Halbzeitbericht über mein FSJ-Politik im Landesverband Hessen

„Du machst dein FSJ bei der Kriegsgräberfürsorge?“
So reagierten viele Menschen in meinem Umfeld als ich ihnen davon erzählte, aber mit dieser Reaktion hatte ich schon fast gerechnet. Das Thema Krieg und Tod ist kein schönes Thema und man mag sich damit nicht gerne auseinandersetzen. Mir war das jedoch wichtig, denn auch in der heutigen Zeit ist Frieden keine Selbstverständlichkeit. Von einer friedlichen Welt sind wir leider weit entfernt und auch das Vergangene darf niemals vergessen werden.

Die ersten Wochen

Ein Verein lebt überwiegend von Spenden und so ist es auch beim Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge. Daher findet alljährlich eine Haus- und Straßensammlung statt, bei der zahlreiche ehrenamtliche Helferinnen und Helfer eine enorme Summe an Spenden für die Friedensarbeit zusammentragen. Diese Arbeit wurde im Hessischen Landtag in Wiesbaden durch den Landtagspräsidenten und Schirmherren des Landesverbandes Norbert Kartmann und den Landesvorsitzenden Karl Starzacher geehrt.

Teil der Dankveranstaltung und des anschließenden Benefizkonzertes zum Sammlungsauftakt war auch die Ausstellung „14/18 - mitten in Europa. Die Urkatastrophe des Ersten Weltkrieges und ihre Folgen für das 21. Jahrhundert“ die ich gemeinsam mit Judith Sucher, unserer Bildungsreferentin, vor Ort aufbauen und ausstellen durfte. Das Ende des Ersten Weltkriegs jährte sich 2018 zum hundertsten Mal und unsere Ausstellung veranschaulichte den Gästen des Konzerts die Entwicklung und die Geschehnisse. Auch für mich war das sehr informativ, da in meinem Schulunterricht nur der Zweite Weltkrieg Thema war. Interessant war es mit den Besucherinnern und Besuchern ins Gespräch zu kommen, viele erzählten von der Verbindung der eigenen Familiengeschichte zum Ersten Weltkrieg.

Tag des Friedhofs

Sonntag, den 16. September 2018 fand der bundesweite „Tag des Friedhofs“ statt und auch Frau Sucher und Herr Dr. Hartmann (wissenschaftlicher Mitarbeiter des Landesverbandes) luden zur Führung zum Thema Weltkriegsgeschichte auf den Frankfurter Hauptfriedhof ein. Es war zwar mein freier Tag, aber mein Interesse war groß und so war ich als Zuhörerin mit meiner Mutter und meiner Oma auch dabei.

Bei dem Wort Kriegsgräber kamen mir zuerst die gefallenen Soldaten in den Sinn. Doch auch Kriegsgefangene, Zwangsarbeitskräfte, Euthanasieopfer und KZ-Häftlinge sind auf dem Friedhof beigesetzt. Die Farbe der Grabsteine und die Lage unterscheiden zwischen dem Ersten und dem Zweiten Weltkrieg. Neben der Geschichte der Gräberanlage war auch die Arbeit des Landesverbandes Thema der Führung und Herr Hartmann berichtete aus der Praxis des Forschungsprojektes. Im Rahmen der Recherche ließ sich bspw. herausfinden, dass viele der auf den Grabkennzeichnungen vermerkten ausländischen Namen der Kriegstoten falsch geschrieben wurden. Dies möchte der Landesverband korrigieren und auch Biografien einzelner Toter rekonstruieren.
Erstaunlich, welche Arbeit hinter der Forschung steckt, um diese Details in Erfahrung zu bringen. Es gab sogar ein Grab auf dem frische Blumen lagen, was bedeutet dass dessen Familie den Soldaten nicht vergessen hat.

Die Familie meiner Ur-Großeltern war auch vom Ersten Weltkrieg betroffen und über den Volksbund wurde ihnen damals der Bestattungsort mitgeteilt. Aus Erzählungen meiner Oma weiß ich, dass mein Ur-Großvater gerne das Grab seines Sohnes am Futa-Pass besucht hätte, was ihm leider nicht mehr möglich war. Durch den Volksbund gibt es die Möglichkeit am Grab Blumen niederlegen zu lassen und das werden wir jetzt, drei Generationen später, tun.

Im Anschluss an die Kriegsgräber auf dem Hauptfriedhof besuchten wir auch den Alten Jüdischen Friedhof, da auch dort Kriegstote aus dem Ersten Weltkrieg auf einem sogenannten Ehrenfeld bestattet sind.

