Schülerinnen und Schüler sowie Verantwortliche der Eichendorffschule in Wolfsburg haben die Patenschaft aufgebaut. In der Mitte: die Initiatorin des Projekts Susanne Wolf mit Michael Gandt, Geschäftsführer des Volksbund-Bezirksverbandes Braunschweig (links), und Dr. Vasco Kretschmann, Leiter des Fachbereichs Friedenspädagogisches Arbeiten an Schulen und Hochschulen (rechts) (© Volksbund)
Erste Schulpatenschaft für Kriegsgräberstätte im Ausland
Wolfsburger Schule engagiert sich im irischen Glencree – neue Perspektive für die Kriegsgräberfürsorge
Im Inland erprobt, nun erstmals auch im Ausland verwirklicht: Schulpatenschaften für Kriegsgräberstätten. Schulen vereinbaren mit dem jeweiligen Friedhofsträger, dass sie die Kriegsgräber pflegen und als Lernort nutzen. Ist so ein Bildungsprojekt an einer Schule institutionalisiert, wirkt es nachhaltig und dauerhaft. Mit ihrem Engagement für die deutsche Kriegsgräberstätte in Glencree übernimmt die Eichendorffschule Wolfsburg nun eine Vorreiterrolle.
Susanne Wolf ist seit vielen Jahren Kontaktlehrerin der Schule für den Bezirksverband Braunschweig. Sie regte 2021 die Beschäftigung mit dem Friedhof in Glencree (Irland) an. Seitdem reisten vier Schülergruppen dorthin, machte die Fachgruppe der Englischlehrer auf dem Friedhof eine Fortbildung. Die Schülerinnen und Schüler reinigten die Grabsteine und erarbeiteten Biographien der Toten. Ihre Texte können in deutscher und englischer Sprache über QR-Codes an den Gräbern abgerufen werden.
Raum für Mitwirkung
Inzwischen ist das Projekt so fest an der Eichendorffschule etabliert, dass die Schülerinnen und Schüler der älteren Jahrgänge, die in der Mittelstufe daran teilnahmen, die Planung des Aufenthalts in Irland selbst übernehmen. Im Hintergrund begleitet Susanne Wolf alle Aktivitäten.
Der Volksbund wünscht sich, so ist es in seinem Leitbild formuliert, „dass junge Menschen Erinnern und Gedenken selbstständig gestalten. Sie erhalten Raum für verantwortliche Mitwirkung. Dies ist eine Voraussetzung für die Kriegsgräberfürsorge der Zukunft.“ Die Eichendorffschule setzt dieses Ziel in so vorbildlicher Weise um, dass der Bezirksverband Braunschweig anregte, die Arbeit durch einen Patenschaftsvertrag fest zu institutionalisieren.
Urkunde feierlich überreicht
Der Fachbereich Friedenpädagogisches Arbeiten an Schulen und Hochschulen griff diesen Vorschlag gerne auf und sorgte dafür, dass ein entsprechender Vertrag aufgesetzt wurde – ein Pilotprojekt. Fachbereichsleiter Dr. Vasco Kretschmann kam im Dezember nach Wolfsburg und übergab in einer Feierstunde die Patenschaftsurkunde.
Er dankte der Schulleitung und Frau Wolf für ihren unermüdlichen Einsatz und wünschte, dass diese erste Schulpatenschaft für eine Kriegsgräberstätte im Ausland ein Vorbild werde und zahlreiche Nachfolger finde.
„Von Herzen kommendes Engagement ”
Schulleiter Christian Lübke betonte die gute Zusammenarbeit zwischen dem Bezirksverband Braunschweig und seinem Haus – einer katholischen Schule in der Trägerschaft des Bistums Hildesheim. Holger Skremm, Schulrat im Kirchendienst und Vertreter des Bistums, zeigte sich in seinem Grußwort beeindruckt von der Arbeit der Schülerinnen und Schüler: „ein ernsthaftes, verlässliches und von Herzen kommendes Engagement für Frieden, Erinnerung und Versöhnung.“
Kriegsgräberfürsorge der Zukunft
Das Engagement der Schülerinnen und Schüler der Eichendorffschule – unterstützt von Lehrerinnen und Lehrern, die den Werten unserer freiheitlichen Demokratie verpflichtet sind – eröffnet eine neue Perspektive für die Kriegsgräberfürsorge. Schulpatenschaften für Kriegsgräberstätten im Ausland sind ein Weg, die Arbeit des Volksbundes noch fester im öffentlichen Bewusstsein zu verankern.
Text: Dr. Rainer Bendick, Bildungsreferent im Bezirksverband Braunschweig
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Der Volksbund ist...
… ein gemeinnütziger Verein, der im Auftrag der Bundesregierung Kriegstote im Ausland sucht, birgt und würdig bestattet. Knapp 6.000 waren es im vergangenen Jahr. Der Volksbund pflegt ihre Gräber in 45 Ländern und betreut Angehörige. Mit seinen Jugend- und Bildungsangeboten erreicht er jährlich rund 38.000 junge Menschen. Für seine Arbeit ist er dringend auf Mitgliedsbeiträge und Spenden angewiesen.
