeit danach.

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