Volkstrauertag

Von Beginn an war ich in die Vorbereitungen zum Volkstrauertag eingebunden und konnte so den Prozess von der Planung bis zur Umsetzung dieser wichtigen Veranstaltung kennenlernen und aktiv mitgestalten. Kranzschleifen mussten gebunden und versandt werden, Programmhefte wurden gedruckt und gefaltet und ich durfte eine eigene Präsentation zur Arbeit des Freiwilligenengagements betreuen.

Bildungswochen

Zu Beginn meines FSJ stand schon das erste Seminar mit anderen FSJlern an. Bildungswochen sind Seminare, an denen sich die Freiwilligen aus Hessen und NRW für fünf Tage treffen und diese Tage mit verschiedenen Methoden zu einem, von uns ausgewähltem Thema füllen.

Ein Highlight war unsere Führung durch den ehemaligen Kanzlerbunker in Bonn. Auch die Gruppenarbeiten zu sozialen und politischen Themen wie Fremdenfeindlichkeit und der Austausch über unsere unterschiedlichen Einsatzstellen waren informativ. Beim zweiten Seminar besuchten wir eine Livesendung des WDR 5 in Köln – wirklich spannend! Auch unser Rhetorikseminar mit der Referentin Katja Plum hat mir gut gefallen. Mit ihr haben wir geprobt, wie wir uns in verschiedenen Situationen am besten verhalten und wie unsere Aussprache und Körperhaltung bei anderen ankommt.

Erste Erfahrungen mit Bildungsangeboten

Der Landesverband Hessen bietet verschiedene Bildungsangebote an, unter anderem das „History Caching“. Mein erstes „History Caching“ mit Frau Sucher und Herrn Wicker, unser Kooperationspartner der Bildungspartner Main-Kinzig GmbH, in Schlüchtern mit der Henry-Harnischfeger-Schule war spannend. Wie beim Geo Caching läuft man mit einem GPS Gerät, in das bestimmte Punkte eingetragen sind, in der Stadt herum und sucht die versteckten Caches. Das „History Caching“ des Volksbundes baut auf neun unterschiedlichen Einzelschicksalen von Toten des Zweiten Weltkrieges, die mehrheitlich auf der Kriegsgräberstätte in Schlüchtern bestattet sind, auf. Es handelt sich aber nicht nur um Kriegsgefangene oder KZ-Häftlinge, sondern auch um deutsche Soldaten und SS-Angehörige.
Ein interessantes Erlebnis für jeden, der sich für Geschichte, insbesondere die Geschichte seiner Stadt, interessiert.

Ein weiteres Bildungsangebot für Schulen ist das Planspiel „Flucht und Gewaltmigration“. Bei der Durchführung des Projekttages an der Georg-Büchner-Schule in Stadtallendorf war ich das erste Mal dabei. Durch das Planspiel sollten sich die Schülerinnen und Schüler in verschiedenen Rollen, z.B. Geflüchtete oder auch Mitarbeiter einer Asylunterkunft, hineinversetzten, um ein Gefühl dafür zu bekommen wie schwierig es ist, auf der Flucht zu sein, und das Asylsystem zu durchlaufen.
Eine Aufgabe, die ich im Nachhinein bekommen habe war, das Portfolio an Schicksalen zu ergänzen und neue Biographien rauszusuchen und zu schreiben, die dann später in dem Planspiel verwendet werden können. Zwei der Biographien konnte ich, mit Einverständnis der Personen, aus meinem privaten Umfeld verwenden. Oft habe ich aber auch recherchieren müssen.

Persönliches Projekt

Ich freue mich auf mein persönliches Projekt, denn ich werde es in meiner ehemaligen Schule durchführen! Thema wird der Widerstand der Jugend im Nationalsozialismus sein, es geht aber auch um aktuelle Widerstandsformen und um die Frage, was wir als Jugendliche heute tun können. Ich möchte den Jugendlichen in meinem Projekt zeigen, was man auch mit kleinen Taten verändern kann und sie werden mit Ereignissen von heute in Kontakt kommen, bei denen ihnen auffallen wird, dass es im früheren Widerstand ähnliche oder gar gleiche Bilder und Situationen gegeben hat. Die Teilnehmenden werden in Gruppen an den Widerstandsformen arbeiten und in Kurzvorträgen vorstellen, damit alle einen kleinen Überblick über jede Form des Widerstandes haben.

 

 

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