„Glauben Sie wirklich, dass die Menschen aus der Geschichte gelernt haben?“

Zentrale Gedenkstunde des Landes Hessen zum Volkstrauertag

19. November 2018

Auch in diesem Jahr folgten viele Besucher der Einladung des Landesverbandes in die Paulskirche. (Foto: Viola Krause)

Schülerinnen und Schüler des Theaterkurses der Hohen Landesschule Hanau nahmen die Gäste mit auf eine Zeitreise der vergangenen 150 Jahre. (Foto: Judith Sucher)

„Krieg ist das Schrecklichste was es gibt auf der Welt – warum versteht das keiner?“ - es gibt Fragen, so einfach und so naheliegend, wie nur Kinder sie stellen können. Intensiv haben sich die Sechstklässler des Theaterkurses der Hohen Landesschule in Hanau mit der Geschichte der letzten 150 Jahre auseinandergesetzt und daraus ableitend auch ihre eigenen Gedanken und Wünsche für die Zukunft formuliert. Verarbeitet in einem Theaterstück nahmen sie die Gäste der diesjährigen Gedenkstunde in der Paulskirche mit auf eine Zeitreise: Angefangen vom Ringen um eine Verfassung im Jahre 1848 über die beiden Weltkriege und die Jahre der 68er Bewegung bis in das Hier und Jetzt. Auch die Nachrichten der heutigen Zeit, so mussten die Kinder feststellen, sind wahrlich nicht rosig. Und so war es nicht verwunderlich, dass sie sich am Ende an das Publikum wandten: „Glauben Sie wirklich, dass die Menschen aus der Geschichte gelernt haben?“

Die Zeitreise der jungen Schauspielerinnen und Schauspieler war bezeichnend für die diesjährige Veranstaltung. Auch die Redner des Tages, Bürgermeister Uwe Becker und Ministerpräsident Volker Bouffier, nahmen in ihren Beiträgen Bezug auf die Gedenkjahre: Das Scheitern der Revolution vor 170 Jahren, das Ende des Ersten Weltkrieges vor 100 Jahren, die Reichspogromnacht vor 80 Jahren, die Proklamation der Menschenrechte vor 70 Jahren.

Ebenso wie die Schülerinnen und Schüler verloren aber auch sie beide nicht die Aktualität aus den Augen. „Was damals an diesem Ort das Ringen um ein einiges Deutschland war, muss heute das Ringen um ein einiges Europa sein.“, so Bürgermeister Becker in seiner Begrüßung. Es sei wichtig, richtig und auch gut, dass Länder für nationale Interesse einstünden, aber aus nationalen Interessen dürfe nie wieder Nationalismus werden. Jener Nationalismus, der dazu geführt habe, „dass unser Europa, unser Kontinent, viel zu viel Blut und Tränen in seiner Geschichte gesehen hat.“ Bürgermeister Becker appellierte an die besondere Verantwortung, die Zukunft so zu gestalten, dass Frieden und Sicherheit, dass Demokratie und Menschenrechte als Werte im Vordergrund stünden.  

Ministerpräsident Bouffier griff in seiner Gedenkrede den Gedanken Europas ebenfalls auf, und antwortete auf die eingangs gestellte Frage der Schülerinnen und Schüler. In diesem Zusammenhang erinnerte Ministerpräsident Bouffier an die Geschichte des vereinten Europas: Aus den Lehren des Zweiten Weltkriegs geboren, sei dies eine Idee des Friedens. Erstmals in der Geschichte wurden unterschiedliche Interessen von Nationen nicht durch Kriege, sondern durch ein Vertragswerk gelöst.

Auch deswegen seien Tage, wie der Volkstrauertag wichtig. Das was Geschichte war, dürfe nicht zu bloßen Geschichten zerrinnen. Und so sei der Volkstrauertag „ein Tag der Trauer, ein Tag des Gedenkens, aber auch eine Mahnung, die höchst aktuell ist - an uns alle.“  Der Mensch brauche ein Gedächtnis, um sich zu orientieren und so brauche auch Gesellschaft eine Orientierung als notwendige Grundlage um Zukunft zu gestalten. Dafür sei die Kenntnis der Geschichte elementar und Auseinandersetzung mit ihr immer wieder geboten. Zugleich mahnte Ministerpräsident Bouffier davor, dieses friedliche Europa, die Existenz von Rechtsstaatlichkeit, Frieden und Freiheit nicht als Selbstverständlichkeit hinzunehmen und bat insbesondere die Schülerinnen und Schüler: „Macht weiter! Und schaut vielleicht in gleicher Weise: Warum vereintes Europa? Es ist Eure Zukunft!“

 

 

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