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Internationales Gedenken zur Ausstellungs-Eröffnung in Cassino

Volksbund-Vorstand begrüßt italienische, polnische, französische und deutsche Redner und Ehrengäste

Die Schlacht um den Monte Cassino ist eine Legende – eine blutige. Von Januar bis Mai 1944 tobten in Mittelitalien erbitterte Kämpfe zwischen Deutschland und den alliierten Gegnern, zehntausende Soldaten starben. An diesem 18. Mai – 78 Jahre nach dem Rückzug der Wehrmacht – gedachten Vertreter Deutschlands, Italiens, Polens, Frankreichs und des Volksbundes aller Opfer und eröffneten die neue Dauerausstellung auf der Kriegsgräberstätte Cassino.

 

„Die Erinnerung an die Kämpfe um den Monte Cassino hat in der Gedenkkultur vieler Nationen eine ganz besondere Bedeutung“, sagte Detlef Fritzsch aus dem Volksbund-Bundesvorstand. Er erinnerte daran, dass der Monte Cassino eine „europäische Dimension“ habe. Schließlich hatten den Fallschirmjägern und anderen Einheiten der Wehrmacht Soldaten aus Großbritannien, USA, Kanada, Australien, Neuseeland, Indien und den französischen Kolonien gegenüber gestanden –  aber auch polnische und italienische Kampfverbände.

Die Schlacht, so Fritzsch, stehe für „eine der historischen Zäsuren“, die zu einem Europa geführt hätten, das durch Freiheit, Demokratie und die Gewährung von Menschenrechten weltweit anerkannt sei. Dass aus diesem internationalen Gegeneinander ein friedliches Miteinander der Völker geworden ist, sei eine der wichtigsten Botschaften an diesem Tag.
 

Gedanken sind auch in der Ukraine

Aus Rom war zu der Gedenkfeier am Hochkreuz des weitläufigen Friedhofes Annette Walter als Vertreterin der Deutschen Botschaft angereist. Sie sagte: „Hier in Cassino starben Zehntausende Menschen aus vielen Ländern in einer monatelangen, aufreibenden Schlacht. Das Bewusstsein wiegt schwer, dass es meine Landsleute waren, die diesen Krieg verursacht hatten.“

Deshalb, so die offizielle Vertreterin der Bundesrepublik, sei sie um so dankbarer, dass die einstigen Feinde heute gemeinsam der Toten gedenken. „Meine Gedanken sind heute auch bei den vielen, vielen Menschen in der Ukraine und in Russland, die infolge von Putins verbrecherischem Angriffskrieg um ihre toten Angehörigen und Freunde trauern.“

Neben dem Bundesvorsitzenden Detlef Fritzsch vertraten auch Vorstandskollege Tore May sowie der baden-württembergischen Landesvorsitzende Guido Wolf den Volksbund. Sie freuten sich über die rege Beteiligung an der Gedenkfeier am 18. Mai, dem so genannten Cassino-Tag.

Unablässige Suche nach Frieden

Von Cassino und dem Zweiten Weltkrieg als einer „Tragödie unserer beiden Nationen, der deutschen und der italienischen”, sprach Francesco Carlino, stellvertretender Bürgermeister der Stadt Cassino.

Die Feierlichkeiten zum 78. Jahrestag der Schlacht fänden in diesem Jahr zu einer Zeit statt, in der man befürchten müsse, dass sich das Geschehene wiederholen könne. Deshalb sei es „unsere Pflicht, uns an das Geschehene zu erinnern, vor einer Wiederholung zu warnen” und sich für die „unablässige Suche nach Frieden einzusetzen”.

Die Friedensbotschafter-Generation

Für den Landesverband Baden-Württemberg betonte deren Landesvorsitzender Guido Wolf, dass „Gedenken und die Mahnung zum Frieden zeitgemäßer denn je” sei. Aus dem Gegeneinander der Nationen sei in der Folge der Cassino-Schlachten ein „Miteinander” geworden, auch und gerade in der Jugendarbeit. Wolf sagte mit Blick auf die Jugendlichen, die über ihr Engagement für den Volksbund sprachen: „Diese Generation ist unsere Friedensbotschafter-Generation”.

