Kriegsgräberstätten als Lernorte

In Hessen gibt es 1052 Gräberstätten des Ersten und Zweiten Weltkrieges. Auf diesen ruhen mehr als 70.000 Menschen. Kaum jemand kennt ihre Geschichte. Die Mahnung, die von Kriegsgräberstätten für nachfolgende Generationen ausgehen soll, stellt sich heute nicht mehr selbstverständlich ein: Kriegsgräberstätten müssen erklärt werden.
Aus diesem Grund hat sich der Landesverband Hessen des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge e. V. zum Ziel gesetzt, einzelne Kriegsgräberstätten zu erforschen.

2007 entstand eine erste pädagogische Handreichung, die einzelne Schicksale in den Blick nimmt und am Beispiel Schlüchtern im Main-Kinzig-Kreis über Ansätze von Projektmöglichkeiten auf Kriegsgräberstätten informiert.
2011 wurde die Handreichung inhaltlichen Basis für die Entwicklung einer Lernstation im Campus-Bereich des Bildungshauses der Bildungspartner Main-Kinzig GmbH in Gelnhausen.

Ebenso wie der authentische Lernort Kriegsgräberstätte bietet die Lernstation, zahlreiche Anknüpfungspunkte für eine multiperspektivische historisch-politische Bildung. Exemplarisch informiert sie über einzelne Schicksale von Menschen, die auf Kriegsgräberstätten bestattet sind. Je nach Friedhof können dies sehr unterschiedliche Gruppen von Kriegstoten sein: beispielsweise Bombenopfer, Kriegsgefangene, KZ-Häftlinge, Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter, deutsche und ausländische Soldaten, SS-Angehörige, Jugendliche, die als Flakhelfer oder auf andere Weise im Krieg eingesetzt wurden, "Euthanasie"-Opfer oder Flüchtlinge.

Foto: LV Hessen
Foto: LV Hessen

 

»Lernstation Kriegsgräberstätte«

Ausgehend von der Lernstation bietet der Landesverband Hessen seit 2012 im Bildungshaus Veranstaltungen wie Workshops, Seminare, Vorträge und Lernmodule an, die unterschiedliche Schwerpunkte und Aspekte aufgreifen, vorstellen und zur näheren Beschäftigung und zu Projekten anregen sollen.

Gemeinsam mit dem Fachbereich Gesellschaft der BiP und der Schule für Pflegeberufe im Mainz-Kinzig-Kreis wurde 2012 ein pädagogisches Angebot für angehende Pflegekräfte entwickelt und 2013 erstmals erprobt. Im Rahmen des Projektages "Geschichte der Krankenpflege im sogenannten 'Dritten Reich'" nähern sich die Schülerinnen und Schüler selbstständig der Thematik Medizin und Pflege im Nationalsozialismus und setzen sich mit Fragen der beruflichen Verantwortung und Ethik damals wie heute auseinander.

Foto: Viola Krause
Foto: Viola Krause

 

Neue Wege - Neue Themen

Die Bildungsarbeit des Landesverbandes Hessen folgt immer wieder neu der Frage, wie Inhalte, Problem- und Fragestellungen, die sich von Kriegsgräbern ableiten, einem breiteren Publikum vermittelt und wie junge Menschen an diese Inhalte heran geführt werden können.
Zu diesem Zweck sollen Themen neu erschlossen und vielfältige Herangehensweisen entwickelt werden. Dies kann in Form von neuen Veranstaltungsformaten und -reihen erfolgen oder durch die Erprobung neuer Methoden.

Bis 2010 geschah dies beispielsweise durch diverse Projekte in Kooperation mit der Frankfurter Academy of Visual Arts. Aus dieser Zusammenarbeit entstand das pädagogische Konzept, welches in der Broschüre "Erlebte Geschichte" erläutert wird. Lesen Sie den Bericht zu dem Projekt "Krieg - Alltag und Glaube", bei dem Schülerinnen und Schüler der Lindenauschule Hanau und Studentinnen und Studenten der Frankfurter Academy of Visual Arts gemeinsam ein Projekt in Niederbronn-les-Bains im Elsass realisierten. Ausgehend von Biografien einzelner Kriegstoter entsanden mehrere Kurzfilme.

Für Geschichtsinteressierte und Jugendliche, die lieber im Freien aktiv sein möchten, statt am Schreibtisch Texte und Quellen zu studieren, wurde ausgehend von der Kriegsgräberstätte Ludwigstein das erlebnispädagogische Modul "History Caching - Mit dem GPS in die Vergangenheit. Geocaching auf der Kriegsgräberstätte Ludwigstein" entwickelt. Lesen Sie hier mehr über das pädagogische Modul.

Foto: LV Hessen
Foto: LV Hessen

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Kontakt

Für mehr Informationen zu Exkursionen und über Studienfahrten kontaktieren Sie bitte das Bildungsreferat des Landesverbandes:

Judith Sucher

Referentin für Bildungs- und Öffentlichkeitsarbeit

Telefon: +49(0)69/944 907 11

Mail: bildung-hessen@volksbund.de