„70 Jahre Kriegsende – was bleibt?“

Der Landesverband Hessen beteiligt sich am Frankfurter Tag des Friedhofs

20. September 2015

Foto: Philipp Knauf

Unter diesem Titel führte die Bildungsreferentin des Landesverbandes, Judith Sucher, eine interessierte Besuchergruppe zu den verschiedenen Kriegsgräbern und -denkmälern des Frankfurter Hauptfriedhofs. Die fast 5000 Kriegsgräber des Friedhofs dokumentieren auf besondere Weise die Weltkriege und die nationalsozialistische Gewaltherrschaft. Mit immer größerem Zeitabstand zu den Kriegen erinnern sie als persönliche Zeugnisse der Opfer an die vielen Schicksale, die mit Krieg und Gewaltherrschaft verbunden sind und dienen uns allen zur Mahnung.

Durch die Vorstellung von Personen, deren Einzelgräber während des Rundgangs besucht wurden, gewährte Frau Sucher der rund zwanzigköpfigen Gruppe Einblicke in die Geschichte Frankfurts zur Zeit des Zweiten Weltkriegs und des Nationalsozialismus. Schicksale, wie das von Hagar Martin Brown, der als gebürtiger Afrikaner als „rassisch minderwertig“ galt und verfolgt wurde, des Widerständlers Bernhard Becker, aber auch des letzten Stadtkommandanten von Frankfurt geben dieser Geschichte ein Gesicht. Eine besondere Gelegenheit zum Austausch ergab sich hier, da eine 91-jährige Teilnehmerin die alliierten Bombenangriffe auf die Mainstadt miterlebt hatte und die restlichen Zuhörer an ihren Erinnerungen teilhaben ließ.

Gleichzeitig wurde ein Augenmerk auf die lokale Erinnerungskultur gelegt. So erläuterte Frau Sucher den Hintergrund mehrerer Gedenktafeln, die nach und nach auf dem Friedhof verlegt wurden und deren Errichtung mitunter auch Gegenstand gesellschaftspolitischer Diskussionen war.

Besonders eindringlich ließ sich der Umgang mit der Stadtgeschichte Frankfurts an dem zuletzt besuchten Massengrab für die ermordeten Zwangsarbeiter, die in dem KZ-Außenlager „Katzbach“ und in den Adlerwerken unter unmenschlichen Bedingungen leben und arbeiten mussten, skizzieren. Befremdlich war hier für mich, als neuer Freiwilliger des Landesverbandes Hessen, dass die Initiative für diese, relativ abgeschieden gelegene, Gedenkstätte von einer privaten Organisation kommen musste, die seitdem auch die Pflege des Denkmals übernommen hat.

Bereits am Vormittag fand ein vom Volksbund organisierter Vortrag unter dem Titel „Was tun im Falle des Falles – Der Vorsorgeordner für Pflege- und Todesfall“ in der Trauerhalle statt. Rechtsanwältin und Notarin Marianne Fleischmann gab vor interessiertem Publikum Tipps, wie ein Dokumentenordner erstellt werden kann, in dem alle wichtigen Unterlagen für Angehörige zusammengefasst sind, sollte es zu einem Krankenhausaufenthalt oder sogar zum Tod kommen.

Am Tag des Friedhofs, der im kommenden Jahr zum 15. Mal bundesweit ausgetragen wird, präsentieren sich vor allem die Verbände der Friedhofsgärtner und vermitteln das Bild des lebendigen Friedhofs als Ort der Ruhe und Geborgenheit.

Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e.V.

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