Junge deutsch-polnische Stimmen

Als Vertreter der nächsten Generation begrüßte Lenya Misselwitz aus Speyer die Gäste. Der Ururgroßvater der 17-Jährigen war im Ersten Weltkrieg bei Verdun gefallen, schon als Neunjährige habe sie sein Grab besucht: „Ich war schockiert über die vielen Toten, die ein Krieg kostet.“ Umso wichtiger sei die Aufgabe des Volksbundes heute: „Wir müssen aus der Geschichte lernen.“

Nach ihr sprach mit Julian Borysławski ein gebürtiger Pole, dessen Vorfahren im Zweiten Weltkrieg auf deutscher, polnischer und britischer Seite gekämpft hatten. Er habe den Volksbund bei einem Workcamp 2019 in Magdeburg kennengelernt. Die Botschaft des 19-Jährigen aus Zabrze (Hindenburg) an diesem für einen jungen Polen historisch bedeutsamen Ort: „Wir dürfen nicht zulassen, dass eine weitere Generation junger Europäer verloren geht. Erinnern wir uns also an diejenigen, deren Leben vor 80 Jahren an den Hängen dieser Hügel endete.“

Drei Sprachen, viele Perspektiven

Zuvor war bereits die neue Dauerausstellung des Volksbundes eröffnet worden. Auf zahlreichen Wandtafeln, in einem zehnminütigen Film und an zwei Medienstationen geht es um den wechselvollen Verlauf des Krieges in Italien, den besonderen Standort der Kriegsgräberstätte unterhalb der 1944 zerstörten Abtei Montecassino sowie die mehr als 100-jährige Geschichte des Volksbundes und seine vielfältige Jugend- und Bildungsarbeit. Die Ausstellung ist dreisprachig, multiperspektivisch und nachhaltig gebaut.

Dr. Dirk Reitz, Landesgeschäftsführer in Sachsen, hielt die Laudatio zur Eröffnung der Ausstellung, die im Rahmen der „19für19“-Reihe des Volksbundes entstanden war. „Sie soll ihr Publikum zum Nachdenken anregen, ohne ihm verbindliche Schlüsse vorzugeben. Möge also diese Ausstellung viele interessierte Besucher anziehen und diese motivieren, die elementaren Fragen von Frieden und Krieg zu reflektieren.“

 

Fünf Nationen vertreten

Detlef Fritzsch hatte die zahlreichen Gäste begrüßt. Besonders freuten sich die Gastgeber, dass fünf Nationen vertreten waren: Polen mit Botschaftsrat Szymon Wojtasik (Leiter der wirtschaftspolitischen Abteilung der Botschaft in Rom), Frankreich mit dem Verteidigungsattaché Konteradmiral Jérome Theillier, Italien mit Enzo Maria D’Aguanno (Abteilungsdirektor aus dem Verteidigungsministerium), Deutschland mit Annette Walter und Großbritannien mit Geert Bekaert von der Commomwealth War Graves Commission – der britischen Partnerorganisation des Volksbundes.Für Italien hatte Fritzsch außerdem neben Francesco Carlino Bürgermeister weiterer Gemeinden der Region sowie Polizei-Vertreter willkommen geheißen. Christoph Schwarz, Bundeswehrbeauftragter für Baden-Württemberg, moderierte die Veranstaltung, Nancy Menegoni von der Volksbund-Geschäftsstelle Süd in Pomezia übersetzte.

 

Dank an Pflegeteam und Bundeswehr

Besonderer Dank galt dem Team um Friedhofsverwalter Eugenio Pezza für die hervorragende Pflege der Kriegsgräberstätte sowie der Bundeswehr: Mit einem Arbeitseinsatz hatte die Luftlandepionierkompanie 270 aus Seedorf im Vorfeld wichtige Unterstützung geleistet. Bei der Gedenkveranstaltung  trugen die Soldaten die Kränze.

Projekt „19für19“

Mit dem Projekt „19für19“ modernisierte der Volksbund zu seinem 100-jährigen Bestehen vor drei Jahren 19 Ausstellungen auf Kriegsgräberstätten in ganz Europa, um damit das „Kriegsgrab als zeitgemäßen Lernort“ aufzuwerten. Das Projekt ist fast abgeschlossen.

Delegation auf fünf weiteren Friedhöfen

Schon am Vortag, dem 17. Mai, hatte eine hochrangige Volksbund-Delegation die Friedhöfe Polens, Frankreichs, Italiens, des Commonwealth und eine Gedenkstätte der USA besucht und mit Kränzen der  Schlachten am und auf dem Monte Cassino gedacht. Dabei stand der europäische Gedanke des Miteinanders und der Versöhnung im Vordergrund.

Mehr lesen Sie hier: „Volksbund-Botschaft in Cassino: ‚Dieses Europa steht zusammen“

„Auch wenn es mit Blick auf die Ukraine scheint, dass es keinen Sinn hat, sich zu erinnern (…) – trotzdem – ich wiederhole es – ist es unsere Pflicht, uns an das Geschehene zu erinnern, vor einer Wiederholung zu warnen und uns für die unablässige Suche nach Frieden einzusetzen.“

Francesco Carlino, stellvertretender Bürgermeister der Stadt Cassino
Harald John Abteilungsleiter Öffentlichkeitsarbeit

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