Dr. Ekkehard Hallensleben folgte als Kind dem Vater im November 1943 nach Warschau – auch davon erzählt er im Zeitzeugen-Interview. (© Simone Schmid)
„Es ist ein ganz persönlicher Schmerz“
Zeitzeugen-Projekt – Gespräch mit Dr. Ekkehard Hallensleben (96) aus Bonn, dessen Vater seit Januar 1945 vermisst ist
„Nicht nur tot, sondern auch vermisst – das heißt: Man weiß nichts Genaues –, das hat mich bis heute beschäftigt”, sagte Dr. Ekkehard Hallensleben. 14 Jahre war er alt, als sich die Spur des Vaters im Januar 1945 in Oberschlesien verlor. Im Rahmen des Zeitzeugen-Projekts des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge e. V. erzählt der 96-Jährige von seiner Kindheit in Celle, Braunschweig und Warschau, vom Kriegsende in Oldenburg und wie er ohne Vater erwachsen wurde.
An immer neuen Orten zu Hause sein – das kannte Ekkehard Hallensleben schon aus seiner Kindheit. Auch als Erwachsener nahm er diese Herausforderung an: Er studierte im Nachkriegsdeutschland Literaturwissenschaften und schlug eine Laufbahn im Auswärtigen Dienst ein.
Ein „neues, besseres Deutschland“
Das führte ihn nach Belgrad, Brasilia und Kairo. Dabei war es ihm ein Anliegen, das Bild eines Deutschlands zu zeichnen, das sich nach dem Zweiten Weltkrieg verändert hatte – eines „neuen, besseren Deutschlands“.
Das Schicksal seines Vaters lässt ihn nicht los und mit Blick auf die Jahre ohne ihn spricht der 96-Jährige von einem „ganz persönlichen Schmerz”. Ekkehard Hallensleben besuchte mehrmals den Ort Schrotkirch (polnisch: Pniów), wo sein Vater zuletzt gesehen wurde, und begab sich auf Spurensuche – bis jetzt ohne Ergebnis.
Name auf Friedhof verzeichnet
Auch der intensive Kontakt zum Volksbund brachte keine neuen Erkenntnisse. Der Name des Vaters, Eberhard Hallensleben, ist auf Initiative seines Sohnes im Namenbuch der deutschen Kriegsgräberstätte Laurahütte (polnisch: Siemianowice Śląskie) verzeichnet.
Das Gespräch führten Melissa Grosche (Zeitzeugen-Projekt) und Simone Schmid (Video).
Das Zeitzeugen-Projekt
Videos von Gesprächen über den Zweiten Weltkrieg veröffentlicht der Volksbund seit einigen Jahren. Dank des Zeitzeugen-Projekts kommen jetzt weitere hinzu. Sie gehören zu #volksbundhistory – einer Rubrik, unter der der Volksbund einen Blog, Biographien, Ausstellungen und eben diese Videos bündelt. Aus schriftlichen Erinnerungen ist das jüngste Buch entstanden (Band 24 der Volksbund-Reihe): „Erinnerungen – Wie der Zweite Weltkrieg zu Ende ging”. Gerne kostenfrei bestellen – der Volksbund freut sich über eine Spende!
Der Volksbund ist …
… ein gemeinnütziger Verein, der im Auftrag der Bundesregierung Kriegstote im Ausland sucht, birgt und würdig bestattet. Knapp 6.000 waren es im vergangenen Jahr. Der Volksbund pflegt ihre Gräber in 45 Ländern und betreut Angehörige. Mit seinen Jugend- und Bildungsangeboten erreicht er jährlich rund 38.000 junge Menschen. Für seine Arbeit ist er dringend auf Mitgliedsbeiträge und Spenden angewiesen.
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